Heidenheim / Die siebte Benefiz-Kleinkunstgala bringt forsche Neulinge und erfahrene Akteure ins Naturtheater.

Hans Weller, Toto-Lotto-Bezirksdirektor im Ruhestand, hat die Benefiz-Gala der Kleinkunstpreisträger im Naturtheater ins Leben gerufen und sechs mal realisiert; der Erlös der Galen mit je drei Auftritten von Trägern des Kleinkunstpreises des Landes Baden-Württemberg ging immer hälftig an den Gastgeber Naturtheater und an den Verein „Freunde schaffen Freude“.

Hans Weller ist jetzt munterer Pensionär; aber er hat seinen Nachfolger als Leiter der auch für Heidenheim zuständigen Lotto-Bezirksdirektion darauf eingeschworen, diese Form der Förderung von regionaler Kultur beizubehalten. Und Dieter Grauling, der bisher eher vom Sport (zum Beispiel als zeitweiliger Geschäftsführer des Württembergischen Fussballverbands oder als multipler Funktionär des einstigen Fussballbundesligisten SSV Ulm) als von der Kultur herkommt, hat sich in die Pflicht nehmen lassen und sagt unmissverständlich: „Das müssen wir fortsetzen. Und das tun wir gerne“. Das ist keine Zusage mit Ewigkeitswert, gilt aber, auf Nachfrage, ausdrücklich „bis auf weiteres“.

Und Graulich lobt ausdrücklich das bei Naturtheater wie Freunden „große Engagement von Ehrenamtlichen; ohne das geht's weder im Sport noch in der Kultur“. In Deutschland funktioniere das noch beispielhaft, aber auch das sei nicht auf Dauer garantiert: „Da leistet Lotto gerne einen Beitrag“.

Und sein bezirksdirektorialer Vorgänger Weller nennt die stolze Zahl von 132 Millionen Euro, die Toto-Lotto im Land jährlich zur Verfügung stelle für den Sport (das ist mit knapp 50 Prozent der größte Posten), dann aber auch für Kultur (mehr als ein Viertel) sowie für Soziales und Denkmalpflege.

Und der Neue gibt für die Naturtheater-Gala nicht nur einfach eine Bestandsgarantie: „Wir freuen uns, wenn wir diese Veranstaltung noch weiter entwickeln können – das müsste doch gemeinschaftlich möglich sein“.

Und Inge Grein-Feil, alte „Chefin“ von „FsF“, sowie Norbert Pfisterer, neuer Vorsitzender im Theaterverein, nicken eifrig: „Das ist eine Win-win-Situation und ein wichtiger Imagefaktor für alle Beteiligte“, sagt Pfisterer bei der Pressekonferenz im Naturtheater-Café. Übrigens gilt das auch für die Heidenheimer Volksbank, den zweiten Förderer der Gala. Und für die verspricht Marketingchef Jürgen Pröbstle ebenfalls künftiges Sponsoring: „Auch wir wollen das weiterführen“.

Weller ist mit Helga Banz, Pfisterers Vorgängerin, und Inge Grein-Feil immer zu den Veranstaltungen gefahren, in denen die Kleinkunst-Landeskunstpreisträger ermittelt wurden. Und meist wurden dann, gleich vor Ort, ausgezeichnete Künstler fürs Naturtheater verpflichtet.

So auch das letzte Mal: „Wir haben uns die Drei, die am Donnerstag, 9. Juli ab 20 Uhr im Naturtheater auftreten werden, gleich ausgeguckt“, erinnert sich Weller.

Mittlerweile sind die drei Erwählten, die ansonsten bei ihren Kleinkunst-Auftritten eher kammertheatralisches Ambiente gewohnt sind und im Naturtheater ungewohnte Openair-Atmosphäre genießen können (eigens deshalb haben Künstler auch von sich aus schon in Heidenheim nachgefragt, erwähnt Grein-Feil nicht ohne Stolz), in eben dieser Kombination auch anderenorts schon aufgetreten – „mit durchschlagendem Erfolg“, wie Grein-Feil beobachten konnte.

