Die Zahl der an oder mit Covid-19 Verstorbenen ist in Deutschland ungebrochen hoch. Für manche ist das Anlass für Spekulationen, mit denen auch die HZ-Redaktion bereits konfrontiert wurde. Grundlage der auch im Internet kursierenden Gerüchte: Mit Corona-Toten lässt sich Geld verdienen. So sollen etwa Krankenhäuser und Ärzte für Corona-Tote mehr Geld abrechnen können. Aus diesem Grund würden auch Patienten, die an anderen Ursachen verstorben sind, nachträglich umdeklariert.

Was ist dran an den Gerüchten? Die HZ hat beim Klinikum in Heidenheim und einer Steinheimer Hausarztpraxis nachgefragt. Stefanie Wenta, Leiterin der Unternehmenskommunikation im Klinikum, und Dr. Jörg Sandfort, Hausarzt und Vorsitzender der Kreisärzteschaft, geben Antworten. Außerdem hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) öffentlich zu den Vorwürfen Stellung bezogen.

Können Krankenhäuser für Corona-Tote höhere Kosten abrechnen?

Stefanie Wenta: Nein, die Leichenschau gehört zu den Dienstpflichten und wird den Angehörigen eines Verstorbenen vom Klinikum zu einem einheitlichen Kostensatz in Rechnung gestellt.

DKG: Natürlich bekommen Krankenhäuser nicht mehr Geld, wenn sie Covid-19 als Todesursache angeben. Trotzdem hält sich diese Verschwörungstheorie wacker in den sozialen Medien und wird immer wieder neu ausgeschmückt. Meistens weiß jemand von Bekannten und Verwandten zu berichten, deren Angehörige im Krankenhaus gestorben und fälschlicherweise als Covid-19-Tote gezählt worden seien. Besonders absurd ist die Geschichte, in der der Arzt vorher die Angehörigen gefragt hat, ob er Covid-19 in den Totenschein schreiben darf. Natürlich fragt ein Arzt nie Angehörige, was er diagnostizieren darf, denn das Diagnostizieren ist sein Beruf.

Aber die Todesursache Covid-19 wurde neu eingeführt?

DKG: Das war im März nötig, weil im Gesundheitswesen alles codiert werden muss und Covid-19 bis dato unbekannt war. Also ein ganz normaler Vorgang, wenn neue Krankheiten auftreten (…) Ärzte und Krankenhäuser erhalten Geld für ihre Arbeit. Wenn es um Verstorbene geht, bekommen Ärzte Geld für die Leichenschau, unabhängig von der Todesursache. Die Höhe bestimmt allein die Gebührenordnung. Bei Covid-Patienten wird, wie bei anderen Patienten auch, die Behandlung vergütet. Die Höhe der Vergütung bestimmen vor allem die Behandlungen, die erforderlich sind – also zum Beispiel Beatmung, Medikation, Überwachung. Abgerechnet wird über die bekannten Fallpauschalen.

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Das heißt dann aber, dass Krankenhäuser für die Behandlung von Corona-Patienten mehr Geld bekommen?

Wenta: Patienten werden anhand von medizinischen Daten bestimmten Fallgruppen zugeordnet und darüber erfolgt die Abrechnung. Darüber hinaus gibt es von den Krankenkassen Zusatzentgelte. Die Corona-Mehrkostenpauschale sieht für jeden Patienten, der stationär aufgenommen wird, Zusatzbeträge vor. Bei Patienten mit einem negativen Testergebnis liegt der Betrag bei 40 Euro pro Fall, bei Patienten mit einem positiven Testergebnis bei 80 Euro pro Fall. Damit sollen Mehraufwendungen für zusätzliche Hygienemaßnahmen des Krankenhauses, zum Beispiel für Schutzkleidung des Personals, kompensiert werden. Für jeden stationär aufgenommenen Patienten kann außerdem einmalig ein SARS-CoV-2-Test in Höhe von 52,20 Euro abgerechnet werden.

Bekommen denn niedergelassene Ärzte für eine Leichenschau bei einem Corona-Patienten mehr Geld?

Jörg Sandfort: Die Honorierung der Leichenschau wurde 2020 – unabhängig von Corona – neu geregelt. Die Gebührensätze richten sich nach dem Zeitaufwand in Minuten, Wegegeld und möglichen Zeitzuschlägen. Außerdem gibt es einen Zuschlag in Höhe von 27,63 Euro, wenn der Arzt, der die Leichenschau vornimmt, den Toten nicht kennt oder besondere Umstände vorliegen. Dazu zählen neben einem nicht-natürlichem Tod auch Infektionen mit übertragbaren Erkrankungen, wie zum Beispiel eine Covid-19-Infektion. Egal, ob der Patient daran gestorben ist oder nicht.

Warum gibt es diesen Zuschlag?

Sandfort: Das ist dem vermehrten Hygieneaufwand bei der Untersuchung geschuldet.

Und für Krankenhäuser gilt das nicht?

Wenta: Der von Dr. Sandfort genannte Zuschlag könnte auch von Krankenhäusern berechnet werden, wenn die Kriterien zutreffend sind. Bislang haben wir im Klinikum aber davon abgesehen. Wir berechnen einen einheitlichen Preis für die Leichenschau.

Wenn sich jemand nach langer Krebserkrankung mit Covid infiziert und stirbt, woher weiß man, woran er tatsächlich gestorben ist?

Wenta: Bei langen Krebserkrankungen und ausgeprägter Schwächung war es schon vor Corona oft nicht klar, woran ein Mensch am Ende verstorben ist. Es kommt zu einem parallelen Versagen mehrerer Organe. Auch vor Covid sind viele Krebspatienten an Infektionen im Rahmen ihrer Krebserkrankung verstorben. Das ist mit Corona nun auch so, wiewohl nicht sehr bedeutsam.

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So rechnen Krankenhäuser ab


Die Abrechnung von Behandlungen erfolgt in Krankenhäusern nach dem Fallpauschalensystem. Laut dem Bundesministerium für Gesundheit spielt die Todesursache für die Berechnung keine Rolle. Wie viel Geld ein Krankenhaus für eine Leistung erhält, wird stattdessen durch die Diagnose, den Schweregrad der Krankheit sowie die erbrachten Leistungen des Arztes bestimmt. Bei Patienten mit leichten Erkrankungen sind die Vergütungen in der Regel geringer als bei schweren, aufwändig zu behandelnden Erkrankungen.