In einer repräsentativen Studie hat das Robert-Koch-Institut (RKI) festgestellt, dass 15,4 Prozent der drei- bis 17-jährigen Kinder und Jugendlichen erheblich übergewichtig sind. Auch der Anteil der adipös Erkrankten wird immer größer.

Mehr dicke Kinder im Kreis Heidenheim

Dies deckt sich mit den Zahlen der AOK Ostwürttemberg. Im Landkreis Heidenheim stiegen die Arztbesuche von Kindern, die wegen Gesundheitsproblemen aufgrund ihres Übergewichts behandelt wurden, von 97 im Jahr 2014 auf 146 im Jahr 2018. Im Ostalbkreis von 176 im Jahr 2014 auf 196 im Jahr 2018.

Im Fünfjahresschnitt war eine Steigerungsrate im Landkreis Heidenheim von 7,6 Prozent pro Jahr zu verzeichnen, im Ostalbkreis ist im Fünfjahresschnitt ein Rückgang von minus 1,8 Prozent zu verzeichnen, wie die AOK zum Weltkindertag am 20. September bekannt gibt.

Im Land Baden-Württemberg erhöhen sich die Behandlungszahlen bei den AOK-versicherten Jungen und Mädchen von 8743 im Jahr 2014 auf 10 870 im Jahr 2018. Hier erhöhen sich zugleich die Arztbesuche zwischen 2014 und 2018 im Mittel um jährlich 1,7 Prozent.

Wer als übergewichtig gilt

„Als übergewichtig gilt ein Kind, wenn es einen Body-Mass-Index (BMI) oberhalb von 90 Prozent seiner Altersgruppe hat, als adipös, wenn dieser im Altersvergleich über 97 Prozent liegt. Der BMI dient zur Abschätzung des Körperfettanteils. Hierbei wird das Körpergewicht in ein Verhältnis zur Größe gesetzt“, sagt AOK-Kinder- und Jugendarzt Dr. Hans-Peter Zipp in diesem Zusammenhang.

Als „Dickmacher“ werden beispielsweise zu viel kalorienreiche Nahrung wie Fast Food oder Süßigkeiten sowie zu wenig Bewegung aufgeführt. „Die Änderungen des Freizeitverhaltens – weg von sportlichen Aktivitäten hin zu stundenlangem Fernsehen und Computerspielen – führt früh zu massiven Gewichtsproblemen, die sich im Erwachsenenleben fortsetzen können“, so das RKI.

Dies hat zahlreiche Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes zu Folge.

Hohe Energiezufuhr bei geringem Verbrauch bewirkt, dass diese in Form von Fett abgelagert wird.

„Bei der Gewichtsreduktion stehen deshalb langfristige Strategien im Mittelpunkt: Veränderung des Ernährungsverhaltens und Steigerung des Energieverbrauchs durch körperliche Bewegung“, sagt Luzia Haldenwang, Ernährungsexpertin der AOK Ostwürttemberg, und ergänzt: „Obgleich die Erbanlagen auch unsere Gewichtsentwicklung beeinflussen können, sind diese nur selten für Übergewicht oder Adipositas im Kindes -und Jugendalter maßgeblich verantwortlich. Die Ursachen liegen vor allem in den veränderten Lebensbedingungen wie zum Beispiel ungeeignete Lebensmittel, verminderte Aktivität und Essen während der Mediennutzung.“

Erste Anlaufstelle bei Übergewicht: Arzt

„Der Kinder- und Jugendarzt beziehungsweise Hausarzt ist die erste Anlaufstelle, um das Thema Übergewicht oder Adipositas anzusprechen, die Gesundheitsgefährdung beurteilen und die erforderlichen weiteren Maßnahmen einleiten zu lassen“, sagt Hans-Peter Zipp.

„Es gibt auch Unterstützungsangebote der AOK Baden-Württemberg, beispielsweise Ernährungsfachkräfte und spezielle Kurse, die Eltern und ihre Kinder hinsichtlich einer individuell geeigneten und zielführenden Ernährungsumstellung oder Lebensstiländerung beraten und unterstützen können.“