Bei der Arbeit trägt Mareike Schäufele derzeit den Lagen-Look. Allerdings nicht aus modischen Gründen. Zwei Langarmshirts übereinander, darüber einen Kaputzenpulli, eine Fleecejacke und darauf kommt noch eine neongelbe dicke Winterjacke. „Dann ist es warm“, sagt die 21-Jährige. „Außerdem ist man ja immer in Bewegung.“ Dass man immer in Bewegung ist, mit dem Körper und den Händen arbeitet, das gefällt Mareike Schäufele an ihrem Ausbildungsberuf Maurerin. „Natürlich ist es auch anstrengend und kräftezehrend. In den ersten drei Wochen lag ich um 19.30 Uhr im Bett und hab‘ geschlafen“, sagt sie lachend. „Aber nach einer Weile gewöhnt man sich dran.“ Außerdem gefällt ihr die Vielseitigkeit an ihrem Beruf. „In den letzten zweieinhalb Jahren gab es noch nie zwei aufeinanderfolgende Tage, an denen ich dasselbe gemacht habe.“ Und was sie gemacht hat, das sieht man natürlich am Ende des Tages. „Ich liebe es, wenn ich von der Baustelle weggehe, mich nochmal umdrehe und sehe, was ich geschaffen hab.“

Mit sieben oder acht wusste sie: Das will ich auch

Frauen auf Baustellen sind mittlerweile nicht mehr ganz exotisch, aber für den Beruf Maurerin entscheiden sich nur wenige. Mareike Schäufele hat ihre Entscheidung bewusst getroffen und nie bereut. „Meine Onkel, mein Vater – viele in meiner Familie arbeiten auf dem Bau, und natürlich war die Arbeit oft bei Familientreffen Thema“, sagt sie. „Als ich sieben oder acht war, hatten wir dann eine Baustelle daheim und ich durfte mithelfen. Ab da wusste ich: Das will ich auch.“

Der ursprüngliche Plan war, nach dem Abitur Bauingenieurwesen zu studieren. „Viele in meinem Umfeld haben gesagt: Das ist nichts für ein Mädchen. Aber ich dachte: Euch zeig‘ ich‘s.“ Sie verließ das Gymnasium mit der Fachhochschulreife und entschied sich statt des Studiums für eine Ausbildung zur Maurerin bei UC Monz in Mergelstetten.

„Männer sind viel unkomplizierter als Frauen“

Damit arbeitet sie als Frau allein unter Männern. Dasselbe Bild in der Berufsschule. „Und ich kann mir nichts Schöneres vorstellen“, sagt Mareike Schäufele. „Männer sind viel unkomplizierter als Frauen.“ Schon die morgendliche Fahrt mit den Kollegen zur Baustelle sei spaßig. Und zu Mittag wird gemeinsam im Bauwagen gegessen. „Das ist immer eine Gaudi.“ Bier werde während der Arbeitszeit nicht getrunken. „Das ist eines der vielen Vorurteile, die über das Handwerk grassieren. Alkohol auf der Baustelle zu trinken, wäre aber viel zu gefährlich.“ Und ein rauer Umgangston gehört laut Mareike Schäufele auch zu den Vorurteilen. „Wenn es stressig wird, kann schon mal ein schroffes Wort fallen, das muss man aushalten können.“ Akzeptiert worden sei sie von den männlichen Kollegen sehr schnell. „Bei älteren Polieren muss man sich erst einmal beweisen und zeigen, dass man auch anpacken kann, aber das war nie ein Problem.“ Dass sie so schnell im Team integriert war, liegt ihrer Meinung nach zum Teil auch daran, dass sie eine Frau als Chefin hat. „Das ist in der Baubranche nicht gerade üblich.“

Zupacken muss man als Maurerin sicherlich. Und Angst vor Dreck darf man auch nicht haben. „Damit hatte ich nie ein Problem, ich liebe es, mit den Materialen zu arbeiten“, sagt Mareike Schäufele. „Und meistens bin ich sogar am dreckigsten.“ Und warum das? „Ich bin kein Hering, aber wenn man schwer tragen muss, brauche ich gefühlt den ganzen Körper für das, was die Männer mit zwei Armen hochheben können.“

„Man braucht Grips und Verständnis von Mathe und Physik“

In den vergangenen zweieinhalb Jahren ihrer Ausbildung habe sie jede Menge gelernt. „Davor dachte ich immer: Ein Haus zu bauen, kann nicht so schwer sein. Es geht immer Stein auf Stein. Aber das war ein Irrtum.“ Es gehöre viel mehr dazu, als man auf den ersten Blick vermute. „Man hat erst einmal nichts außer einem 2-D-Plan vor sich liegen, und den muss man erst mal lesen können“, sagt Mareike Schäufele. „Ich bewundere die Poliere immer, wenn sie genau wissen, welche Wand als erstes hochgezogen werden muss. Man braucht Grips und auch Verständnis von Mathe und Physik.“ Und auch moderne Technik hält in den Traditionsberufen Einzug. Als Beispiel nennt Mareike Schäufele einen Tachymeter zum Einmessen von Wänden. „Auch der Bau wandelt sich“, sagt sie. „Wir arbeiten nicht mehr so wie vor 200 Jahren und die Arbeit wird damit auch körperlich nicht mehr so anstrengend.“

„Das Handwerk ist krisensicher“

Dass Mareike Schäufele wirklich begeistert von ihrem Beruf ist, merkt man schnell, und deshalb ist sie auch Ausbildungsbotschafterin und geht in Schulen, um die Vorzüge des Berufs zu schildern und andere junge Menschen für das Handwerk zu begeistern. Für die 21-Jährige aus Altheim/Alb ganz einfach. „Das Handwerk ist krisensicher, wir werden sicher nicht durch Roboter ersetzt werden. Und es gibt wohl keine Branche, in der man sich so hocharbeiten kann.“ Sie zählt auf: „Polier, Vorarbeiter, Meister, Bauleiter oder man macht sich selbstständig.“ Trotz ihrer Liebe für die körperliche Arbeit, will sie nach der Ausbildung nun aber doch ein Studium beginnen. Aber natürlich bleibt sie ihrer Branche treu. Ab Oktober studiert sie Bauingenieurwesen an der DHBW in Mosbach. „Ich werde die Kollegen wahnsinnig vermissen, aber für mich ist das der nächste Schritt.“

Heidenheim/Herbrechtingen