Seit Wochen, ja, gar Monaten, setzt sich das Gesundheitsamt im Landratsamt Heidenheim fast ausschließlich mit der Corona-Thematik auseinander. Absprachen mit allen Akteuren des Gesundheitswesen sind notwendig, Vorkehrungen müssen getroffen und Bürgerfragen beantwortet werden, Kontaktpersonen müssen ausfindig gemacht und isoliert werden. Zur Bekämpfung der Corona-Pandemie hat sich das Landratsamt nun ein System ausgedacht. Wie es funktioniert erklären Landrat Peter Polta und Christoph Bauer, Leiter des hiesigen Gesundheitsamts.

Wie sieht der Plan zur Bekämpfung der Corona-Pandemie aus?

Christoph Bauer: Unser Plan beruht auf zwei Prämissen. Zum einen müssen wir die Covid- von den Non-Covid-Patienten trennen, und zwar auf allen Ebenen. Zum anderen müssen wir die leichteren von den schweren Corona-Fällen trennen. Aus dem heraus entwickeln sich die Strukturen.

Was bedeutet diese Trennung von Patienten nun für die Arbeit von Hausärzten?

Bauer: Sie müssen etwa Fiebersprechstunden einrichten. Ein Beispiel: Von morgens 8 bis 10 Uhr kommen die normalen Patienten, anschließend von 10 bis 12 Uhr folgen die Covid-Patienten mit der Fiebersprechstunde. Auf Gemeindeebene gibt es auch die Möglichkeit, dass sich mehrere Praxen zusammenschließen. Eine Praxis könnte sagen, sie übernimmt die Covid-Patienten, die anderen Praxen kümmern sich dafür um die normalen Patienten. So sind die Patienten räumlich getrennt.

Wie läuft die Arbeit nun am Klinikum ab?

Bauer: Wir haben die Klinikstruktur aufgegeben, sodass es jetzt keine Innere Medizin, Chirurgie und Urologie mehr gibt, sondern lediglich noch einen Covid-Bereich und einen Non-Covid-Bereich. Das ist strikt getrennt. Für jeden dieser beiden Bereiche brauchen wir auch eine eigene Zentrale Notaufnahme (ZNA), also eine Non-Covid-ZNA und eine Covid-ZNA.

Wie verhält sich ein Bürger, der sich beispielsweise den Fuß verstaucht?

Wie bisher auch. Montag bis Freitag tagsüber geht der Patient zu seinem Hausarzt. Nachts und am Wochenende wendet er sich an die Bereitschaftspraxis, die kassenärztliche Notfallpraxis am Klinikum. Dort werden die ambulanten Non-Covid-Patienten hausärztlich versorgt.

Welche Anlaufstelle gibt es für jemanden, der außerhalb der normalen Praxiszeiten Fieber, Husten und Heiserkeit bekommt?

Peter Polta: Dieser Patient geht in die Covid-Notfallpraxis bzw. Corona-Ambulanz. Das sind die Container, die wir auf Kosten des Landkreises beim Klinikum auf den Parkplatz gestellt haben.

Bauer: Im Moment stehen dort Behandlungen und Untersuchungen im Vordergrund. Dabei werden auch gleich die leichter von den schwerer Erkrankten getrennt. Abstriche werden in der Corona-Ambulanz natürlich weiterhin angeboten.

Wie geht es nach der Trennung für die jeweiligen Patienten-Gruppen weiter?

Bauer: Wir gehen davon aus, dass von den Covid-Fällen circa 80 Prozent leicht bis moderat erkranken und deshalb ambulant behandelt werden können. Diese Patienten gehen vom Schlossberg wieder nach Hause und in die hausärztliche Weiterbehandlung. 20 Prozent erkranken schwerer und müssen folglich stationär behandelt werden. Diese Patienten werden direkt ins Klinikum in die Covid-ZNA verlegt.  Zwei bis vier Prozent der Fälle verlaufen bei uns sehr schwer, sprich sie sind intensiv- und beatmungspflichtig.

Vergangene Woche wurde das Congress-Centrum als Corona-Zentrum eingerichtet. Wann kommt dieses nun ins Spiel?

Polta: Das geschieht, wenn das Klinikum temporär zu sehr belegt wäre und auch die Covid-ZNA und die Corona-Ambulanz zu sehr frequentiert sein sollten.

Bauer: Momentan setzen wir ja die Containment-Strategie um. Wir verfolgen Kontaktpersonen, isolieren sie und es gibt soziale Distanzierung. Das heißt, wir haben jetzt den Verlauf der Pandemie gebremst, aber spätestens, wenn wir die Maßnahmen lockern wird die Infektionsrate wieder ansteigen. Wenn es dann zu viele Patienten in kurzer Zeit gibt, wird es vor unserer Corona-Ambulanz einen Rückstau an Patienten geben. Deshalb haben wir als zusätzliche Struktur das Corona-Zentrum im CC geschaffen.

Notzentrum für Patienten im Heidenheimer CC

Bildergalerie Notzentrum für Patienten im Heidenheimer CC

Welche Patienten würden in einem solchen Fall im CC aufgenommen werden?

Bauer: Kritische Patienten, die sich in einem Zwischenstatus befinden, werden dorthin umgeleitet. Sie sind also nicht so schwer krank, dass sie über die Corona-ZNA aufgenommen werden müssen, können aber auch nicht ambulant weiterversorgt werden.

Polta: Wir hoffen natürlich nicht, dass es so kommt. Aber ich möchte gerüstet sein. Stand heute (Dienstag) deutet nichts darauf hin, dass wir die nächsten Tage anfahren müssen. Aber mir ist ganz wichtig, dass im CC die nächsten Tage Betriebsbereitschaft hergestellt ist und wir binnen 24 Stunden anfahren könnten. Uns war es immer wichtig, einen Schritt voraus zu sein.

Corona-Ambulanz für den Landkreis Heidenheim


In der Corona-Ambulanz auf dem Gelände des Klinikums Heidenheim werden weiterhin Abstriche für Laboruntersuchungen gemacht, jedoch nur noch für Risikogruppen, schwer Erkrankte und medizinisch-pflegerisches Personal.

Geöffnet ist die Corona-Ambulanz wie folgt: Montag, Dienstag und Donnerstag von 18 bis 21 Uhr, Mittwoch von 15 bis 21 Uhr, Freitag von 17 bis 21 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 21 Uhr.