Am kommenden Freitag muss das Kreisimpfzentrum (KIZ) seine Feuertaufe bestehen. Nachdem bereits am 28. Dezember der Aufbau im Congress-Centrum (CC) auf dem Heidenheimer Schlossberg begonnen hatte und das Land zuletzt auch Rechner und Medizinbedarf angeliefert hat, erhalten dort also in wenigen Tagen die ersten Personen das von Biontech und Pfizer entwickelte Vakzin.

Eigentlich hätte das schon am 15. Januar der Fall sein sollen. Allerdings verschob das Sozialministerium den Start der Kreisimpfzentren im ganzen Land um eine Woche nach hinten, weil Impfstofflieferungen durch den Bund auf sich warten ließen.

Noch ist unklar, wie viel Impfstoff geliefert wird

Und auch diesmal schwingt eine Unsicherheit mit: Das Pharmaunternehmen Pfizer kann die bereits zugesagte Menge an Impfstoff zunächst nicht vollständig liefern, weil es ein Werk in Belgien umbaut, um dadurch den künftigen Ausstoß deutlich zu erhöhen.

Youtube Probelauf im Kreisimpfzentrum auf dem Heidenheimer Schlossberg

Landrat Peter Polta klammert sich daher an die Hoffnung, „dass wirklich was ankommt und wir einen wichtigen Schritt in Richtung des Lichts am Ende des Tunnels gehen können“. Als Vor-Ort-Partner des für die Impfungen zuständigen Landes habe man seine Hausaufgaben jedenfalls erledigt und für die bestmögliche Infrastruktur gesorgt.

OB Ilg sieht den Standort richtig gewählt

Oberbürgermeister Bernhard Ilg sieht das KIZ im CC am richtigen Ort untergebracht. Zum einen sei das für diesen Zweck bis zum 30. Juni angemietete Haus einst mit der Zielsetzung erbaut worden, möglichst vielseitig verwendbar zu sein. Zum anderen biete die zentrale Lage eine gute Erreichbarkeit durch den ÖPNV wie auch den Individualverkehr. Hinzu komme die Nähe zum Klinikum und damit zur medizinischen Kompetenz, die in absehbarer Zeit an vielerlei Stellen gefragt sei, wenn nämlich die Corona-Impfungen in den Praxen niedergelassener Ärzte fortgeführt würden.

Zunächst aber ist das KIZ Schauplatz des Geschehens. Maximal können dort pro Tag in zwei Schichten – von 7 bis 14 sowie von 14 bis 21 Uhr – 750 Personen geimpft werden, rechnet Polta vor. Dieses Pensum verteilt sich auf sechs sogenannte Impfstraßen und zwei mobile Impfteams.

Insoweit die Theorie, der aus genannten Gründen zunächst noch praktische Grenzen gesetzt sind: Solange der Impfstoff ein derart knappes Gut darstellt, reichen eine Impfstraße und ein mobiles Team aus.

Zunächst werden 585 Impfdosen pro Woche erwartet

Aktuell sind Polta zufolge 585 Impfdosen pro Woche angekündigt. Zwei Drittel davon werden der Prioritätenliste gemäß in Pflegeeinrichtungen verabreicht, wo besonders verletzliche Personen leben. Zu berücksichtigen ist auch die Versorgung des Klinikums, weshalb für das KIZ vorerst wohl nur 200 Dosen übrig bleiben. Pro Woche.

Dienst tun wird dafür von Montag bis Freitag jeweils eine Schicht, die um 14 Uhr beginnt. Samstags und sonntags wird ab 10 Uhr geimpft. Je mehr Impfstoff nach und nach zur Verfügung steht, desto umfangreicher wird der Betrieb sein: Etwa fünf Dutzend Beschäftigte bietet der Landkreis auf, hinzu kommen mehr als 60 Ärzte sowie zahlreiche medizinische Fachangestellte.

