Heidenheim / Silja Kummer Die drei neuen Patientenfürsprecher Dr. Thomas Hardtmuth, Hermann Schaller und Dieter Seizinger sollen in Konfliktsituationen von der Institution Krankenhaus unabhängige Ansprechpartner sein.

Als Patient im Klinikum kann man sich ganz schön hilflos und ausgeliefert fühlen. Das kann daran liegen, dass das Personal tatsächlich Fehler macht, es kann aber auch an der persönlichen Situation liegen, in der sich der Patient befindet. Im Klinikum Heidenheim wurde jetzt dafür gesorgt, dass es für Patienten neutrale Ansprechpartner gibt, die nicht von der Institution Krankenhaus abhängig sind und die als Anwälte der Patienten agieren können. Dr. Thomas Hardtmuth, Hermann Schaller und Dieter Seizinger wurden bei einer Auftaktveranstaltung im Klinikum in ihren neuen Ehrenämtern als Patientenfürsprecher begrüßt.

Dr. Thomas Hardtmuth war 27 Jahre lang als Oberarzt in der Chirurgie im Klinikum tätig und ist, so er selbst, „ein Heidenheimer Ureinwohner“. Er hat 2017 ein Buch mit dem Titel „Medizin im Würgegriff des Profits“ veröffentlicht und beschäftigt sich intensiv mit dem Spannungsfeld zwischen Gewinnmaximierung und Patienteninteresse in der Medizin. „Die Patientenkontaktzeit liegt heute bei vier Minuten pro Tag“, sagte er bei seiner Vorstellung. Darin sehe er einen hohen Korrekturbedarf.

Hermann Schaller ist schon länger ehrenamtlich im Klinikum als Patientenbegleiter tätig. Beruflich war er als Industriekaufmann und später als Arbeitsberater für berufliche Rehabilitation tätig. „Da musste ich die Fehler des Gesundheitssystems ausbaden“, so Schaller.

Dieter Seizinger kennt das Klinikum aus seinem Berufsleben, er war Leiter des Personalmanagements in der Klinikverwaltung und Mitglied im Ethikkomitee. Ein schwerer Skiunfall habe ihn „aus dem Berufsleben herauskatapultiert“, berichtete Seitzinger. Dadurch wurde er selbst zum Patienten und habe nicht nur positive Erfahrungen in dieser Rolle gemacht. „Als Patientenfürsprecher kann man auch der Klinik helfen“, ist seine Ansicht zur neuen Aufgabe.

Dieter Zeeb begrüßte die Patientenfürsprecher als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums. „Patientenfürsprecher helfen nicht nur dem Patienten, sondern auch dem Personal“, war er sich sicher. Zwar sei die Einführung dieser Ansprechpartner kein Alleinstellungs-, aber doch ein Qualitätsmerkmal, so Zeeb, „und das lässt sich auch gut verkaufen.“

Klinikgeschäftsführer Udo Lavendel betonte die Unabhängigkeit der Patientenfürsprecher. Nöte und Verärgerungen der Patienten sollen in Zukunft bei ihnen Gehör finden. „Gegenüber der Klinikleitung haben die Patientenfürsprecher die Lizenz zum Schimpfen und Nerven“, so Lavendel. Alle drei würden Qualifikationen für das Ehrenamt mitbringen und seien zudem auch geschult worden.

Das Projekt Patientenfürsprecher in Baden-Württemberg stellte anschließend noch Peter Häußler, Sprecher der AG Patientenfürsprecher, vor. Der evangelische Pfarrer im Ruhestand war als Klinikseelsorger an der Uniklinik Tübingen tätig. Dort habe er Erfahrungen mit Menschen gesammelt, die plötzlich zum Patienten werden. Seiner Meinung nach brauche man Unterstützung, um Patientenkompetenz zu erlernen, über seine Rechte Bescheid zu wissen und zu lernen, wie man diese durchsetzt.

„Wenn wir wollen, dass sich das Gesundheitssystem mehr am Patienten orientiert, müssen wir auch etwas dazu beitragen“, so Häußler. Deshalb habe er im Ruhestand eine Patientenberatung organisiert, aus der die Patientenberater erwachsen sind. „Jeder Patient, der sich beschwert, hat Angst, dass dies auf ihn zurückfallen könnte“, weiß Häußler aus Erfahrung. Deshalb gehöre es zu den Aufgaben der Patientenfürsprecher, die Beschwerden zu sichten, Mittler in Konflikten zu sein, vielleicht aber auch falsche Vorstellungen der Patienten zu korrigieren. „Patienten müssen in Gremien sitzen, die über das Gesundheitssystem entscheiden – auch auf Landes- und Kreisebene“, so die politische Forderung von Häußler.

Patientenfürsprecher: Wichtig für die Qualitätssicherung in Kliniken

Als Interessenvertreter der Patienten sind Patientenfürsprecher in vielen Kliniken tätig. In Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen, dem Saarland und Berlin ist jedes Krankenhaus zu unabhängigen Patientenfürsprechern verpflichtet.

In Baden-Württemberg hat das Sozialministerium 2016 zusammen mit der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft eine Vereinbarung unterzeichnet, um die Zahl der Patientenfürsprecher zu erhöhen. „Den Krankenhäusern können Patientenfürsprecher wichtige Hinweise etwa zur Qualitätssicherung und zur Verbesserung von Organisationsabläufen geben“, teilte das Sozialministerium mit. Die Entscheidung, die Position eines Patientenfürsprechers einzurichten, ist für die Kliniken freiwillig, es wird jedoch vom Sozialministerium und von der Krankenhausgesellschaft empfohlen, dies zu tun. Rund 40 Patientenfürsprecher wurden damals in Baden-Württemberg gezählt, mittlerweile dürften es schon einige mehr sein.