Heidenheim / Joelle Reimer Sowohl der Verein „Talhof erleben“ als auch der Amthor-Verlag haben für das Programm auf dem Demeterhof einige kulturelle Schmankerl vorbereitet – und eine Feier zum 90-jährigen Bestehen.

Mit Vereinen ist das ja so eine Sache. Nachwuchsprobleme, Finanzierung und die Frage, wer die Verantwortung für all das übernehmen will – diesen Herausforderungen müssen sie sich fast alle stellen. Und noch eines haben sie gemeinsam: Das Vereinsleben steht und fällt mit seinen Mitgliedern; persönliches Engagement wird groß geschrieben.

Zumindest letzteres gilt auch für den Heidenheimer Talhof. Dieser ist zwar zuallererst Demeterhof mit Hofkäserei und Café, aber er ist auch Verein. Und zwar einer, der das kulturelle Leben fördert – mit Konzerten, Vorträgen, Lesungen, aber auch sozialen Projekten.

Und auch, wenn es den Verein „Talhof erleben“ noch nicht lange gibt – genau gesagt erst seit April 2018 – scheint das Konzept bislang ganz gut aufzugehen. Das Ziel: Bio-Landwirtschaft und Kultur zu vereinen. „Unsere Veranstaltungen im Café Walden werden gut angenommen“, sagt Bernhard Masur, der das Programm für das nächste halbe Jahr auf die Beine gestellt hat.

Highlight wird das Hoffest

Konzerte, Kasperletheater oder ein ganzes Wochenende vollgepackt mit Irish Folk gehören dazu, und auch auf die Frage nach dem Highlight hat Masur sofort eine Antwort parat: „Das große Jubiläums-Hoffest am 6. und 7. Juli, das eigentlich eine 90-Jahr-Feier ist – so lange nämlich gibt es auf dem Talhof nun schon eine biologisch-dynamische Landwirtschaft.“ (Mehr dazu siehe Infokasten unten).

Beteiligt an diesem Wochenende sind neben dem Talhof selbst auch der Verein, das Café Walden, der Amthor-Verlag und die benachbarten Einrichtungen Waldkindergarten und Freie Michaelschule. „Es entsteht momentan auch eine Chronik in Buchform, die wir dann präsentieren werden. Darin wird die Entwicklung des Talhofs beschrieben, und das Schöne ist, dass auch Kunden, Besucher, ehemalige Bewohner und Mitarbeiter daran mitwirken“, sagt Masur. Für die entsprechende Livemusik an diesem Wochenende sorgen unter anderem „Erpfenbrass“ und die Allgäuer Band „Die Propeller“.

Doch zunächst einmal startet das Kulturjahr auf dem Talhof bereits am kommenden Samstag, 19.Januar, um 20 Uhr mit der Band „September“ und Ulrich Eckardt, der nicht nur Gitarrist, Bassist und Musikschullehrer in Herbrechtingen ist, sondern zu Anfangszeiten selbst Mitglied der Band war. „Jazz-Rock der 70er Jahre – das ist heute wirklich selten“, sagt Masur.

Am 14. März sind mit der „Alola Kasperlebühne“ Kasperl und Seppl zu Besuch – „die machen das echt gut: keine Elektronik, sondern Livemusik, und ein wirklich aufwendiges Spiel“, so Masur. Es folgt, passend zum irischen Nationalfeiertag St.Patricks Day, das irische Wochenende: Die „Giants Causeway“ unterhalten am 16.März mit irischen und schottischen Traditionals, das Trio „Daddy was a Leprechaun“ spielt am 17.März. Am 30.März kommt das Duo „You'n'me“ mit Andreas Antoniuk und Ricarda Rickert um 20 Uhr ins Café Walden, bevor bis zum Juni erst mal eine kleine Pause angesagt ist – erst am Donnerstag, 6.Juni, spielt Albert Dannemann aus Bolheim auf seinen mittelalterlichen Instrumenten, unterstützt von Ida Elena DeRazza und Heiko Gläser.

Matinée und Kunst im Stadel

Soweit also das Programm von „Talhof erleben“. Doch auf dem Demeterhof wird in Sachen Kultur noch mehr geboten – da wäre ja noch der Verlag Amthor, der schon vor Bestehen des Vereins regelmäßig Veranstaltungen organisiert hat. „Wir sind stark mit der Waldorf-Denkweise rund um Rudolf Steiner verbunden“, erklärt Eva-Maria Amthor. So findet am 2.März genau dazu ein Seminar mit Johannes Böhnlein statt, am 28.März gibt es ab 19.30 Uhr in Kooperation mit der Anthroposophischen Gesellschaft Heidenheim einen Vortrag von Bruno Sandkühler.

Was natürlich nicht fehlen darf, ist der „Rote Sessel“: Eine Lese-Matinée, bei der jeder, der Lust hat, selbstverfasste Texte vorträgt. „Meist sind es maximal sechs Redner – und genau so viele Zuhörer. Aber das macht das besondere, das familiäre Flair aus“, so Amthor. Die Matinée findet am 24. März und 23.Juni von 11 bis 13 Uhr statt.

Den Abschluss bildet eine Ausstellung ab Mai zur „Nike von Samothrake“ von Michael Amthor und Ulrich Tschirdewahn im neu hergerichteten Stadel und – alt bewährt – die Einführung zu den Opernfestspielen mit Marcus Schneider am Klavier am Freitag, 28.Juni, ab 20 Uhr.

Der Heidenheimer Talhof: Historie und Hintergrund

1928 wurde der Talhof von der Maschinenbaufirma Voith gekauft und auf Anregung von Dr. Hanns Voith seit 1929 biologisch-dynamisch bewirtschaftet. Er ist damit der drittälteste Demeterhof der Welt und feiert 2019 als solcher sein 90-jähriges Bestehen.

Das Ideal der biodynamischen Wirtschaftsweise ist die Kreislaufwirtschaft: Der Landwirt hält so viele Tiere, wie er mit seinem Land ernähren kann, und deren Mist sorgt für eine hohe Bodenfruchtbarkeit, die beste Lebensmittel für den Menschen hervorbringt.

Der Hof wird zu einem Organismus, in dem jedes Organ das andere braucht: Mensch, Tier, Pflanze und Boden wirken zusammen. Die Naturprozesse auf dem Land werden mit Hilfe von biodynamischen Präparaten geordnet und harmonisiert.