Nach einiger Debatte folgte der Kultur,- Sozial-, Schul und Sportausschuss des Gemeinderats gestern dem Vorschlag der Stadtverwaltung, den Schäferlauf einzustellen.

Heidenheim hat mit diesem Beschluss das Attribut "Schäferlaufstadt" verloren, das mit einer Anordnung des württembergischen Herzogs Eberhard Ludwig aus dem Jahr 1723 verbunden war. Anders als in den übrigen Schäferlaufstädten war die Veranstaltung in Heidenheim weniger verwurzelt, sie wurde mehrere Male eingestellt und wieder aufgenommen.

Jetzt wird die Schäferlade eingemottet und die Schäferschippe erneut beiseite gestellt, um vor dem Hintergrund knapper Mittel geschätzte 220 000 Euro einzusparen. Dabei ist es eigentlich nicht die Idee der Verwaltung, diese Tradition sterben zu lassen, sondern die Anregung kam von SPD und den Linken/DKP. Letztere hatten beantragt, den Schäferlauf aufzugeben, die SPD wollte den Schäferlauf in einer abgespeckten Form versuchen - ohne die kostenträchtigen Teile wie den Umzug.

Laut Kulturfachbereichsleiter Matthias Jochner seien die Verbände unisono gegen eine solche Kürzung. Denn dann würde der Schäferlauf genau den Teil verlieren, der Publikum anlocke. Der Tenor sei: Durch eine weitere Verringerung der Attraktivität würde Heidenheim noch weiter ins Hintertreffen gegenüber den anderen Schäferlaufstädten geraten. Ganz aufgeben wollte die SPD ihre Idee jedoch auch nicht. Sie hatte vorgeschlagen, den Schäferlauf einfach mit einer anderen publikumsträchtigen Veranstaltung im Brenzpark zu verknüpfen. "Versuchen wir es doch einfach mal", ermunterte Gerhard Oberlader.

Doch Oberbürgermeister Bernhard Ilg blieb skeptisch. Wenn die Schäfereiverbände genau dies ablehnten und noch weniger Läufer kämen, dann sei der Schäferlauf auch für den engeren Kreis der Schäferei nicht mehr spannend. "Wir würden beide Seiten blamieren: Die Schäfer und uns." Laut Jochner habe der hiesige Schäferverein zunächst die Meinung vertreten, lieber einen kleinen Schäferlauf zu veranstalten als gar keinen. Mittlerweile sähen aber auch diese Schäfer ein Abspecken kritisch. OB Ilg verwies auf die anderen Städte wie Markgröningen oder Bad Urach, wo die ganze Stadt mit dem Schäferlauf mitlebe.

Hier in Heidenheim sehe er diese Resonanz in der Bevölkerung nicht. "Um in der Schäfersprache zu bleiben: Um den Schäferlauf richtig zu machen, müssten wir eine Schippe draufgeben und keine Schippe wegnehmen." Ganz ohne Schmerz war der Abschied vom Schäferlauf. Doch Christa Miola (Grüne) sah auch einen Hoffnungsschimmer: "Vielleicht muss man etwas sterben lassen, um auf eine zündende Idee zu kommen, damit der Schäferlauf in einer anderen Form wieder auflebt." Nahezu einhellig trug der Ausschuss samt OB die Tradition zu Grabe. Nur Manfred Popp (CDU) stemmte sich gegen die Einstellung des Schäferlaufs.

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