Heidenheim / Günter Trittner Wie tief die Spaltung der AfD ist, ließ sich beim Parteitag der Landes-AfD im Heidenheimer CC gut erkennen.

Es geht in Riss durch die Partei. Wie stark die Lager in der AfD sind, ließ beim Landesparteitag in Heidenheim ein Blick von der Empore des Martin-Hornung-Saals gut erkennen.

Als Bundesvorsitzender Prof. Dr. Jörg Meuthen in einem emotionalen Grußwort „eiserne Disziplin“ in der Landespartei und eine klare Kante gegen Antisemitismus, Rassismus und Rechtsradikale in seiner Partei einforderte, herrschte am Samstag gegen 12.30 Uhr im Congress-Centrum eine Stimmung wie sonst in der Voith-Arena bei einem Torschuss: Tosender Applaus bei den knapp über 700 Mitglieder, doch an die 15 Prozent blieben ohne Regung auf ihren Plätzen sitzen.

Für Dr. Alice Weidel, die Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag, die es etwas leiser anging, aber ebenso deutlich Mitgliedern „Egoismus und blanke Dummheit“ vorwarf, welche der Prüfung des Verfassungsschutzes noch Anhaltspunkte lieferten, erhoben sich in Heidenheim noch einige AfD-Mitglieder mehr.

„Sucht Euch ein anderes Spielfeld für Eure Neurosen“ hatte Meuthen, der die Partei rechts, aber im bürgerlichen Lager haben will, den „komplett rücksichtslosen Radikalen“ in der AfD zugerufen. Meuthen stellte sich damit, ohne dies auszusprechen, an die Seite des derzeit von der Mehrheit seiner eigenen Landtagsfraktion attackierten Vorsitzenden Bernd Gögel. „Es werden hier Intrigen gesponnen“ so der Eindruck von Meuthen und dies aus „vulgärem Machtstreben.“

„Rechts, aber nicht rechtsradikal“

Als Infamie bezeichnete es Meuthen, dass einer seiner Mitarbeiter aus der AfD heraus dazu angestiftet worden sei, Belastendes über seine Person zusammenzutragen. „Wie schäbig ist das denn.“ Auf seine Versicherung, bemüht zu sein die Reihen in der Partei geschlossen zu halten, erntete Meuthen am Samstag einige Lacher. Er machte es nochmals deutlich: „Rechts wollen wir sein, nicht rechtsradikal.“

Aus der Mitte der Versammlung heraus, teilte ein Mitglied mit, dass die NPD bereits in der Landtagsfraktion um Überläufer werbe. Zum Kreis der Opponenten gegen den Landesvorsitzenden gehört auch der Heidenheimer Abgeordnete Dr. Heiner Merz, der morgen seinen 56. Geburtstag feiert.

Für Alice Weidel ist die noch kurze Geschichte der AfD eine Erfolgsgeschichte sondergleichen. „Dabei wurden wir verspottet und verteufelt.“ Doch wie Meuthen sah auch sie das Risiko, dass sich die Partei selbst lähmt, dass sie wieder von der Bildfläche verschwinden könnte.

Dabei sei die AfD die einzige Partei in Deutschland, die imstande sei, das Ruder in der Politik herumzureißen. Für Weidel ist die Prüfung der Partei durch den Verfassungsschutz einerseits der Beleg, dass die „Undemokraten“ in Berlin gescheitert seien, der AfD politisch Paroli zu bieten. Aber für die Partei sei eine Überwachung durch den Verfassungsschutz existenzbedrohend.“ Weidel gab sich zuversichtlich, dass man nicht in die aufgestellten Fallen hineintrete. „Aber wir werden diejenigen an die Brust nehmen, die das gefährden.“

Drinnen die AfD, draußen eine Demonstration

Der Parteitag wurde von einem Protestzug begleitet, an dem sich mehrere hundert Heidenheimer beteiligten.

Begonnen hatte der Demonstrationszug am Heidenheimer Bahnhof, von wo er mit einer Zwischenstation am Elmar-Doch-Haus in der Fußgängerzone auf den Schlossberg zog.