Rund 30 interessierte Zuhörer hatten sich im Nebenzimmer des NH Hotels in Heidenheim eingefunden. Begrüßt wurde Jongen von Jan-Hendrik Czada, dem Vorsitzenden des Kreisverbandes Ostalb. Es mag ungewöhnlich scheinen, dass ausgerechnet ein studierter Philosoph sich in die Politik verirrt, deshalb erklärte Jongen zu Beginn, wie es dazu gekommen ist.

Lange Zeit hat sich der Assistent von Peter Sloterdijk an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe ausschließlich als Zuschauer des politischen Betriebes betrachtet. Im September des Jahres 2012 ist es dann zu einem Schlüsselerlebnis gekommen. Das Aufspannen des ESM-Eurorettungsschirmes in Luxemburg brachte den Philosophen ans Ende seiner Kontenance.

"Sind keine Europagegner"

Jongen sperrte nun seinerseits die Ohren auf. Doch was er zu hören bekam, hinterließ ihn rat- und fassungslos. Alle Parteien stießen in das gleiche Horn mit ihrer Forderung nach mehr Europa. „Es war ein einziger Chor, der uns entgegenschallte“, befand der Geisteswissenschaftler. Auch in den Medien habe man die europakritischen Kommentare mit der Lupe suchen müssen.

Eines kann Jongen gar nicht ausstehen. Nämlich wenn man seine Partei als europafeindlich bezeichnet. „Wir sind keine Europagegner. Das ist ein Etikett, das uns angeklebt wird.“ Ein Europa nach dem Modell der Vereinigten Staaten von Amerika will man aber ganz klar nicht. Die AfD plädiert gegen eine Bundesstaatsstruktur und für „ein Europa der souveränen Nationalstaaten.“

Dem Europa in seiner jetzigen Verfasstheit erteilt er eine strikte Absage. Jongen sieht in der EU von heute vor allem „Überregulierung, Bevormundung und undemokratische Strukturen“. Die Alternative für Deutschland solle – so das Fernziel – zu einer Alternative für Europa werden.

Stärkere Gewichtung deutscher Interessen

Was ist nun die vielbeschworene Alternative? Im Kern gehe es der AfD um eine stärkere Gewichtung der deutschen Interessen im europäischen Gesamtkonzert. Vereinfacht gesagt: Wer am meisten zahle, solle auch am meisten mitsprechen können. Den Altparteien traue man allesamt nicht zu, die nationalen Interessen auf europäischer Ebene mit dem nötigen Nachdruck zu vertreten.

Im Gegenteil, man sieht sogar in der Innenpolitik einen Parallelfall zum Handeln nach außen hin. So sieht die AfD in Rot-Grün „die größten Schuldenvergemeinschafter überhaupt“ am Werk und bei der Union eine gefährliche Tendenz zur Sozialdemokratisierung. Insbesondere in der Europapolitik sehe man sich bei den „Altparteien“ einem geschlossenen Block gegenüber, der kritische Stimmen gar nicht erst aufkommen lassen wolle.

Deutlich wurde bei der Rede von Jongen, dass der Vorwurf des Rechtspopulismus weitgehend ins Leere greift. Bei der AfD ist sehr viel von Finanz-, Steuer- und Wirtschaftspolitik die Rede, klassische rechtspopulistische Themen wie Ausländerkriminalität oder Überfremdung werden im Grunde gar nicht besetzt. So, dass es dem aufmerksamen Beobachter so scheinen muss, als habe er es hier eher mit einem rechten Flügel der FDP, als mit einer neuen Rechten zu tun. Jedenfalls sind weit mehr liberale oder neoliberale Töne in der Partei zu hören als rechte Parolen.