Über 900 Menschen aus allen Generationen strömten am Silvesterabend auf den Schlossberg, um im Congress-Centrum auf spektakuläre Weise das alte Jahr zu verabschieden. Alle Besucherinnen und Besucher waren festlich gekleidet, überall waren Prinzessinnenröckchen zu sehen, Glitzer im Haar – alle waren voller Vorfreude auf die märchenhafte Show „Die Eisprinzessin“.

Und märchenhaft ist sie ja auch, die Geschichte der beiden Schwestern: der weißhaarigen älteren Elsa mit ihren ebenso machtvollen wie gefährlichen Eis- und Sturmkräften, und der zauberhaften jüngeren, dunkelhaarigen Prinzessin Anna, die allen Gefahren trotzt und sich auf den Weg zu ihrer Schwester macht, um wieder mit ihr zusammen zu sein. Begleitet wird sie von Kristoff, einem einfachen Jungen, der bei Trollen aufgewachsen ist und sich im Zauberwald auskennt, sowie dessen bestem Freund, dem witzigen Rentier. Sie treffen auf den Schneemann Olaf, der ihnen schließlich den Weg zu Elsas Eispalast zeigt. Am Ende siegt die Liebe der beiden Schwestern, und alle können wieder zusammen sein.

Reihe von Highlights

Die Show des Kieler Veranstalters Highlight Concerts unter der Regie von Rimma Wachsmann und ihrer Tochter Marina Beniashvili, beide seit Langem sehr erfolgreich im Musikshowgeschäft unterwegs, war von Anfang bis Ende eine Aneinanderreihung von Highlights. Mit einem lediglich minimalistischen Bühnenbild ausgestattet, bot die Lichttechnik im Hintergrund, passend zum jeweiligen Erzählstrang, fast eigene Geschichten, während im Vordergrund getanzt, gesungen, gespielt wurde und eine Fülle an witzigen Details zu beobachten war. Auf dem Kunsteis liefen die Akrobatinnen und Akrobaten in fantastischen Kostümen – unablässig gab es immer wieder neue Farben und Formen zu bestaunen – und zeigten ein Können, das dem Publikum förmlich den Atem raubte.

Elegant und verspielt

Bei den Eislauftänzen, am Springseil, Rhönrad, den Jonglagen, der Luftakrobatik, den Mehrfachsalti und überaus kraftraubenden Hebefiguren, die zugleich elegant, verspielt und federleicht scheinend dargeboten wurden – man fühlte sich an die magischen Bilder des Cirque du Soleil erinnert – und so ganz falsch lag man damit nicht: Denn die bis zum Schluss gut gelaunten und unermüdlich mit immer noch einem weiteren Höhepunkt aufwartenden Akrobatinnen und Akrobaten stammen allesamt aus einem Nationalzirkus, etwas weiter südlich auf der Halbkugel, und zwar aus dem Circo Nacional de Cuba. Absolut erstaunlich, was da geboten wurde.

Ein Fest für die Augen: In jeder Ecke der Bühne wurde optisch Spannendes gezeigt, die Lichttechnik überzeugte wie die – nicht zuletzt – wirklich großen Sängerinnen und Sänger.

Fast zu viel des Guten

Dies kann, wenn man es so nennen will, als ein kleiner Wermutstropfen dieser tollen Show bezeichnet werden: Die Zuschauer wussten manchmal gar nicht mehr, wohin eigentlich noch schauen, wem die Aufmerksamkeit schenken? Das war angesichts der Fülle der Darbietungen fast nicht möglich. So gingen manches Mal beinahe ein wenig die Sängerinnen und Sänger unter – um dann aber in den leiseren Szenen zu ganz großer gesanglicher Form aufzulaufen. Gerade in den traurigeren Stücken zeigten die Künstlerinnen und Künstler, was sie an stimmlicher Ausdruckskraft zu bieten haben: Aniek Mommers (Elsa) und Lisa Maria Sonderegger (Anna) ebenso wie Yonatan Pandelaki (als Schauspieler genauso groß wie als Sänger des herrlich witzigen Schneemanns Olaf) und Samuel Meister als Kristoff. Auch das Rentier (unter der witzigen Maske: Ilja Zinowiev) sorgte für viele Lacher und großes Vergnügen.

Das Publikum ließ seiner Begeisterung freien Lauf und belohnte die gesamte Show mit minutenlangem Applaus. Ein fantastischer Abend und ein grandioser Ausklang des Jahres 2022.