Heidenheim / Patrick Vetter Ein neuer Baby-Notarztwagen bringt Neugeborene aus Heidenheim in die Klinik nach Ulm und zurück. Seine Anschaffung wird allein über Spenden finanziert.

Frühchen können nicht überall behandelt werden. Kommen Babys zu bald zur Welt und gibt es Probleme nach der Geburt, wartet die nächste Hilfe in der Klinik in Ulm auf sie. Dorthin werden sie mit einem speziellen Krankenwagen transportiert, dem sogenannten „Baby-Muck“.

„In Heidenheim können wir nur Kinder nach der 32. Schwangerschaftswoche behandeln. Und danach können wir auch nicht alles machen“, erklärt Dr. Andreas Schneider, Chefarzt in der Kinderklinik in Heidenheim, wieso der Wagen nötig ist. Die meisten Einsätze habe der „Baby-Muck“ aber nicht nur wegen der zu früh geborenen Kinder, sondern wegen normalgeborenen Babys, die nach der Geburt Probleme bekommen. Insgesamt sei der Wagen in der Vergangenheit etwa 270 Mal im Jahr rund um Ulm unterwegs gewesen. Er bringt die Säuglinge zur Behandlung in die Klinik und wird auch später für den Rücktransport zum Beispiel nach Heidenheim eingesetzt.

Immer frühere Hilfe für Babys

Der Wagen ist aber längst nicht nur zwischen Heidenheim und Ulm unterwegs. In einem Umkreis von 100 Kilometern um Ulm ist der „Baby-Muck“ im Einsatz. Die Zahl der Kinder, die transportiert werden, steigt stetig an: „Das liegt daran, dass wir den Babys immer besser und früher helfen können“, erklärt Schneider. Nicht einmal ein Kilo wiegen die leichtesten Passagiere des Spezialfahrzeugs. Diese kleinen Menschen brauchen besondere Bedingungen auf der Fahrt von Klinik zu Klinik.

Um die Unebenheiten der Straße auszugleichen und Erschütterungen zu minimieren, ist der Wagen mit einer speziellen Federung ausgestattet. Auch der Tragetisch im Innenraum des Krankentransporters ist gefedert und die Liege hydraulisch. Außerdem sind die Außenwände geräuschisoliert. Innen ist der „Baby-Muck“ mit Geräten und Medikamenten ausgestattet wie die Kinderklinik in Ulm. „Es werden auch ganz andere Anschlüsse benötigt als gewöhnlich – für den Inkubator zum Beispiel“, erklärt Ludwig Merkle vom DRK. Er und seine Kollegen fahren den Wagen. Der Inkubator ist das Herzstück des Baby-Transporters. In dem Kasten werden die Neugeborenen transportiert. Darin lassen sich Temperatur und Luftfeuchtigkeit genau regeln (siehe „Erklär‘s mir“).

Dass es das Gefährt überhaupt gibt, hängt mit dem Engagement von Mathilde Maier, Vorsitzende des Förderkreises intensivpflegebedürftige Kinder Ulm, zusammen. „Eltern helfen Eltern“ ist der Ansatz der Mutter und Krankenschwester. Bereits 2001 sammelte sie gemeinsam mit dem DRK Spenden für das erste Modell des Baby-Notarzt-Wagens. „Innerhalb weniger Monate hatten wir die Mittel damals zusammen“, erinnert sie sich. 2010 konnte der Förderkreis dann das zweite Auto übergeben, das bis heute im Einsatz ist.

Die dritte Generation

Der aktuelle „Baby-Muck“ müsse aber ersetzt werden. Er hat mittlerweile knapp zehn Jahre auf dem Buckel. Deshalb erbitten der Förderkreis und das DRK erneut Geld. „Jetzt brauchen wir zum dritten Mal die Solidarität der Leute“, sagt DRK-Präsident Albert Tränkle. 200 000 Euro müssen zusammenkommen, einen Großteil spendeten bereits Privatleute und Firmen. „Uns fehlen noch etwas mehr als 20 000 Euro. Außerdem würden wir gerne einen zweiten Inkubator anschaffen. Dafür bräuchten wir nochmal 60 000 Euro“, zählt Mathilde Maier auf. „Wenn wir damit nur einem Kind helfen können, hat es sich schon gelohnt.“

Und geholfen hat der „Baby-Muck“ schon vielen. Die Neugeborenen brauchen auf ihrem Transport anderen Komfort als Erwachsene. Durch den speziellen Notarztwagen werden alle Risiken so klein wie möglich gehalten. Er sei nötig, da die Frühgeborenen auch nicht mit einem Helikopter transportiert werden können. Bis Ende des Jahres soll der neue Wagen im Einsatz sein.