Heidenheim / Klaus Dammann „Trautmann“ ist grandioses deutsches Kino – trotz historischer Schwachstellen.

Er ist eine Fußball-Legende – und das besonders im Mutterland dieses Sports: Bernd „Bert“ Trautmann aus Deutschland kam über die Kriegsgefangenschaft nach England und wurde dort zum Torwarthelden von Manchester City. Mit dem Team gewann er 1956 den Pokal und stand trotz erlittenem Genickbruch bis zum Ende zwischen den 7,32 Meter voneinander entfernten Torpfosten. Eine unglaubliche Geschichte, wie gemacht fürs Kino – wenn sie nicht wahr wäre, müsste man sie erfinden.

Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich das deutsch-britische Biopic von Marcus H. Rosenmüller: Der Rahmen der Geschichte stimmt, doch in Ablauf und Details gibt es erhebliche historische Abweichungen, Auslassungen und idealisierende Glättungen im Vergleich zum Leben des echten Trautmann. Das übliche Maß der für einen Spielfilm typischen Dramatisierung wird da ziemlich strapaziert.

Nichtsdestoweniger ist „Trautmann“ ein grandioser und mitreißender deutscher Film, weit jenseits der heimischen Durchschnittsproduktionen, und mit viel Emotionen inszeniert. Essenziellen Anteil hat das exzellente Darsteller-Ensemble, aus dem es zwei Akteure hervorzuheben gilt: die Britin Freya Mavor in der Rolle von Ehefrau Margaret Trautmann und John Henshaw, der ihren Vater spielt. Beide sind in ihren Auftritten sensationell und überragen sogar Hauptdarsteller David Kross. Darüber hinaus ist das Werk hervorragend ausgestattet und glänzt mit seiner Bildgestaltung.

Entstanden ist kein typischer Fußballerfilm, sondern ein bewegendes Nachkriegsdrama, das von seinen Wurzeln im Zweiten Weltkrieg ausgehend sensibel über Ablehnung, Unverständnis, das schwierige Überwinden von Feindschaft und Vorurteilen hin zu Akzeptanz, Freundschaft und grenzüberschreitender Aussöhnung erzählt. Sport wird hier zum erfolgreichen Weg zur Völkerverständigung, bei dem Menschen statt trennender Eigenheiten ihre Gemeinsamkeiten entdecken. In Brexit-Zeiten eine deutliche Positionierung.

Als Kulturfilm im Kino-Center, ab 12

Außerdem neu im Kino

John Wick: Kapitel 3

Keanu Reeves ist wieder da in seiner Erfolgsrolle als Auftragskiller. In der zweiten Fortsetzung wird auf ihn ein Kopfgeld ausgesetzt und fortan hat er es mit einer Menge Typen zu tun, die ihm aus finanziellen Gründen an den Kragen wollen. Im Vordergrund werden anstelle ausgeprägter Handlung einmal mehr die Action und die große Zahl an gemeuchelten Gegnern stehen (auch in englischer Originalversion; Kino-Center, ab 18).

Aladdin

Als Trickfilm war die Disney-Version der Geschichte von der Wunderlampe vor einigen Jahren ein großer Erfolg. Analog zu „Die Schöne und das Biest“ und „Dumbo“ setzt der Unterhaltungskonzern seine Strategie zur Realverfilmung der getricksten Filmhits fort und zeigt nun Will Smith als Dschinni, der Aladdin und seine Liebe Jasmin gegen den bösen Großwesir Dschfar unterstützt (Capitol, ab 6).

Sehenswert

Avengers: Endgame

Der Fall Collini

Van Gogh