Heidenheim / Marita Kasischke Berthold Biesinger und Bernhard Hurm boten im Heidenheimer Lokschuppen eine heitere Schwabenkunde, der ein wenig mehr Inhalt auch nicht geschadet hätte.

Spätzle können fad sein, und die Soße ein wenig dünn, und trotzdem genießt der Schwabe sein Leibgericht unverdrossen, getragen von der Legende und dem Kult, den das Zwei-Komponenten-Essen umgibt. „Spätzle mit Soß“ hieß auch der Abend mit dem Theater Lindenhof am Donnerstag im Lokschuppen im Rahmen der Kleinkunstreihe „Kulturschiene“, der rund 150 Menschen Appetit gemacht hatte.

Sie erlebten Berthold Biesinger und Bernhard Hurm als die Erzschwaben Joseph und Robert, die „eine heitere Schwabenkunde“ auf dem Speisezettel hatten. Nun ja, eine Schwabenkunde war es nun gerade nicht, wenn auch der hinlänglich bekannte schwäbische Themenkanon Kehrwoche, Geiz und Maulfaulheit abermals strapaziert wurde. Und heiter? Um es schwäbisch zu sagen: „Scho recht“, was ja in diesem Falle eben nicht bedeutet, es sei recht heiter gewesen, sondern „Ging so“.

Homma, dromma, nauf, nonder

Die beiden Schauspieler sahen in ihren schrillgrünen und kreischpinkfarbenen Anzügen nicht nur aus wie Textmarker, sondern sie agierten auch so. Und das war eben das Heitere daran, dass man sich abermals an Wortskurrilitäten wie Halbtagsschwabe, Schässloh, Gwargdasch, Gsälzbrot und hälenga erfreute, die ja nie ihre Wirkung verfehlen, zumal dann, wenn sie so offensichtlich eben wie mit dem Textmarker hervorgehoben werden, wie dies die beiden Schwaben taten.

Zuweilen geriet dies buchstäblich zur Aneinanderreihung schwäbischer Begriffe, nicht immer im Zusammenhang stehend, nicht immer inspirierend. Köstlich wurde es da, wo solch sprachliche Finessen wie die Unterscheidung zwischen „dra doa“, „na doa“ und „dra na doa“ zur Sprache kamen, was in der schönen Szene „Ein Schwabe erklärt den Weg“ gipfelte: Da muss man dann schon fit sein im Dialekt, will man bei all dem „nauf“, „nonder“, „homma“ und „dromma“ noch durchblicken und ans Ziel kommen.

Neben diesen Lektionen in Schwäbisch für Anfänger und Neigschmeckte waren auch Lieder und Texte von Sebastian Blau, Manfred Hepperle und vielen mehr im Programm, worunter besonders Uli Keulers „Heimatdichter“ gefallen konnte, der nicht nur das Gedicht „Der verträumte Schiedsrichter“ geschrieben hat, sondern auch das Epos „Kommando Bimberle“ und darüber nachdenkt, solch selten gewürdigten Dingen wie Natronlauge ein literarisches Denkmal zu setzen.

Sehr zum Schmunzeln geriet auch das Rendezvous schwäbischer Liebender: Nichts geschwätzt führt auch zum Ziel. „Mir sind geistig so potent, dass mir ned au no schwätza wend“, brachte das Duo die typische Wesensart des Schwaben auf den Punkt.

Relativ belanglos

Sie selbst allerdings hielten sich überhaupt nicht dran, sondern redeten wie die Wasserfälle und agierten so, wie ein Schwabe es allenfalls dann tun würde, wenn Häusle, Gärtle plus Bausparvertrag in Gefahr wären: übereifrig, wild gestikulierend und immer auf dem Sprung. Dabei spart der Schwabe doch auch überflüssige Bewegungen gerne ein.

Und all die an den Tag gelegte Hektik konnte nicht über die recht häufig herrschende Inhaltslosigkeit hinwegtäuschen. Das Programm plätscherte an vielen Stellen relativ belanglos dahin. Die Akteure wunderten sich denn auch, dass nach der Pause noch alle Zuschauer geblieben waren, und ein wenig peinlich war das Anmahnen von Applaus an Szenenenden, die sie leider schauspielerisch nicht klar gemacht hatten.

Der Schlusspunkt des Programms stimmte versöhnlich: „Ma muss au faulenze könne“, sangen die beiden, mit dem Willy Reichert einst gemahnte, nicht nur zu schaffen, sparen, streben, sondern auch zu leben. Ach ja, Willy Reichert! Eine Schwabenkunde mit ihm wäre vermutlich sehr viel heiterer gewesen. Ein schwäbischer Fachbegriff kam an diesem Abend überhaupt nicht zur Sprache: das kleine feine Wörtchen „awa“. Mit diesem Wörtchen ist über den Abend aber alles gesagt.