„Das sind ausgezeichnete Künstler“, so Wellers Einschätzung; und die Dischingerin setzt noch eins drauf: „sensationell“ seien die. Was nicht zuletzt für die beiden engagierten Frauen gilt, die unter dem Namen „Suchtpotenzial“ für Furore sorgen sollen: „Wir wollen so oft wie möglich auch Frauen im Programm haben“, gibt Weller eine primäre Begründung für deren Verpflichtung, die aber vor allem mit dem Können der beiden Akteurinnen begründet wird: „Das sind ganz heiße Öfen“, charakterisiert sie Weller; und Grein-Feil konkretisiert: „muckafrech“ seien die – und seit ihrer Auszeichnung als „shooting stars“ sehr erfolgreich: „Die sind jetzt dauernd im Fernsehen“.

Ebenfalls 2014 als Landespreisträger ausgezeichnet wurde Roland Baisch. Und dann kommt als zugstarker Kleinkünstler noch Ernst Mantel ins Naturtheater, der den Landespreis gar schon zweifach zuerkannt bekam – solistisch (2009) und für das Duo „Ernst und Heinrich“ (bereits 2007).

Ernst Mantel wird die Gala auch moderieren; und dann gibt's da, in der Pause, auch traditionell eine kleine Talkrunde mit den Förderern und den Begünstigten, die diesmal von der Heidenheimerin Marita Kasischke moderiert wird.

Toto-Lotto und Heidenheimer Volksbank übernehmen die Gagen der Auftretenden, so dass die Eintrittsgelder des Abends, für den man sich erstmals mehr als 1000 Zuschauer erhofft (drei Viertel der Karten sind bereits verkauft!), ungeschmälert an Naturtheater und „Freunde“ fließen kann.

Die „soziokulturelle“ Vereinigung in Dischingen, die sich mit den Gala-Einnahmen u.a. bereits einen Flügel leisten konnte, will diesmal für die „Arche“ feuerpolizeiliche Auflagen erfüllen. Es gebe „diverse Auflagen für den mittlerweile 15 Jahre alten Bau, bei Dachfenstern etwa oder Terrassentüren, die nur mit spürbaren Kosten realisiert werden können. Da sind wir für die Einnahmen der Gala dankbar“, meint Grein-Feil.

Und Pfisterer verweist auf „ein paar ganz alte Bauten hier auf dem Areal, die dringend saniert oder ganz neu gebaut werden müssen“. Da sei etwa „das Teil hinter dem Theatersaal“, wo Klause oder Maske ihre Heimstatt gefunden haben. Die Elektrik dort sei „katastrophal“, die Bausubstanz nicht mehr in Ordnung: „da dürfte man eigentlich gar nicht überall mehr 'rein“, sinniert Pfisterer. Vielleicht werde schon in diesem Jahr mit der Sanierung begonnen; er schätzt fürs Bauprogramm ein Volumen von 1,2 Millionen Euro: „Da muss auch der Verein in Leistung treten. Da kommen zusätzliche Einnahmen wie gerufen“.

Wirklich gerufen fühlen dürfen sich die Künstler; und da muss man in Heidenheim den bekanntesten Akteuren nicht mehr weiter vorstellen: Ernst Mantel aus Abtsgmünd ist ein ebenso knitzer wie wortmächtiger Kleinkünstler, der auch musikalisch mitzureißen versteht.

Jürgen Baisch, Kleinkünstler, Schauspieler und Musiker, ist Mitbegründer des Stuttgarter Scherbentheaters. Als Gagautor für Harald Schmidt kam er zur Comedy.

„Zu laut für das Altersheim und zu versaut für den Kindergarten“: Mit diesem Slogan machen die Ulmer Stadtmusikantin Ariane Müller und die Berlinerin Julia Gamez Martin auf sich aufmerksam. Die beiden temperamentvollen Frauen lernten sich erst vor vier Jahren am Ulmer Theater kennen – und mit ihrem Duo „Suchtpotenzial“ stehen sie jetzt womöglich am Beginn einer respektablen Karriere.

Man darf also durchaus gespannt sein. Karten gibt's, soweit Vorrat reicht, im Ticketshop des Heidenheimer Pressehauses.

Manfred Allenhöfer