Heidenheim / Karin Fuchs Sechs Jahre nach dem Start wird der erste Jahrgang fertig. Nur zu 20 Prozent mit einer Mittleren Reife, doch die Neuheit gilt vor Ort als Erfolg.

Als Starterschule gehört die Friedrich-Voith-Schule zu den ersten 42 Bildungseinrichtungen im Land, die vor sechs Jahren die Gemeinschaftsschule einführten. Schüler der ersten Stunde, die damals in der fünften Klasse begannen, befinden sich nun in der zehnten Klasse und machen im Frühjahr ihren Abschluss. Dabei stehen sie unter besonderer Beobachtung. Sie gehören dem ersten Jahrgang an, der in der neuen Lernform unterrichtet wurde und der nun am Ende der Schulzeit angekommen ist.

Schulleiter Werner Weber ist sich dieser besonderen Situation bewusst. Er sieht jedoch diesen ersten Jahrgang nicht grundsätzlich stellvertretend für die Schülerschaft der Gemeinschaftsschule. „Der erste Jahrgang war deutlicher als die folgenden geprägt durch Schüler, die bisher die Werkrealschule besucht haben. Das war fast bei allen Starterschulen so.“

Mit Hauptschulempfehlung

Deshalb wertet es Weber auch als Erfolg, dass rund 20 Prozent der Schüler auf Realschulniveau unterrichtet werden und auch den Abschluss der Mittleren Reife anstreben. Die anderen 80 Prozent werden auf den Hauptschulabschluss vorbereitet. Dabei hatten 90 bis 95 Prozent der Schüler beim Wechsel eine Hauptschulempfehlung.

Die Grundschulempfehlung kennen die Lehrer zwar nicht, aber laut Weber erkenne man das Niveau der Schüler sehr schnell, auch ohne Schriftstück. Mittlerweile werde die Vermischung der verschiedenen Leistungsniveaus stärker. Doch vom ursprüngliche Wunschgedanken einer Drittel-Verteilung sei man weit entfernt. „Das gibt es auch an anderen Gemeinschaftsschulen in der Fläche nicht.“

Auf Gymnasialniveau, das grundsätzlich auch möglich wäre, befindet sich keiner der Schüler. Das Abitur kann man zwar in der Gemeinschaftsschule am Brenzpark nicht machen. Denn das erlaubt das Land nur Schulen mit einer Mindestzahl von 60 Schülern. Die Voithschule ist kleiner. Das heißt jedoch nicht, dass das Abitur für Gemeinschaftsschüler in Heidenheim nicht offen ist. Schulleiter Weber hält es für durchaus möglich, dass einige der Schüler nach der Mittleren Reife Richtung Gymnasium weiterziehen. Dazu bräuchten sie einen entsprechend guten Notendurchschnitt.

Den Weg dazu hat die Schule durch einen Kooperationsvertrag geebnet, den sie im vorigen Frühjahr mit zwei beruflichen Schulen des Landkreises geschlossen hat: mit der Maria-von-Linden-Schule und der kaufmännischen Schule. Die Zusammenarbeit auf Lehrerebene hat laut Weber bereits begonnen. Er selbst nahm an den Lehrerkonferenzen der Partnerschulen teil, von dort kommen Lehrkräfte zum hospitieren an die Gemeinschaftsschule.

Unter den Schülern beginnt die Zusammenarbeit jetzt. Schüler der anderen Schulen werden mit den Gemeineinschaftsschülern zusammen lernen auf die Abschlussprüfungen. „Das ist für beide Seiten eine Win-Win-Situation“, so Weber. Die eine Seite lernt und erfährt aus erster Hand, welche Möglichkeiten es an den beruflichen Schulen gibt, die andere Seite werde in ihrer sozialen Kompetenz gestärkt.

Gleiche Prüfung für alle

42 Schüler befinden sich im Abschlussjahrgang. Gestartet waren 36. Es habe einige Zugänge durch Umzüge gegeben, ebenso seien Schüler von Realschulen hinzu gekommen. Weber ist stolz darauf, dass keiner der Schüler die Gemeinschaftsschule verlassen hat, um auf eine andere Schulart zu wechseln.

Spannend wird es für die Gemeinschaftsschule, wenn nach den Osterferien die Abschlussprüfungen beginnen. Dabei werden die Schüler die identischen Prüfungen machen wie auf den Haupt- und Realschulen. Die Friedrich-Voith-schule prüft zusammen mit der der Verbundschule in Sontheim/Brenz.

Weber nimmt einen gewissen Druck vonseiten der Kultusministerin wahr, die nicht als Freundin der Gemeinschaftsschulen gilt. Momentan wird an der Schulart zwar nicht gerüttelt, doch hat die Ministerin auch angekündigt, sie wolle jetzt erst einmal abwarten, welche Ergebnisse heraus kommen.

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