Die einen können sich vor Arbeit nicht retten, den anderen brechen Märkte, Lieferketten und Kunden weg. Hochkonjunktur herrscht beim Arbeitsamt, bei den Banken und der Gewerkschaft, die damit beschäftigt sind, den Betrieben beim Abfedern der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zu helfen.

„Wir haben es mit massivsten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Einschnitten zu tun“, sagt Ralf Willeck, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Heidenheim. Vereinzelt stellten Betriebe die Produktion ein, in vielen werde Kurzarbeit vorbereitet. „Aber besser werden Stunden entlassen als Menschen“, so Willeck.

Situation in den Betrieben ist nicht durchweg düster

Die Situation in den Metall- und Elektro- sowie Textilbetrieben sei nicht durchweg düster, sagt Gewerkschaftssekretärin Maja Reusch nach einer Blitzumfrage. In wenigen Betrieben wie etwa Hartmann oder Pfisterer in Gussenstadt herrsche sogar Hochkonjunktur, weil die Nachfrage nach deren Produkten hoch sei. „Aber die, bei denen es schon vor der Corona-Krise schlecht lief, trifft es im Moment besonders hart.“ Fast alle Betriebe bereiteten jedoch Betriebsvereinbarungen zur Kurzarbeit vor, falls eine Situation wie in Italien komme.

Willeck appelliert an Arbeitgeber, sich fair zu verhalten. In mehreren Betrieben seien Beschäftigte ohne Entgeltfortzahlung nach Hause geschickt oder Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats untergraben worden.

Kurzarbeit-Anzeigen steigen „rasant“

Wie viele Betriebe im Landkreis in Kurzarbeit sind, lässt sich aktuell nicht ermitteln. Fest steht: Die Anzeigen auf Kurzarbeit sind laut Angaben der Agentur für Arbeit Aalen „rasant angestiegen“. Elmar Zillert, Vorsitzender der Agentur für Arbeit Aalen: „Wir begrüßen die neuen Regelungen der Bundesregierung zum Kurzarbeitergeld und wollen mit diesem arbeitsmarktpolitischen Instrument so viele Arbeitsplätze wie möglich in unserer Region erhalten.“

Welche Branchen fragen gehäuft nach?

Neben den bereits vor der Corona-Krise betroffenen Bereichen wie Metallbau und Automotive kämen nun auch Anfragen aus nahezu allen anderen Branchen hinzu, überwiegend aus Transport und Logistik, Hotel- und Gaststättengewerbe, Messebau und Tourismus.

Wenn die Arbeitgeber auch an den Hotlines durchkommen. Aufgrund der vielen Anrufe war die Arbeitsagentur in den ersten Tagen nur eingeschränkt erreichbar. Das Telefonnetz des Providers sei überlastet gewesen, so Pressesprecherin Karina Deininger. „Wir haben daraufhin zusätzliche Kapazitäten geschaffen und lokale Rufnummern einrichten lassen, die die übliche Hotline verstärken.“ Für die Betriebe gebe es deshalb jedoch keine Rechtsfolgen und Sanktionen.

Die Rufnummern laufen zwischenzeitlich stabil. Es gebe sicherlich Zeitfenster, in denen nach wie vor ein erhöhtes Anrufaufkommen besteht, aber es seien nur noch Einzelfälle, die keine freie Leitung bekämen. Oberste Priorität habe für die Agentur in dieser schwierigen Zeit die Bearbeitung der Geldleistungen, um den Lebensunterhalt und die Existenzgrundlage der betroffenen Menschen zu sichern.

Anfragen nach Arbeitskräften aus den belasteten Branchen

Wie sich der Arbeitsmarkt verändern wird, das kann die Arbeitsagentur momentan schwer einschätzen. Denn zeitgleich häuft sich in einigen Branchen wie dem Lebensmitteleinzelhandel die Arbeit. „Aus den besonders belasteten Branchen haben wir durchaus Anfragen und dort vermitteln wir auch. Wir möchten unbedingt unser Bestmögliches zum Ausgleich auf dem Arbeitsmarkt beitragen. Auch hier gilt sozusagen: #flattenthecurve“, so Karina Deininger. Allerdings sei dieser Effekt noch ein zartes Pflänzchen. Da keiner wisse, wie sich die Lage entwickelt, agierten viele betroffene Arbeitnehmer eher noch zaghaft.

Mehr Arbeitslose?

Auch wer Arbeit sucht, hat es schwer: Bei der breiten Masse der Arbeitgeber werde derzeit eher auf Sparflamme eingestellt. Deininger: „Die Dynamik des Arbeitsmarktes ist demzufolge regelrecht eingebrochen und wir rechnen mit einem spürbaren Anstieg der Arbeitslosenzahlen in der nächsten Zeit.“

Spätestens nächsten Dienstag wird sich zeigen, ob und welche Spuren Corona auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen hat: Dann ist Tag der Arbeitsmarkt-Statistik.

Nachfrage bei den Banken steigt


Die Verunsicherung bekommen auch die Banken zu spüren, wie die Heidenheimer Kreissparkasse und die Volksbank bestätigen. Anfragen kämen aus vielen Branchen, insbesondere von Kunden, deren Geschäft von heute auf morgen eingebrochen sei, vornehmlich aus dem Einzelhandel.

Wie lange dauert es, bis das Geld der Sonderprogramme die Firmen erreicht? „Sobald die Zusage der KfW vorliegt, können und würden wir die Gelder zeitnah und vorschüssig auszahlen“, teilen beide Bankhäuser mit.

Die Nachfrage von Privatpersonen hält sich laut Volksbank noch in Grenzen. Beratungsbedarf bestehe hauptsächlich im Segment Wertpapieranlagen. Die Kreissparkasse bemerkt, dass Tilgungsaussetzungen angefragt werden. Der Rat an Menschen, die infolge von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit in Geldnöte geraten: „Auf jeden Fall das Gespräch mit dem Berater suchen. Nur so kann eine Lösung gefunden werden. Den Kopf in den Sand zu stecken ist auf jeden Fall keine Lösung“, heißt es vonseiten der Volksbank. Und die Kreissparkasse versichert: „Wir stehen in diesen schwierigen Zeiten zu unseren Kunden.“

Wie schützen die Banken Kunden und Mitarbeiter? Beide Banken haben die Schalterbereiche mit Plexiglas ausgestattet. Bei der Volksbank arbeiten Schlüsselpositionen im Homeoffice. Bei Besprechungen gilt ein Mindestabstand. Die Mitarbeiter wurden räumlich getrennt. Ab Montag werden die Bankstellen nur noch vormittags öffnen, da die Publikumsfrequenz stark abgenommen habe. Beratungen seien davon ausgenommen.

Die Zahl der Homeofficeplätze hat auch die Kreissparkasse stark erhöht und ihre Mitarbeiter auf die Standorte verteilt. In der Unternehmenszentrale arbeiten fast alle Mitarbeiter in Einzelbüros. Die interne Kommunikation finde am Telefon statt, größere Besprechungen sind untersagt. Es gelten verschärfte Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln. Die Reinigungsintervalle wurden erhöht. Beratungstermine für Kunden werden, wenn möglich, digital und telefonisch angeboten. Seit Montag sind nur noch 13 Filialen geöffnet.