Giengen / Marc Hosinner Kurz vor 11 Uhr kollidierte am Mittwoch ein Regionalexpress mit einem Lkw. Eine Schwangere wurde vorsorglich ins Klinikum gebracht. Es war nicht die erste Karambolage an der Stelle.

Es ist ein vertracktes Eck: Erneut kam es am Mittwoch am Bahnübergang an der Hermaringer Straße zu einem Unfall. Wie die Bundespolizei mitteilt, ist gegen 10.45 Uhr ein Sattelzug am Bahnübergang in Richtung Hermaringen mit einem durchfahrenden Regionalexpress kollidiert. Ersten Ermittlungen zu Folge sei der 47-jährige Fahrer des Sattelzuges auf der Landesstraße in Richtung Giengen gefahren und habe beabsichtigt, unmittelbar nach dem Bahnübergang verbotswidrig nach rechts in den Giengener Weg abzubiegen.

Da der Wendekreis des Lastkraftwagens offenbar zu groß war, habe der Fahrzeuglenker rangieren müssen. Gleichzeitig hätten sich die Schranken am Bahnübergang aufgrund des in Richtung Crailsheim durchfahrenden Zuges geschlossen.

90 000 Euro Schaden

Trotz eingeleiteter Schnellbremsung sei der Regionalexpress mit dem hinteren Teil des Sattelaufliegers zusammen gestoßen, welcher hierdurch vollständig aufgerissen wurde. Hierbei sei am Regionalexpress und am Bahnübergang ein Sachschaden von etwa 60 000 Euro, sowie am Lastkraftwagen ein Schaden von etwa 30 000 Euro entstanden.

Im Zug hätten sich, so die Polizei, 17 Reisende befunden, welche anschließend durch die Feuerwehr zum wenige Hundert Meter entfernten Bahnhof in Giengen transportiert worden seien. Eine schwangere Frau sei vorsorglich mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht worden.

Alarmierte Beamte der Bundes- und Landespolizei nahmen den Sachverhalt vor Ort auf. Durch die Gleissperrungen zwischen Hermaringen und Giengen an der Brenz in der Zeit von 10.46 Uhr bis 12.35 Uhr sei es zu Beeinträchtigungen gekommen.

Die Bundespolizei ermittle nun gegen den 47-jährigen Fahrer wegen des Verdachts des gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr.

Die Feuerwehrabteilungen Giengen und Hermaringen waren mit insgesamt acht Fahrzeugen und 35 Mann ebenso im Einsatz wie das DRK mit Notarzt und Rettungswagen.

Der Unfall am Mittwoch war nicht die erste Karambolage am Bahnübergang. Weitere Unfälle ereigneten sich nach ähnlichem „Muster“: Im Dezember 2013 hatten sich dort eine Rangierlok und ein Lkw-Auflieger berührt. Der Unfall ereignete sich seinerzeit, weil der Sattelzugfahrer am Bahnübergang verbotenerweise in Richtung Gerschweiler im spitzen Winkel abbiegen wollte. Als er nicht mehr weiter kam, begann er zu rangieren. Der Auflieger bewegte sich dabei in dem Bereich, wo am Bahnübergang keine Halbschranke vorhanden ist. Während des Manövers näherte sich eine aus Ulm kommende Rangierlok – Lokomotive und Auflieger touchierten sich. Personen wurden dabei nicht verletzt.

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2009: auslaufende Chemikalien

Weitaus größere Auswirkungen hatte ein Unfall, bei dem es fast zu einer Katastrophe gekommen wäre: Im April 2009 erfasste ein aus Ulm kommender Regionalexpress auf dem Bahnübergang das Heck eines mit Chemikalien beladenen Sattelzuges und zertrümmerte diesen. Drei Personen wurden beim Unfall leicht verletzt.

Der Fahrer des Lasters wurde damals vermutlich durch sein Navigationsgerät in die falsche Richtung geschickt. Von Hermaringen kommend wollte der Mann – wie auch der Lkw-Lenker am Mittwoch – unmittelbar nach dem Bahnübergang nach rechts Richtung Filzfabrik abbiegen.

Als der Fahrer mit seinem Brummi rangierte, schlossen sich die Halbschranken. Der Lkw-Fahrer konnte noch aus seiner Zugmaschine springen, bevor der Zug das Fahrzeug erfasste. Eine Vollbremsung konnte die Kollision nicht mehr verhindern. Erst nach 300 Metern kam der Schienenbus zum Stehen.

Weil Chemikalien – Kleber und Härter – in größerem Umfang ausliefen, wurde Katastrophenalarm ausgelöst und das gesamte Terrain weiträumig abgesperrt.

Ziel: den Bahnübergang an der Hermaringer Straße beseitigen

Nicht zuletzt wegen der Unfallgefahr am Bahnübergang im Westen der Stadt besteht ein Ziel im Rahmen der Realisierung der Stadtrandstraße in der Beseitigung des Übergangs.

Wie kürzlich berichtet, ist man dabei laut Regierungspräsidium in Stuttgart an der Realisierung von Plänen, das Ried von Westen anzubinden, „näher dran denn je“.

Die Ziele der Anbindung West liegen nach wie vor in der Beseitigung des Bahnübergangs, der Verlegung der Landesstraße 1083 sowie der Schaffung eines Anbindungspunkts an die Stadtrandstraße.

Wie OB Dieter Henle jüngst erklärte, sollen die Ergebnisse der Voruntersuchung (Variantenprüfung/Umweltverträglichkeit) Mitte beziehungsweise Ende 2019 vorliegen. Eine Informationsveranstaltung dazu soll 2020 stattfinden. Für 2021 sei die Erarbeitung des Vorentwurfs und die Einarbeitung der Anmerkungen des Verkehrsministeriums geplant. Der Baubeschluss soll 2024 erfolgen. Der Baubeginn sei nach jetzigem Kenntnisstand für das Jahr 2028 vorgesehen.