Heidenheim / Mathias Ostertag Eine Ausbildung im Baugewerbe ist unter Jugendlichen selten erste Wahl. Die Bau-Innung Heidenheim will in Schulklassen mit der Teilnahme an der Bau-Challenge Interessenten locken.

Wenn man so will, hat Thomas Reinhardt den Stein erst so richtig ins Rollen gebracht: „Landrat appelliert ans Handwerk, mehr für Berufe zu werben“. Diese Aufforderung von Reinhardt, gerichtet gerade auch ans regionale Handwerk, war Anfang Oktober in einem Artikel in dieser Zeitung zu lesen. Und Gabi Fetzer sah dies durchaus als Anlass, umgehend auf die Schlagzeile reagieren zu wollen.

„Es hat mich furchtbar in den Fingern gejuckt, auf diesen Artikel mit einem Leserbrief zu antworten“, sagt Fetzer, deren Ehemann Wolfgang das gleichnamige Bauunternehmen in Hohenmemmingen führt, zugleich aber auch noch Geschäftsführer der Heidenheimer Bau-Innung ist. „Nicht die mangelnde Werbung ist unser Problem beim Finden von Auszubildenden, sondern die fehlende Akzeptanz unter den Eltern, die sich nicht vorstellen können, dass ihre Kinder eine Zukunft in einem Bauberuf haben könnten.“

Natürlich hat Fetzer dazu die passende Geschichte parat: „Ein Schüler hat bei uns in diesem Sommer ein Praktikum absolviert. Das hat ihm auch sehr gut gefallen, deshalb blieb er gleich noch als Ferienarbeiter da.“ Dann sei er nochmals mit seinem Vater vorbeigekommen, habe ein Vorstellungsgespräch hinter sich gebracht, die Papiere zur Eintragung in die Lehrlingsrolle hätten bereits vorbereitet auf dem Tisch gelegen, er habe nur noch unterschreiben müssen. „Dann sollte plötzlich nochmal die Mama gehört werden. Und die Folge? Jetzt haben wir keinen Azubi“, berichtet Fetzer.

Untypisch ist dieser Fall trotzdem nicht, sondern fast schon alltäglich im Baugewerbe, ja im gesamten Handwerk. Zwar konnte die Handwerkskammer Ulm zum Ausbildungsstart im September im gesamten Kammerbezirk ein Plus von 9,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr vermelden. Und im Landkreis Heidenheim fiel das Plus mit zwölf Prozent bei 204 neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnissen sogar noch besser aus. Spürbar ist das aber nicht überall: „In einigen Tagen hat die Innung ihre Gesellenprüfungen im Baugewerbe. Wir haben gerade mal zwei Leute, die daran teilnehmen, davon einer, der wiederholt“, erzählt Wolfgang Fetzer. Was also ist zu tun, um den Jugendlichen das Bauhandwerk schmackhaft zu machen? Es gebe Möglichkeiten wie den Bau-Bus, so der Innungs-Geschäftsführer, der werde von den Schulen gut angenommen. „Oder, die Bau-Challenge, eine, wie ich finde, ziemlich coole neue Aktion unseres Fachverbands Bauwirtschaft Baden-Württemberg.“ Dabei geht es darum, dass Schulklassen über eine Online-Plattform kreative, technische und organisatorische Aufgaben rund ums Thema Bauen erfüllen und Wissensfragen beantworten müssen. Dafür gibt es Punkte, mit denen sich die Ergebnisse mit anderen Klassen vergleichen lassen. „Man kann auch Bilder online stellen, Freunde, Familie, Bekannte, können zum Beispiel die Bilder teilen. Klassisches Social Media eben“, sagt Gabi Fetzer.

Ziel der ganzen Aktion: Schulklassen sollen sich im Rahmen des berufsvorbereitenden Unterrichts auf spielerische Weise mit der Baubranche beschäftigen. Und können damit wiederum ihre Klassenkasse aufbessern: „Jede Klasse aus dem Kreis Heidenheim, die an der Bau-Challenge teilnimmt, erhält zusätzlich von der Heidenheimer Innung ein Extra-Preisgeld von 100 Euro für die Teilnahme“, so Gabi Fetzer.

Ein Blick in die Statistik der Bau-Innung Heidenheim erklärt, warum das Gewerbe auf junge Fachkräfte angewiesen ist: Einst gab es im Kreis Heidenheim knapp 60 Baubetriebe, übrig geblieben sind noch 21 Firmen. Dabei haben nicht etwa die großen Betriebe in den vergangenen Jahren die kleinen geschluckt. „Größere sind pleite gegangen, während die kleineren ein Nachfolgeproblem hatten“, erzählt Fetzer. „Den Menschen muss klar sein, dass wir unsere Arbeit nicht mit Hilfsarbeitern bestreiten können. Wir brauchen Facharbeiter. Und die gibt's nur, wenn wir gut ausgebildete Lehrlinge haben.“