Heidenheim / Silja Kummer Mehr als 500 Menschen trotzten der späten Rückkehr des Ostalb-Winters und versammelten sich am Samstag vor dem Congress Centrum, um für demokratische Werte zu demonstrieren.

Der späte Wintereinbruch hielt am Samstag mehrere hundert Menschen nicht davon ab, gegen den Landesparteitag der AfD und die politischen Positionen dieser Partei auf die Straße zu gehen. Die Demonstration und die Kundgebung auf dem Schlossberg, die von einem Großaufgebot der Polizei mit geschätzten 300 Beamten begleitet wurde, verliefen friedlich.

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Kleinere Provokationen gingen von einer Gruppe aus, die die Polizei auf 40 bis 50 Personen schätzte. Zweimal wurde eine Nebelkerze gezündet, einmal zu Beginn der Demonstration vor dem Konzerthaus, ein zweites Mal in der Menschenmenge vor dem Naturtheater. Für die zweite Tat konnte die Polizei einen 23-jährigen Ulmer vorübergehend festnehmen, der für die gefährliche Handlung angezeigt wird.

Gut organisierte Veranstaltung

Ansonsten lobte Polizeisprecher Wolfgang Jürgens die gute Organisation, für die im Wesentlichen Kerstin Pätzold vom DGB verantwortlich war. Für ein umfangreiches Musikprogramm hatte Volker Spellenberg vom örtlichen DGB-Vorstand gesorgt, er moderierte auch das Bühnenprogramm. Er wünschte sich zu Beginn „ein friedliches Fest“ und konnte am Ende bilanzieren, dass es genau dies auch geworden war. „Lasst uns einstehen für eine offene und solidarische Gesellschaft“, lautete der Aufruf von Gabi Frenzer-Wolf, der stellvertretenden DGB-Landesvorsitzenden. „Wir müssen zeigen, dass es eine stille, aber starke Mehrheit gibt, die nicht einverstanden ist mit Rassismus“, meinte sie.

Kämpferisch und überaus klar waren die Worte, die der SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Stoch am Samstag fand: „Wir müssen ein Zeichen setzen gegen die, die Hass und Rassismus predigen“, rief er in die Menge. Er erinnerte daran, dass das Grundgesetz alle Menschen in diesem Land meine, egal, welcher Hautfarbe. Er habe sich nie vorstellen können, dass man 2018 im Landtag einen Antisemetismusbeauftragten bestellen müsse und nannte auch den Grund, warum die Notwendigkeit bestand: „Die Antisemiten sind Mitglieder der AfD.“

Keineswegs die Mitte

Auch Margit Stumpp, Bundestagsabgeordnete der Grünen, bezog deutlich Position: „Wir sind ein weltoffenes, tolerantes und demokratisches Land“, sagte sie. Jedes Thema werde von der AfD im Parlament genutzt, „um Unsägliches zu sagen.“ Die AfD sei keineswegs in der Mitte angekommen, sondern entferne sich immer weiter von der Gesellschaft.

Zwischen weiteren Reden und Grußworten gab es viel Musik von lokalen Bands, die wie das Publikum auch eine große gesellschaftliche Bandbreite abdeckten. Von den klassischen Rocksongs, die „Dusty Roadcase“ spielte, bis zu den Liedermachern „Dieter & Dieter“, Christian Vaida oder „Assi & Ricarda“ und südamerikanischen Rhythmen von „Mayu Fluss“ reichte dies bis hin zum Auftritt der Punkband „Normahl“, deren in Heidenheim lebender Sänger Lars Besa sehr pointiert darauf hinwies, dass Deutschlands Waffenexporte durchaus ihren Anteil an den Fluchtursachen in der Welt haben.