Heidenheim / Manfred F. Kubiak In der Koch-Revue „Helden am Herd“ kümmerten sich Marcus Bosch, Margit Stumpp, Katerina Hebelkova und Hendrik Rupp neben Nudeln vor allem auch um Politik.

Locken Helden am Herd, interessiert zunächst vor allen Dingen eines. Was werden sie kochen? Ein Babylonisches Linsengericht? Aber in „Nabucco“ steckt nicht nur Nebukadnezar, sondern auch Giuseppe Verdi. Und so fiel die kulinarische Wahl auf Italien: Tagliatelle mit Pesto. Nudeln gehen immer. Auch in der neuen Stadtbibliothek, wo am Montagabend im Margarete-Hannsmann-Saal rein geruchstechnisch also der Knoblauch das letzte Wort hatte.

Seinen Auftritt vor- und zubereitet hatte das bei der Koch-Show der Opernfestspiele obligate Helden-Quartett, dem diesmal neben dem Festspieldirektor Marcus Bosch die Grünen-Bundestagsabgeordnete Margit Stumpp, die Mezzosopranistin Katerina Hebelkova aus Heidenheims tschechischer Partnerstadt Iglau und HZ-Redaktionsleiter Hendrik Rupp angehörten. Und da nur eine singen konnte, war, in dieser Besetzung und nach den Berliner Umtrieben der vergangenen Wochen naheliegend, unter den anderen viel von Politik die Rede.

Die Tochter des Viehhändlers

Während also Hendrik Rupp anfangs noch für den etwas aufwendigeren Nachtisch der Güteklasse Tiramisu Himbeeren klein und Sahne steif schlug, hatte Marcus Bosch Margit Stumpp sofort an der „Jamaika“-Angel. Und siehe da: Die Berlin-Novizin aus Königsbronn war vom letztendlichen Ausgang des Scheiterns der schwarz-grün-gelben Koalitionsverhandlungen nicht überrascht gewesen. Sie hatte ihn, wie Rupp zwischen zwei zerdrückten Biskuitscheiben verriet, sogar vorausgesagt. Woher so viel Klarsicht rührt? Margit Stumpp hatte hierfür eine Erklärung, die jeden im ausverkauften Saal überzeugte: Ihr Vater sei Viehhändler gewesen. Und sie als dessen älteste Tochter, so durfte man zwischen den Zeilen heraushören, hat genügend Kuhhändel miterlebt, um ein Gespür für den Ausgang derselben zu entwickeln. Das war witzig. „Und der FDP die Profilierung wichtiger als die Sache“, wie die Grüne noch hinterherschob.

Womit der Schwarze Peter dann schon mal verteilt war und Hendrik Rupp beinahe der Advocatus Diaboli, als er auf die Frage Boschs, ob Christian Lindner eigentlich Überzeugungen habe, sinngemäß erwiderte, dass die ganze Sache bei genauerer Betrachtung garantiert ein wenig komplexer sei. Übrigens wohl auch die Sache mit dem Wohlstand. Denn in der Feststellung Boschs, den Deutschen gehe es so gut wie nie zuvor, fehlte Margit Stumpp die „Gerechtigkeitslücke“, die sich hierzulande auftue.

Wie und durch wen die Lücke, die sich im Laufe des kommenden Jahres in den Reihen der Heidenheimer Zeitung auftun wird, geschlossen werden könnte, war dann kein großes Thema, nachdem Marcus Bosch verraten hatte, dass Hendrik Rupp die HZ-Redaktion Mitte 2018 verlassen wird. Warum eigentlich? Rupps einfache Antwort: „Zehn Jahre sind lange genug“– das habe er auch schon zu Beginn dieser zehn Jahre gesagt.

Dafür konnte Bosch Rupp erklären, warum die von diesem durchaus als angenehm empfundene Gefühligkeit in der Musik in Ländern wie Irland, Schottland oder etwa Osteuropas in Deutschland nicht aufscheint.

Wie man AfD-Komponist würde

Das rühre vor allem daher, merkte der Festspieldirektor an, dass die Deutschen über den Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg und im Gegensatz zu anderen Ländern und Völkern den Bezug zu ihrer alten Volksmusik verloren hätten. Das gehe sogar so weit, dass einer, der nicht zuvor mehrere Bücher mit handfesten intellektuellen Begründungen dafür veröffentlicht habe, keinen C-Dur- neben einen F-Dur-Akkord setzen könne, ohne sofort als AfD-Komponist zu gelten. Das war auch witzig.

Womit man am Ende – und nachdem Katerina Hebelkova unter anderem einen Prinz Orlofsky, eine Rossini-Rosina und eine ganz wunderbar phrasierte Carmen gesungen hatte –, wieder bei der Politik angelangt gewesen wäre. Wie es wohl ausgehen werde in Berlin, wollte Marcus Bosch von seinen Gästen wissen. „Neuwahlen“, prophezeite Hendrik Rupp. „Neuwahlen“ erwartet auch Katerina Hebelkova. „Große Koalition“ hingegen weissagte Margit Stumpp. „Denn wenn der Preis hoch genug ist, fallen die Sozialdemokraten um.“