Seit Herbst 2022 werden immer mehr Menschen in Deutschland und auch in Heidenheim zum Opfer der Online-Erpressungsmasche Sextortion. Der Begriff setzt sich aus Sex und Extortion (Erpressung) zusammen. Die Täter fordern ihre Opfer in einem Online-Videochat zu sexuellen Handlungen auf und erpressen sie dann mit der Veröffentlichung von Bildschirmaufnahmen des Chats zur Zahlung von Geld. Nach dem Strafgesetzbuch liegen Erpressung und gegebenenfalls Nötigung vor, man spricht von Cybercrime. Mithilfe verschiedener Anhaltspunkte – etwa der Rufnummer oder einer eventuell übermittelten IBAN-Nummer – versuchen die Ermittler die Täter zu finden.

Die perfide Erpressungsmasche scheint in den letzten Monaten immer häufiger aufzutreten. Sowohl Bundes- als auch Landeskriminalamt warnten jüngst vor Sextortion. In Heidenheim liegt die Anzahl der angezeigten Fälle im Jahr 2022 im unteren zweistelligen Bereich, so Andrea Wagner, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Ulm.

Generell unterscheidet man zwischen zwei verschiedenen Sextortion-Fällen: Solche, bei denen eine Vorbeziehung zwischen Täter und Opfer besteht, etwa nach Beziehungsende. Und solche, bei denen sich Täter und Opfer beispielsweise über Chatgruppen neu kennenlernen. Wagner weist darauf hin, dass besonders im letzten Fall davon auszugehen ist, dass die Täter mehrere Fälle begehen und ihre Identität verschleiern.

Große Dunkelziffer wegen Scham

Problematisch bei Sexualverbrechen dieser Art ist vor allem die vermutlich große Dunkelziffer. Opfer empfinden oft große Scham und scheuen sich deshalb davor, die Erpressung anzuzeigen. Um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, gibt das Bundeskriminalamt einige Tipps: Man solle keine Freundschaftsanfragen von fremden Personen im Internet annehmen. Zudem sollte man nicht vorschnell einem Videochat zustimmen oder zumindest am Anfang der Unterhaltung die Kamera abkleben und das Geschehen beobachten.

Ist man trotz Vorsichtsmaßnahmen zum Erpressungsopfer geworden, sind zwei Dinge besonders wichtig: kein Geld überweisen und Anzeige bei der örtlichen Polizei erstatten. Der Chatverlauf sollte per Screenshot gesichert und der Kontakt zum Täter abgebrochen werden. Um das Bild- oder Videomaterial zu löschen, rät das Kriminalamt, den Betreiber der jeweiligen Webseite zu kontaktieren.