Heidenheim / Joelle Reimer Die Premiere von „Du bist in Ordnung, Charlie Brown“ kam im Naturtheater nicht als typisches Theater, sondern als Reihe einzelner Sketche daher – und überzeugte.

Ein hohler Blick, hängende Schultern, nach unten gezogene Mundwinkel: So sieht ein echtes Versager-Gesicht aus, wie Lucy mit einem Blick auf den kleinen Charlie Brown knallhart feststellt.

Eine auf den Punkt sitzende Choreographie, witzige Sketches und sechs junge Schauspieler, die das Publikum fast gänzlich ohne Requisiten und Bühnenbild von der ersten bis zur letzten Szene in die Welt der „Peanuts“ von Charles M. Schulz entführen: So sieht eine Premiere aus, die alles andere als versagt hat.

Und das hat sie nun wirklich nicht, die Aufführung des von Oliver von Fürich inszenierten Tournee-Theaterstücks „Du bist in Ordnung, Charlie Brown“ im Theatersaal des Heidenheimer Naturtheaters. Im Gegenteil; sie hat die 100 Zuschauer zu überzeugen gewusst, und zwar vor allem durch ihre Kurzweiligkeit, ihre comic-hafte Aufmachung und den überaus charmanten Charakteren.

Vieles zum Schmunzeln

Mit wenig viel erreichen, das scheint das Motto vor allem der szenischen Darbietungen zu sein – wobei das gewisse Extra hier im Detail steckt. Allein der „Peanut“-typische Abroll-Schritt, mit dem die Darsteller die Bühne betreten und wieder verlassen, lädt immer wieder aufs Neue zum Schmunzeln ein, und wenn dann auch noch Beagle Snoopy (Julian Törke) seine herrlich zynische Gedankenwelt mit dem Publikum teilt oder Charlie Brown (Moritz Holzapfel) sich in der Mittagspause seine Vespertüte über den Kopf zieht, um sich vor seiner großen Liebe, dem kleinen rothaarigen Mädchen, zu verstecken, ja dann taucht der Zuschauer mit einer solchen Geschwindigkeit in die Welt des sympathischen Versagers ein, dass er es zunächst gar nicht zu merken scheint – bis die Pause plötzlich ein klares Zeichen setzt, dass die Hälfte des Stückes bereits vorbei ist.

Mehr Comic denn Theaterstück

Tatsächlich erscheint „Charlie Brown“ mehr als ein gespielter, gesungener und getanzter Comic denn als typisches Theaterstück – und genau diese erfrischende Andersartigkeit ist es, die ankommt. Auch wenn die einzelnen, passenderweise oft sehr kurzen Szenen (nur wenige sind gefühlt etwas zu langatmig geraten, beispielsweise Snoopy und sein „Roter Baron“), auf den ersten Blick wahllos aneinandergereiht erscheinen, so sind sie doch stets in sich schlüssig und fügen sich letztlich wie ein Fortsetzungscomic zu einem großen Gesamtbild zusammen: „Charlie Brown, du bist in Ordnung.“

Schwerpunkt: Tanz und Gesang

Mehr als in Ordnung ist die aufwendige Choreographie: Was Anke Rißmann-Eckle den jungen Darstellern zumutet, ist einiges, und sie meistern es ohne Wenn und Aber – dafür mit Floss-Dance- und Solo-Einlagen. Und unter musikalischer Leitung von Maddalena Ernst wird fast zwei Stunden lang gesungen – besonders Josephine Eckle als Sally und Moritz Holzapfel als Charlie wissen dabei zu überzeugen.

Apropos überzeugen: Das kann letzterer nicht nur gesanglich. Schon in den ersten Szenen zeigt er, dass er mehr drauf hat, als nur ein gutes „Versager-Gesicht“ zu machen. Monologe, die die Vorstellungskraft anregen, in seiner Mimik ein Wechselspiel zwischen Hoffnung und Enttäuschung, wenn er als Einziger keine Karte zum Valentinstag bekommt, und der entscheidende Schlag im Baseball-Spiel, mit dem er, wie könnte es auch anders sein, seinem Team natürlich den Sieg vermasselt – fast überflüssig zu erwähnen der vergebliche Versuch, einen Drachen steigen zu lassen.

Lucy als abgebrühte Besserwisserin

Szenen, die in Erinnerung bleiben – die gibt es für jeden der Charaktere. Seien es Sallys Ausraster, wenn ihre Kleiderbügelskulptur mit einer Drei bewertet wird, Snoopys übertriebene Abendbrot-Zeremonie, Linus' (Matthias Schott) vergeblicher Versuch, seine Schmusedecke endlich los zu werden oder Schröders (Axel Ostermayer) ohrwurmtauglicher Beethoven-Tag. Doch neben Charlie Brown sticht vor allem eine Person besonders hervor: Maren Boss als abgebrühte Besserwisserin Lucy, deren schräger Charakter sich in Spiel und Gesang wiederfindet und einfach nur Spaß macht.

Auch wenn Regisseur Oliver von Fürich im Vorfeld betont hat, dass das Stück für die Tournee bewusst einfach gehalten wurde und es theoretisch nur mit CD-Player und Lichtschalter funktioniere – die Aufführung im Theatersaal hat gezeigt, was ein ausgeklügeltes Ton- und Lichtsystem bewirken kann. Am Ende gab's den verdienten Applaus; für die Technik, für die „Peanuts“ und für einen durchweg unterhaltsamen, weil stringent inszenierten Abend.

„Charlie Brown“ geht im Jubiläumsjahr auf Tournee

100 Jahre alt wird das Naturtheater dieses Jahr – aus diesem Anlass soll „Du bist in Ordnung, Charlie Brown“ als eine Art Botschafter auf Tournee gehen.

Die nächsten Auftritte sind am 10. Februar im Kulturringhaus Fridingen, am 2./3. März im Theater der Stadt Aalen, am 6. April an der Spalatin-Schule in Spalt, am 11. Mai im Alten Forum-Kino in St. Pölten, am 20. Juli auf der Freilichtbühne in Heidenheim und am 17. November in der Rätsche in Geislingen. Weitere Termine in Berlin, Stuttgart, Esslingen, Ulm, Döbeln oder Weissach im Tal sind in Planung.