Giengen / