Heidenheim / erwin bachmann Was die Gläubiger zufriedenstellen wird, bedeutet für die noch 40 Beschäftigten nichts anderes als den Verlust ihres Arbeitsplatzes: Teile der in Insolvenz gegangenen Tempex GmbH werden von einem Investor übernommen, doch der Betrieb wird jetzt stillgelegt.

Den ersten tiefen Personalschnitt hatte man in der Firma in den Seewiesen bereits vor wenigen Monaten vorgenommen. 18 von seinerzeit 60 Mitarbeitern mussten von Bord, um eine Restrukturierung des vor der Zahlungsunfähigkeit stehenden Betriebes zu ermöglichen.

Doch der Plan, den in den letzten Jahren beharrlich Verluste schreibenden und jetzt überschuldeten Hersteller von Schutzausrüstungen im Rahmen eines Insolvenzplanes zu sanieren und neu am Markt zu positionieren, ging nicht auf. Ungeachtet einer noch Anfang September vom Management als positiv eingeschätzten Fortführungsprognose musste der Rest-Belegschaft jetzt kurz vor Weihnachten die betrübliche Nachricht übermittelt werden: Weil keine Chance mehr gesehen wurde, aus eigener Kraft zu überleben, wird der Standort nicht fortgeführt, sondern bis Ende März dichtgemacht.

Die für die Gläubigerseite günstige Alternative zum Insolvenzplan hat sich in Form eines Käufers gefunden, der – neben anderen Interessenten – ein Angebot abgegeben hatte, immaterielle Teile der angeschlagenen Heidenheimer Gesellschaft zu übernehmen. Als Investor tritt die im rheinland-pfälzischen Thalhausen gelegene HB Schutzbekleidung auf, die seit 1952 hochwertige Schutzbekleidung mit Kernkompetenzen unter anderem im Hitze-, Flamm- und Wetterschutz fertigt und jetzt die Produktsegmente Kälte-, Hitze- und Multifunktionsschutz der Firma Tempex erworben hat. Die Übernahme, die auch den Übergang der Markenrechte sowie den Eintritt in Kunden- und Lieferantenbeziehungen umfasst, erfolgte Anfang Dezember in Form eines Asset Deals, einer Unterart des Unternehmenskaufs, bei dem Wirtschaftsgüter – wie Maschinen oder auch Rechte – einzeln auf den Käufer übertragen werden. Dass hinter Tempex eine nach wie vor sehr erfolgreiche Marke steht, ist aus der Ankündigung des Erwerbers herauszulesen, dass der Erwerber beabsichtigt, mit diesem in vielen Kunden-Branchen gut eingeführten Namen nachdrücklich seine Marktposition stärken zu wollen.

Für Heidenheim bedeutet dies, dass mit dem sich abzeichnenden Aus von Tempex eine mehr als 60-jährige Firmengeschichte zu Ende geht. Dies bedauert auch der vom Insolvenzgericht Ende Juni als Sachwalter bestellte Prof. Dr. Martin Hörmann von der Ulmer Kanzlei Anchor Rechtsanwälte, der die Aufsicht über die in Eigenverwaltung geführte Gesellschaft hat. Der jetzt vorgenommene Verkauf von Unternehmensbestandteilen sei für die Gläubiger am Schluss jedoch die letzte Option und beste Lösung gewesen, so der Jurist, der in diesem Zusammenhang auf das gesetzlich vorgegebene Ziel eines jeden Insolvenzverfahrens verweist: nämlich die Gläubiger eines Schuldners zu befriedigen, indem entweder das Vermögen des Schuldners verwertet oder in einem Insolvenzplan eine abweichende Regelung insbesondere zu m Erhalt getroffen wird.

Die im vorliegenden Fall gewählte Verkaufs-Variante bedeutet für die derzeit 41 Beschäftigten samt dem Geschäftsführenden, dass sie sich einen neuen Arbeitsplatz suchen müssen. Der bis März im Zuge der Endabwicklung und Ausproduktion stufenweise erfolgende Abbau soll nach Angaben Martin Hörmanns so sozialverträglich wie möglich erfolgen. So wolle man den betroffenen Arbeitnehmern den Wechsel in eine in solchen Fällen erprobte Transfergesellschaft anbieten, von wo aus sie im Rahmen einer maximal einjährig befristeten Beschäftigung nach Möglichkeit in neue Arbeitsverhältnisse vermittelt werden sollen.