Heidenheim / Michael Brendel Seit knapp zwei Jahrzehnten schon bringt die Ausbildungs- und Studienmesse Jugendliche, Unternehmen, Behörden und Hochschulen zusammen. Auch am Samstag. Allerdings unter anderen Vorzeichen als in der Anfangszeit.

Früh informiert sich, wer ein Auszubildender oder Student werden will: Nahezu unüberschaubar groß ist mittlerweile das Angebot an Lehrberufen und Studiengängen, und so tut es not, im Vorfeld einer Entscheidung an die Hand genommen zu werden, um nicht frühzeitig den Überblick zu verlieren. Das gilt insbesondere für all jene, die nicht von klein auf wissen, womit sie einmal ihre Brötchen verdienen wollen.

Der Samstag machte einmal mehr deutlich, wie immens der Informationsbedarf bei vielen Jugendlichen ist. Fünf Stunden lang hatten die Organisatoren für die 18. Heidenheimer Ausbildungs- und Studienmesse anberaumt, und schon ehe die Veranstaltung um 9.30 Uhr offiziell eröffnet wurde, wuselte es auf dem Schlossberg. Hunderte strömten zu vergleichsweise früher Stunde Richtung Congress-Centrum (CC), um angesichts des zu erwartenden Ansturms möglichst ungestört die Ansprechpartner ihrer Wahl zu erwischen.

138 Aussteller

Erwartet wurden sie von den alles in allem 138 Ausstellern bereits mit offenen Armen, haben sich die Rahmenbedingungen doch grundlegend geändert. Darauf wies Elmar Zillert, Leiter der Agentur für Arbeit in Aalen, bei seiner kurzen Ansprache zum wiederholten Mal hin.

Vor wenigen Jahren noch handelten sich Bewerber oft Absage um Absage ein, hatten die Arbeitgeber doch die freie Auswahl. Ins Bild passt die am Rande der Messe von einem Heidenheimer Rechtsanwalt geäußerte Feststellung, Anfang des Jahrtausends seien die Aussichten selbst für Juristen mit guten Abschlussnoten gering gewesen, nach dem Studium bei großen Firmen eine Anstellung zu finden.

Andere Vorzeichen

Mittlerweile aber hat sich das Blatt gewendet. In vielen Bereichen sind potenzielle Azubis Mangelware, nicht selten warten Chefs sogar vergeblich auf Bewerbungen. Dabei ist dieses Problem keineswegs ein schnell vorübergehendes, vielmehr verschärft es den seit Längerem beklagten Mangel an Fachkräften zusätzlich.

Gute Aussichten also für (künftige) Schulabgänger, und so stieß die im CC präsentierte Auslage auf ein nicht minderes Interesse als in den vergangenen Jahren. Bemerkenswert: Die Messebesucher kamen keinesfalls nur aus Heidenheim und seiner näheren Umgebung, sondern – schenkt man den Kennzeichen der dicht an dicht auf dem gesamten Schlossberg stehenden Autos Glauben – beispielsweise auch aus den Landkreisen Ostalb, Günzburg, Dillingen und Alb-Donau.

Aus Göppingen war Hubert Klein mit seinem Enkel Martin (16) nach Heidenheim gekommen. Nicht der nächste Weg, aber für den 70-Jährigen eine Selbstverständlichkeit: „Wenn einer die Möglichkeiten, die es heute gibt, nicht nutzt, weil er nur vor seiner eigenen Haustür guckt, dann kann man ihm nicht helfen, oder?“

Messe als Ideenschmiede

So mancher dürfte angesichts des umfangreichen Angebots am Samstag auf ganz unerwartete Berufsideen gekommen sein. Oder aufgrund unmittelbaren Erlebens. Vielleicht auch jener Jugendliche, der im Pkw neben seiner Mutter sitzend unübersehbar den Wert einer sich zuverlässig öffnenden und schließenden Schranke zu würdigen wusste: Die an der Einfahrt zur CC-Tiefgarage versagte nämlich just während des größten Andrangs kurzzeitig den Dienst.

Ein rundum positives Fazit zog Dieter Winterlik, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit in Heidenheim und hauptverantwortlicher Organisator der Messe. Seiner Einschätzung zufolge war das Interesse der Schüler und ihrer Eltern nicht weniger groß als in den vergangenen Jahren. Vormittags drängten sich demzufolge so viele Menschen im CC, dass es teilweise kaum noch ein Durchkommen gab. Erst nach 13 Uhr ließ der Ansturm etwas nach.

Masse und Klasse

Allerdings gab’s nicht nur Masse, sondern auch Klasse. Die Aussteller – auch die erstmals im Naturtheater vertretenen – zeigten sich Winterlik zufolge zufrieden: „Es waren viele gute Gespräche und es wurden viele Praktika vereinbart.“ Auf große Resonanz stießen auch der Maler- und der Metall-Elektro-Truck im Außenbereich.

Kein Wunder folglich, dass der Termin für die Ausbildungs- und Studienmesse im kommenden Jahr bereits feststeht: Samstag, 7. November. Weil das CC schon jetzt komplett ausgebucht ist, laufen Überlegungen, wo zusätzliche Messefläche gewonnen werden kann.

Große Auswahl, schwierige Entscheidung

Gute Zeiten für Jugendliche: Laut den Zahlen der Agentur für Arbeit in Aalen, die auch für Heidenheim zuständig ist, wurden zwischen dem 1. Oktober 2018 und dem 30. September 2019 im Agenturbezirk (Kreis Heidenheim und Ostalbkreis) 4433 Berufsausbildungsstellen zur Besetzung gemeldet. Gleichzeitig waren 2877 Bewerber registriert. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum waren bei 3012 Bewerbern 4049 Lehrstellen verfügbar.

Weniger gut sind freilich die Aussichten, dass das, was unter anderem die Ausbildungsmesse zusammengefügt hat, auf ewig hält: Bei den Ausbildungsberufen liegt die Abbrecherquote aktuell bei gut 22 Prozent. Bei den Studiengängen sind es je nach Fachrichtung sogar zwischen einem Drittel und 50 Prozent.