Heidenheim / Mathias Ostertag Das Geschäft mit alten Kleidern ist ein einträgliches. Karitative und gewerbliche Einrichtungen liefern sich einen Wettstreit um gut erhaltene Textilien – und auch der Kreisabfallwirtschaftsbetrieb mischt mit, um dubiose Anbieter vom Markt zu drängen.

Der Wildwuchs ist unübersehbar. An mehreren Stellen im Heidenheimer Stadtgebiet wurden in den vergangenen Monaten Container für die Sammlung von Altkleidern und Altschuhen aufgestellt – jedoch ohne jegliche Genehmigung. Aufgestellt wurden die Container von zwei privaten Unternehmen: von einer Frankfurter „Textilverbund AG“ und von der Aalener Firma „Sedita“.

Dass die beiden Firmen Altkleidercontainer aufstellen, ist ihnen nicht grundsätzlich verboten. Dies aber auf städtischem Grund zu tun, das sei nicht erlaubt, sagt Rathaus-Pressesprecher Wolfgang Heinecker: „Uns geht es etwas an, wenn jemand einen Container auf öffentlichem Raum abstellt.“ Denn in solch einem Fall wird eine Sondernutzungsgebühr fällig. Und die hat im Stadtgebiet Heidenheim nur das Deutsche Rote Kreuz (DRK) für zehn Container erhalten. Die anderen Container habe man deshalb mit Aufklebern markiert, so Heinecker, „dass diese bis Freitag, 12. Juli, beseitigt werden müssen. Sonst machen wir es.“

In Aalen wurden Container entfernt

In Aalen musste die Stadtverwaltung bereits zu diesem Schritt greifen. Im Mai diesen Jahres ließ die Stadtverwaltung 20 illegal aufgestellte Container entfernen, weil keiner die erforderliche Plakette trug. Sogar Sammelcontainer des örtlichen DRK und einer für die Diözese Rottenburg sammelnden Firma wurden aus dem Verkehr gezogen. Und dass es noch eine Spur heftiger geht, zeigt das Beispiel Leipzig: Dort wurden vergangenen Sommer über Nacht 100 Kleidercontainer aufgestellt. In den folgenden Wochen kamen noch 660 weitere Container dazu. Erst Monate später einigte man sich, die Stadt Leipzig musste rund 800 Container abbauen.

Bauen Firmen ihre Altkleidercontainer jedoch auf Privatgelände auf, hat die Stadt kein Handlungsrecht zur Beseitigung. „Wenn so ein Container auf dem Supermarkt-Parkplatz steht, geht uns das nicht an“, erklärt Heinecker. „Die Betreiber entrichten höchstens eine Pacht für den Stellplatz.“ Auch die Container bei der DRK-Rettungswache auf dem Schlossberg stehen ganz legal auf einem Privatgelände.

Während Container von Gewerbetreibenden ohne Genehmigung relativ leicht wieder abtransportiert werden können, sind Straßensammlungen deutlich schwerer in den Griff zu bekommen. Regelmäßig werden in den Kreisgemeinden über Nacht Altkleidertonnen oder -säcke verteilt, versehen mit dem Hinweis, die Kleidung werde zwei Tage später abgeholt. Meist stehen die Tonnen jedoch bis zu einer Woche und verschwinden ähnlich mysteriös, wie sie aufgetaucht sind. Dann heißt der wohltätige Verein etwa Mutter Teresa Verein oder es wird mit einem von Rechtschreibfehlern übersäten Flyer für eine Sammlung zugunsten einer „ungarischen Familie, die alles nimmt“ geworben. Im Landratsamt will man diesem dubiosen System einen Riegel vorschieben. Bis Ende diesen Jahres soll ein kreisweites flächendeckendes Sammelsystem für alte Textilien stehen. In Dischingen und Schnaitheim wurde es bereits getestet, 3400 Schnaitheimer Haushalte gaben 3,3 Tonnen Altkleider und 0,7 Tonnen Altschuhe ab. Getragen werden soll das System vor allem von karitativen Organisationen und von den Vereinen im Rahmen der Altpapiersammlungen, in die zurzeit im Kreis 170 Vereine eingebunden sind.

DRK nicht zufrieden mit der Neuregelung

Beim Roten Kreuz zeigt man sich aber nicht ganz glücklich über die neue Regelung. Dem DRK drohten Einbußen, sagt Albert Tränkle, Präsident des Kreisverbands. Denn bei künftigen Sammlungen sei dem DRK die Möglichkeit genommen, an Altkleider zu kommen, die bisher über Altkleiderläden wie in Giengen vermarktet wurden. Für den Landkreis steht der finanzielle Aspekt der Sammlungen aber auch nicht im Vordergrund.

Franz Bareth, Leiter des Kreisabfallwirtschaftsbetriebs, hatte bereits im März in der Sitzung des Abfallwirtschaftsausschusses des Kreistags betont, dass man lediglich vermeiden wolle, dass es Zustände wie in anderen Städten gebe, wo man inzwischen von einem „Krieg der Container“ spreche.