Es hieße Eulen nach Athen tragen, wollte man den Schnaitheimern erklären, weshalb jahrzehntelang von einer Hauswand im Hagen eine Eule dem Betrachter zublinzelte. Jedes Kind im Ort weiß selbstverständlich, was es damit auf sich hat: Das Federtier zierte die Packungen der „Weissen Eule“, einst bekannteste Marke der früheren Zigarrenfabrik Schaefer.

Die Farbe Weiß schreibt sich korrekterweise zwar mit ß und nicht mit ss. Und die Gebrüder Schaefer gibt’s in der Mitte regelmäßig auch mit ä. Aber egal. Spielt zumindest in dem an dieser Stelle zu behandelnden Zusammenhang keine Rolle, denn die ehemals letzte Zigarrenfabrik im Landkreis existiert ohnehin schon seit 1977 nicht mehr. Gar noch früher, nämlich 1973, war die Firma an die Schweizer Villiger-Gruppe verkauft worden.

Wohnhäuser statt Fabrikgebäude in Schnaitheim

Die hat die „Weisse Eule“ übrigens bis heute im Programm. Und an diesem Punkt wird’s interessant. Denn momentan weichen in Schnaitheim Stück für Stück die traditionsreichen Schaefer-Gebäude, um Wohnhäusern Platz zu machen.

Abriss der Zigarrenfabrik in Schnaitheim hat begonnen

Bildergalerie Abriss der Zigarrenfabrik in Schnaitheim hat begonnen

Schade wär’s allemal, wenn in diesem Zuge die komplette Erinnerung an ein außergewöhnliches Kapitel Ortsgeschichte für immer verschwände (Tabakindustrie auf der Ostalb? Wo gibt’s denn so was?).

Stadtrat Kurowski hatte zündende Idee

Und deshalb hat der Gemeinderat einen Vorschlag von Hans Kurowski (Grüne) gutgeheißen und beschlossen, in dem künftigen Wohngebiet ein etwa 80 Meter langes Sträßchen zwischen Schäfer- und Turnstraße „Weisse Eule“ zu nennen. Der Inhaber der Namensrechte, so hört man, freut sich darüber und hat sein Einverständnis erklärt. Weise Entscheidung. Diesmal mit s.

Heidenheim