Die Lage auf dem Arbeitsmarkt bleibt weiter angespannt. Nachdem die Corona-Pandemie im Frühjahr dazu geführt hatte, dass so viele Menschen wie schon lange nicht mehr binnen Kurzem ihren Job verloren, hielt der Trend – wenngleich abgeschwächt – in den Folgemonaten an.

Auch der August machte keine Ausnahme. Die Arbeitsverwaltung bezeichnet den jüngsten Anstieg zwar als „im saisonüblichen Umfang“ und „nur eingeschränkt den pandemiebedingten Belastungen zuzuordnen“. Gleichwohl kann laut Elmar Zillert, dem Leiter der auch für Heidenheim zuständigen Arbeitsagentur in Aalen, von einer Trendwende noch nicht die Rede sein.

Ende August waren im Bezirk der Agentur für Arbeit (Kreis Heidenheim und Ostalbkreis) 11 572 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet. Das waren 451 mehr als im Juli und 3152 mehr als vor einem Jahr. Die meisten Arbeitslosen waren mit 3954 (Juli: 3865) in Heidenheim registriert. In Schwäbisch Gmünd waren es 3848 (3701), in Aalen 2603 (2470), in Bopfingen 610 (572), in Ellwangen 557 (513). Die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die seit mehr als einem Jahr ohne Beschäftigung sind, stieg um 94 auf 2606. Das entspricht einer Quote von 22,5 Prozent.

Arbeitslosenquote in ganz Ostwürttemberg gestiegen

Die Arbeitslosenquote, bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen, nahm in Ostwürttemberg von 4,4 auf 4,6 Prozent zu. In Heidenheim stieg sie von 5,2 auf 5,3, in Schwäbisch Gmünd von 4,9 auf 5,1, in Aalen von 3,9 auf 4,1, in Bopfingen von 3,8 auf 4,1, in Ellwangen von 2,1 auf 2,2 Prozent.

Betroffen von der aktuellen Entwicklung waren alle statistisch erfassten Personengruppen. Der gravierendste Anstieg war mit 23,6 Prozent bei den unter 25-Jährigen zu verzeichnen. 1408 Jugendliche und junge Erwachsene waren Ende August arbeitslos gemeldet – 269 mehr als im Juli.

Rückgang der Arbeitslosigkeit wird erwartet

Wie in jedem Jahr sei bei diesem Personenkreis in den kommenden Wochen ein Rückgang der Arbeitslosenzahlen zu erwarten, sagte Zillert. Denn viele junge Menschen, die nach Ausbildung, Schule oder Studium nicht unmittelbar eine Beschäftigung aufgenommen hätten, träten nach der Ferien- und Urlaubszeit in ein Arbeitsverhältnis ein oder nähmen eine Ausbildung auf. „Der Rückgang wird jedoch coronabedingt moderater ausfallen als in den vergangenen Jahren“, so Zillert.

Der Agenturchef verwies darauf, dass die Kurzarbeit den Arbeitsmarkt in Ostwürttemberg deutlich stütze: „Ohne dieses bewährte Instrument wäre die Zahl der Entlassungen deutlich höher.“ Seit Beginn der Pandemie haben in der Region 4573 Betriebe eine Anzeige auf Kurzarbeit gestellt, 1226 davon im Kreis Heidenheim. Die Zahl der dadurch voraussichtlich betroffenen Beschäftigten beläuft sich auf 77 104. Im Landkreis sind es 19 608.

Arbeitsverwaltung rät zur Weiterbildung

Zillert begrüßt die Entscheidung der Bundesregierung, wegen der Corona-Krise die maximale Bezugsdauer für Kurzarbeitergeld bis zum 31. Dezember 2021 zu verlängern. „Kurzarbeit fördert die Planungssicherheit in den Unternehmen und eröffnet ihnen die Möglichkeit, ihre Fachkräfte auch in schwierigen Zeiten weiter zu beschäftigen“, sagte Zillert. Zugleich appellierte er an die Betroffenen, ihre Kenntnisse in der Zeit der Kurzarbeit den zukünftigen Anforderungen des Marktes anzupassen. Wer das nicht tue, laufe Gefahr, beruflich abgehängt zu werden.

Zahl der Arbeitslosen im Juli leicht gestiegen, aber Kurzarbeit verhindert auch in Heidenheim höhere Arbeitslosigkeit

Heidenheim

Mehr Ausbildungsstellen als Bewerber


Seit Beginn des Berufsberatungsjahres im Oktober 2019 haben sich bei der Agentur für Arbeit in Aalen 2478 Bewerber für eine Ausbildungsstelle gemeldet. Diese Zahl liegt gut elf Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Die Arbeitsverwaltung bezeichnet die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe in Ostwürttemberg derweil als nach wie vor hoch.

Aktuell stehen 277 unversorgten Bewerbern 1112 unbesetzte Ausbildungsstellen gegenüber. Trotz der Auswirkungen der Corona-Pandemie geht diese Schere immer weiter auseinander. bren