Kreisimpfzentrum auf dem Heidenheimer Schlossberg

Bildergalerie Kreisimpfzentrum auf dem Heidenheimer Schlossberg

Dr. Markus Traeger von der Kassenärztlichen Vereinigung hebt die von Anfang an große Bereitschaft hervor, sich im KIZ in die Pflicht nehmen zu lassen. Und Dr. Jörg Sandfort, der Vorsitzende der Kreisärzteschaft, lobt die Vorarbeiten in organisatorischer Hinsicht: „Es ist beeindruckend, was hier aufgebaut wurde, wir können uns praktisch in ein gemachtes Nest setzen.“

Terminvergabe unter der Telefonnummer 116117

Am Montag, 18. Januar, meldet das Landratsamt laut Polta seine Kapazitäten ins EDV-System. Tags darauf können dann Termine gebucht werden. Zur Verfügung stehen wahlweise die Telefonnummer 116 117 mit Weiterleitung zu einem Call-Center und die Internetseite www.116117.de

Das Angebot gilt den Vorgaben des Sozialministeriums entsprechend zunächst nur für Senioren über 80 Jahre, für das Personal von Pflegeeinrichtungen bzw. -diensten und für medizinisches Personal, das einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt ist. Das Bürgertelefon des Landratsamts kann in diesem Fall nicht weiterhelfen. Und wer nicht zu den genannten Personengruppen gehört, ergänzt Sandfort, erhält selbst bei Vorlage eines ärztlichen Attests zum jetzigen Zeitpunkt keinen Impftermin.

Sicherheitsdienst ist rund um die Uhr vor Ort

Nach seiner Anlieferung wird der Impfstoff im CC gelagert. Ein Sicherheitsdienst bewacht das Gebäude rund um die Uhr. Außerdem haben Polizeistreifen das KIZ im Auge.

Welcher Ablauf erwartet nun diejenigen, die sich auf dem Schlossberg impfen lassen wollen? Die Tiefgarage des CC kann kostenlos genutzt werden. Von dort aus ist das KIZ über ein Treppenhaus oder barrierefrei mit dem Aufzug zu erreichen.

Wer länger als eine Stunde vor dem vereinbarten Termin eintrifft, kann zunächst in einem beheizten, von außen begehbaren Warteraum Platz nehmen. Dort läuft ein die Impfung erläuternder Film.

Mund-Nasen-Schutz muss getragen werden

Auf der dem Schloss zugewandten Seite des CC gibt es einen Eingang. Ab dort ist ein Mund-Nasen-Schutz vorgeschrieben. Eine FFP2-Maske wird nicht verlangt, aber empfohlen. An die Zugangskontrolle schließen sich eine Pufferzone sowie die sogenannte Vorabregistrierung an, wo die Terminbestätigung, ein Ausweisdokument, die Krankenversicherungskarte und der Impfausweis vorzuzeigen sind.

Youtube Probelauf im Kreisimpfzentrum auf dem Heidenheimer Schlossberg

Beim Betreten des oberen Foyers wird die Körpertemperatur gemessen. Im angrenzenden Wartebereich ist ebenfalls das Erklärvideo zu sehen. Im unteren Foyer befinden sich fünf Kabinen, an denen die eigentliche Registrierung stattfindet. Später wird aus Zeitgründen einer der Durchgänge jenen vorbehalten sein, die bereits zur zweiten Impfung kommen, weil bei ihnen der Aufklärungsbedarf meist geringer sein dürfte als beim ersten Mal.

Ärzte klären auf und beantworten Fragen

Im Martin-Hornung-Saal führt der Weg zuerst in einen der sechs Räume, in denen Ärzte im Einzelgespräch den Impfvorgang erläutern und offene Fragen beantworten. Anschließend erfolgt in ebenfalls sechs Kabinen das Impfen. Den Piks setzen medizinische Fachangestellte, die für jeweils zwei Kabinen zuständig sind.

Ehe die Geimpften das Gebäude wieder verlassen, sind sie angehalten, eine halbe Stunde im Nachbetreuungsbereich Platz zu nehmen. Grund: Sollten Nebenwirkungen auftreten, könnte medizinisches Personal sich sofort darum kümmern. Alles in allem ist laut Michael Koffer, dem Leiter des KIZ, ein Zeitaufwand von 60 bis 90 Minuten einzuplanen.