Heidenheim / Erwin Bachmann Jüngere Autofahrer scheinen die ihnen schon seit Jahr und Tag von der Unfallstatistik zugedachte Hauptrolle allmählich abzugeben: Wenn's nämlich auf den Straßen in Stadt und Kreis Heidenheim kracht, zählen immer öfter ältere Semester zu den Verursachern.

Dieser Rollenwechsel spiegelt sich in der gestern vom Polizeipräsidium Ulm vorgelegten Verkehrsunfallstatistik 2014 wieder. Bei dieser Unfallanalyse stehen junge Fahrer gewohnheitsmäßig im Fokus, weil sie für ihren Anteil an der Gesamtbevölkerung überproportional oft als Urheber eines Unfallgeschehens in Erscheinung treten. Dies war auch im vergangenen Jahr so, doch zeigt sich, dass im Ulmer Präsidiumsbereich – zu dem auch der Landkreis Heidenheim zählt – entgegen des Landestrends der Anteil der von 18- bis 25-Jährigen verursachten schweren Verkehrsunfälle um 8,5 Prozent zurückgegangen ist. In Stadt und Kreis Heidenheim waren 162 junge Leute und damit im Vergleich zum Vorjahr 40 weniger als Unfallverursacher erkannt worden, was dem niedrigsten Stand in den zurückliegenden zehn Jahren entspricht.

186 mal waren Senioren ab 65 Jahren beteiligt

Demgegenüber hat eine andere Bevölkerungsgruppe Gas gegeben und für eine ansteigende Kurve gesorgt. Die Anzahl der von Senioren ab 65 Jahren verschuldeten Verkehrsunfälle stieg in allen präsidiumszugehörigen Landkreisen weiter an und erreichte im Zehn-Jahres-Vergleich mit jetzt 186 Fällen auch in Heidenheim einen neuen Spitzenwert. Bei fast jedem dritten von älteren Menschen verursachten Unfall wurden auch Menschen verletzt. Auffallend häufig spielt diese Altersgruppe bei einem Verkehrsdelikt eine Rolle, das ohnehin Ursache Nummer eins bei Unfällen mit Personenschaden sind: Nichtbeachten der Vorfahrt.

Ob Jung oder Alt, die Polizei behält beide Gruppierungen im Auge. Trotz rückläufiger Unfallzahlen junger Verkehrsteilnehmern wollen Ulms Polizeipräsident Christian Nill und Polizeidirektor Manfred Bayer, Leiter der in Heidenheim sitzenden Verkehrsdirektion, keine Entwarnung geben, sondern die Unfallprävention auf Kurs halten. „Sie muss weiter den zielgruppenorientierten Kontakt suchen,“ sagte er gestern im Wissen darum, dass junge Fahranfänger gegenüber allen Altersgruppen noch immer das deutlich größte Risiko haben, in einen schweren Unfall mit Toten und Verletzten verwickelt zu werden. Gleichzeitig will man sich der mit Sorge betrachteten Zielgruppe der Senioren zuwenden, die nicht nur in demographischer Hinsicht Bedeutung gewinnt: Ältere Menschen sind heute agiler und mobiler als früher, sitzen nicht nur hinterm Steuer, sondern sind auch als Biker und auf Fahrrädern unterwegs.

Zahl der Unfälle um 4,4 Prozent zurückgegangen

Grund, sich zurücklehnen, sieht die Polizeiführung auch im Blick auf die Gesamtunfallbilanz nicht, wenngleich ein paar Schlüsselzahlen ein gewisses Maß an Zufriedenheit zulassen. So ist im gesamten Präsidium die Zahl der Unfälle gegenüber 2013 um 4,4 Prozent zurückgegangen, und die Zahl der Unfallfluchten sank ebenso wie die der alkoholbedingten Unfälle. Nur der Kreis Heidenheim fällt etwas aus der Rolle, kann bei einigen dieser Kennzahlen nicht mit einem Minus glänzen. Das Unfallgeschehen hält sich hier mit 2639 registrierten Fällen in etwa die Waage, doch die Zahl der dabei verletzten Personen ist um immerhin 105 auf 576 angestiegen. Auch das Phänomen „Alkohol am Steuer“ hat entgegen des Trends wieder Fahrt aufgenommen und zu 81 Unfällen geführt, was einem Plus von über zehn Prozent entspricht.

Sieben Verkehrstote

Sieben Menschen haben im vergangenen Jahr ihr Leben auf den Straßen von Stadt und Kreis Heidenheim verloren – genau so viel wie 2013. Seit dem Jahre 2005 verzeichnet die örtliche Unfallstatistik damit 85 Verkehrstote.