Heidenheim / Tom Wörrle Jan Felix May und seine Band heizten in der Cafeteria der alten DH in Heidenheim gewaltig ein.

In die Welt des Jazz tauchten in der Cafeteria der alten DH in Heidenheim diesmal rund 60 Besucher ein, die ein Konzert in der Veranstaltungsreihe von „Jazz Heidenheim“ gebucht hatten, das mit einiger Spannung erwartet wurde. Zu Gast war nämlich Jan Felix May plus Band, ein Quintett, das, laut Vorankündigung, „keine stilistischen Berührungsängste“ kenne, mit „innovativem Gestaltungswillen“ auf sich aufmerksam mache und dessen musikalische Bandbreite „von Jazz über elektronische Musik bis zu Impressionismus und Progressiv-Rock“ reiche. Das Publikum hatte Lust auf einen vielversprechenden Abend.

Und direkt mit ihrem ersten Titel machten die Musiker um May bereits deutlich, wie groß sich bei ihnen die Diskrepanz zum herkömmlichen Jazz tatsächlich darstellt. Das Publikum wurde von Beginn an beschallt mit abwechslungsreicher, unkonventioneller und vielleicht sogar leicht avantgardistischer Jazz-Musik mit Einflüssen aus den verschiedensten Genres des gesamten Musikspektrums. Hierbei schien May oftmals mit allgemeingültigen Konventionen der Harmonie zu brechen und eine ganz eigene, neuartige zu schaffen.

Zwischen Genres hin- und hergesprungen

Deswegen fällt es auch nicht leicht, die Spielart der Band stilistisch einzuordnen, blieb ja nicht einmal die Jazzkomponente als Basis durchgehend vordergründig bestehen. Permanent sprang das Quintett bunt zwischen den Genres hin und her, so dass das Publikum teilweise sogar innerhalb nur eines Songs von Einflüssen aus dem Progressive Rock, was manchmal auch in Richtung Krautrock entglitt, dem atmosphärischen elektronischen Trip-Hop und einer ordentlichen Portion Funk überwältigt wurde.

In den Songs „Paris Party“ und „Birmingham“ beispielsweise zeichnete die Band die beiden thematisierten Städte impressionistisch und kreativ und mit Hilfe komplexer, stimmungsvollen und verschnörkelten Klängen praktisch direkt vor die Augen.

Hinzu kamen die mit viel Leidenschaft praktizierten Alleingänge der verschiedenen Instrumentalisten. Da wären natürlich zum einen die akribisch vorgetragenen Pianosoli seitens May, der sogar oftmals simultan das Piano und Keyboard bediente und sowohl im Rahmen schneller, verspielter Tonabfolgen als auch durch langsame, melancholische Melodien sein enormes Können zum Ausdruck brachte. Ebenso Caro Trischler, die für einige Songs den Gesang beisteuerte, wusste mit ihrer sphärischen Stimme zu begeistern, vor allem im Stück „Hardcore Bling“.

Eduardo Sabella begleitete und unterstrich die komplexen Musikarrangements mit dem Bass und strahlte hierbei eine wohltuende Sicherheit aus, während Lukas Roos mit technisch hochwertigen Gitarrenriffs und energiegeladenen, rockigen Soli aufwartete. Auch Julian Camargo wusste am Schlagzeug zu überzeugen, wechselte er doch auch freudig zwischen verschiedenen Taktarten hin und her, was dem Gesamtpaket einmal mehr einen experimentellen Touch verlieh. Seine packenden Soli im Song „Major“ verhalfen ihm völlig zu Recht zu mehrfachem Szenenapplaus. Diese individuellen, hochwertigen Beiträge verschmolzen miteinander und ergänzten sich perfekt.

Eines steht fest: Keinesfalls ist die Musik von Jan Felix May und seiner Band als etwas zu behandeln, das mühelos seinen Weg durch jeden Gehörgang finden könnte. Der traditionell-dogmatische Jazzhead wird sich dem wahrscheinlich ebenso wenig hingeben können wie der Businessman, der sich bei Zigarre und Bourbon klassischen, smoothen Bar-Jazz zu Gemüte führen möchte. Für alle anderen jedoch bieten Mays Werke etwas ganz Besonderes, einen unfassbar vielseitigen Leckerbissen.

Was dabei in der alten DH geboten wurde, dürfte bei den meisten die Erwartungen sogar übertroffen haben. Deswegen muss als einziger kleiner Wermutstropfen die Besucherzahl beklagt werden. Locker würde sich mit dieser Musik auch größere Säle problemlos füllen lassen.

Die Jazzer machen Pause

Nach der Sommerpause meldet sich „Jazz Heidenheim“ am Freitag, 13. September, mit einem Konzert des Jan-Prax-Quartetts zurück, das ab 20 Uhr in der Cafeteria der alten DH zu erleben sein wird. Eintrittskarten sind im Vorverkauf im Ticketshop des Pressehauses in Heidenheim erhältlich.