Auf dem Firmengelände des Zementherstellers Schwenk in Mergelstetten haben die Bauarbeiten für eine Versuchsanlage begonnen. Zwischen dem Kreisverkehr und dem bislang bestehenden Werk, aber auch auf einer an die Bahnlinie angrenzenden Fläche wird gearbeitet. Entstehen soll eine Pilotanlage, mit der ein Konsortium aus vier großen Zementherstellern die Gewinnung von CO2 aus den Abgasen der Zementherstellung testen wollen. So sieht aktuell der Zeitplan für die neue Anlage aus:

1. Vorbereitende Bauarbeiten

Derzeit läuft beim Regierungspräsidium Stuttgart das immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren für den Bau der Anlage. Dieses schließt auch die Baugenehmigung ein. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen, aber das Konsortium CI4C hat schon am 2. Juni die Erlaubnis für den vorzeitigen Beginn vorbereitender Bautätigkeiten bekommen.

Deshalb können schon jetzt Kanäle, Leitungen und Fundamente gebaut werden. Auch kann jetzt bereits eine Lösch- und Brauchwasserzisterne und ein Versickerungsbecken mit Lamellenklärer und Trennbauwerk errichtet werden. Auch die Erweiterung der Schotterfläche auf insgesamt 10.000 Quadratmeter wurde damit vom Regierungspräsidium genehmigt.

2. Einwendungen gegen den Bau

Innerhalb des Genehmigungsverfahrens konnten bis zum 20. Juni Einwendungen gegen das Projekt vorgebracht werden. Nach Auskunft des Regierungspräsidiums gingen jedoch keine Einwendungen ein. Deshalb wurde auch ein Erörterungstermin, der für den 19. Juli angekündigt war, wieder abgesagt.

3. Die Genehmigung

Zum Beginn des Beteiligungsverfahrens hat das Konsortium bereits ein Gutachten zur Luftreinhaltung, ein Schallschutzgutachten, ein Konzept zur Verhinderung von Störfällen, ein Brandschutz- und Explosionsschutzkonzept sowie den artenschutzrechtlichen Fachbeitrag vorgelegt. Derzeit wird in Stuttgart noch an der Entscheidung über die Genehmigung gearbeitet. Das Regierungspräsidium rechnet damit, dass diese im Herbst gefällt wird.

4. Bauzeit

Die Unternehmen rechnen mit einer Bauzeit von rund eineinhalb Jahren. Laut dem Antrag wird südlich des bestehenden Zementwerks eine Drehofenanlage für das Oxyfuel-Verfahren gebaut werden, die einen 66,2 Meter hohen Schornstein bekommen soll. Außerdem gibt es eine Sauerstoffanlage zur Versorgung des Drehofens mit einer Lagermenge von maximal 340 Tonnen und die CO2-Abscheideanlage, in der bis zu 120 Kubikmeter CO2 gelagert werden können.

5. Betriebsstart

Nach derzeitiger Planung soll die Versuchsanlage Anfang 2024 in Betrieb gehen. Die Idee hinter dem Verfahren ist es, reines CO2 zu gewinnen, das wiederum für die Herstellung von synthetischen Kraftstoffen verwendet werden kann. Bislang geht das bei der Zementherstellung entstehende Kohlendioxid in die Luft und verursacht – je nachdem, wie man es rechnet – zwischen vier und acht Prozent des weltweiten Ausstoßes des klimaschädlichen Gases.

6. Ende der Laufzeit

Nach derzeitigem Planungsstand soll die Pilotanlage nur so lange in Betrieb bleiben, bis der Forschungszweck erfüllt ist. Gerechnet wird mit rund fünf Jahren Betriebsdauer, also bis 2029. Die Pilotanlage habe eine zu geringe Produktionskapazität, um auf Dauer wirtschaftlich betrieben zu werden, heißt es dazu von Schwenk. Auf Basis der Erkenntnisse, die man in Mergelstetten gewinnt, soll das Oxyfuel-Verfahren später hochskaliert werden, die Projektpartner können dann bestehende Standorte auf das Oxyfuel-Verfahren umrüsten oder neue, größere Oxyfuel-Anlagen errichten.

Wer baut in Mergelstetten?

Das Konsortium CI4C (Cement Innovation for Climate) besteht aus Schwenk, Heidelberg Cement, Dykerhoff und Vicat. Für den Bau der Anlage ist die Business Unit Polysius von Thyssenkrupp als Projektpartner beteiligt.

Heidenheim