Heidenheim / Nadine Rau Das Sozialministerium unterstützt den HSB weiter finanziell dabei, die Kampfsportart zur Integration junger Flüchtlinge anzubieten. Für Sambo-Abteilungsleiter Eduard Marker ist damit nicht Schluss.

Wenn Eduard Marker über seine Arbeit mit den jungen Flüchtlingen beim Heidenheimer Sportbund spricht, sprudelt er förmlich über. „Die Projekte ziehen einen rein, diese Erfolge will ich immer wieder“, sagt der Leiter der Sambo-Abteilung. Und er spricht von Erfolgen, die auch das Sozialministerium überzeugen: Ein weiteres Jahr lang wird das Kurash-Angebot beim HSB gefördert.

Seit Januar 2017 gehört der Ringsport zum Programm dazu, unter dem Titel „Kurash macht Courage“ trainieren Jugendliche, die größtenteils zwischen 12 und 25 Jahren alt sind, regelmäßig mit Trainer Vladimir Lybko aus München. Der Sport spielt dabei zwar eine wichtige Rolle, aber Marker geht es in erster Linie darum, die jungen Migranten über das Vereinsleben hier zu integrieren.

„Da ist zum Beispiel ein moldawischer Junge, der jetzt schon so gut deutsch kann, dass er eine Empfehlung fürs Gymnasium bekommen hat. Ohne uns hätte das ewig dauern können“, erzählt Marker.

Ihm ist es besonders wichtig, dass zukünftig nicht nur Flüchtlinge vom Kurash profitieren, die jüngst nach Deutschland gekommen sind, sondern auch alle anderen ausländischen Jugendlichen, denen die nötigen Mittel fehlen, um sich aktiv einzubringen.

„Der Bedarf ist viel größer. In Heidenheim leben zum Beispiel viele Rumänen, Ungarn oder Moldawier. Auch diese jungen Leute brauchen Chancen und der Sportverein ist eine.“ Oft seien die Jugendlichen sehr gebildet, weil sie aber kein deutsch können, würden sie in eine andere gesellschaftliche Schicht abrutschen. „Bei uns im Verein funktioniert das mit der Verständigung perfekt. Wir sind so international aufgestellt, dass immer jemand für den anderen übersetzen kann. Ein Sozialarbeiter kann das in der Form allein gar nicht schaffen“, schwärmt Marker.

Unterstützung von Bruder Juri Marker

Er selbst hat in der Samboabteilung jetzt noch die bestmögliche Unterstützung seines Bruders, der als stellvertretender Vorsitzender und Trainer dabei ist. Juri Marker hat Sozialmanagement studiert und arbeitet bei der Sozialeinrichtung Eva, wo er Flüchtlinge unter 18 Jahren betreut. Mit Eduard Markers Netzwerken durch die Arbeit bei der Awo ergänzt sich das gut.

„Wir haben dadurch ungeahnte Möglichkeiten. Mittlerweile kommen die sozialen Träger auch auf uns zu und es gibt kaum noch eine Türe, die für mich geschlossen bleibt“, freut sich Marker über den Erfolg des Ehrenamtes. Seit 13 Jahren initiierte pro Jahr mindestens ein neues Projekt, für die meisten hat er es geschafft, Fördergelder zu bekommen. „Ich kann gar nicht mehr damit aufhören“, sagt er.

Die Jugendlichen arbeiten an eigenen Projekten

Dieses Engagement will er auch an seine jungen Kampfsportler weitergeben. Einige von ihnen arbeiten derzeit gemeinsam daran, dass Trainer von hier in verschiedenen Ländern Neues kennenlernen und ihr Wissen danach im Verein weitergeben können. „Prepare for Glory“ oder zu deutsch „Weg zum Ruhm“ nennen sie das Projekt.

Marker selbst ist auch schon wieder an einigen solchen Geschichten dran. Für Juni ist etwa ein Kurash-Cup geplant, der größtenteils von der usbekischen Botschaft finanziert werden soll. Weil es heutzutage ein Leichtes ist, über die sozialen Medien auf Kurash-Kämpfer aufmerksam zu werden, bekam man in Usbekistan vergangenes Jahr mit, was beim HSB geboten ist. Ein Botschafter kam zu Besuch und möchte die Zusammenarbeit ausbauen.

„Wir haben ein ganzes Land als Unterstützer, das ist genial.“ Ein deutsch-russischer Jugendaustausch soll bald folgen, außerdem eine russische Kulturschule, in der es um mehr als nur um Sprache um Kampfsport geht, ums Tanzen zum Beispiel.

Integration wichtiger als Leistung

Weil für Marker grundsätzlich der Kampfsport nicht an erster Stelle steht, sondern die Integration seine Absicht ist, hat es beim HSB schon auch mal geknistert. Für manche sind Erfolge im Leistungssport wichtiger. Wiedergewählt wurde Marker dennoch erst vor kurzem, schon jetzt freut er sich auf die Zusammenarbeit mit dem neuen HSB-Geschäftsführer Edgar Klaiber.

Zu seinem absoluten Glück fehlt ihm jetzt nur noch eine eigene Sporthalle für die Sambo-Abteilung – vielleicht gelingt ihm mit ausreichend Durchhaltevermögen auch das.

„Bei der Sozialarbeit ist es wie im Kampfsport: Wenn man auch nur mit bloßen Händen immer wieder auf denselben Punkt einer Mauer einschlägt, schafft man es, sie zu zerschlagen.“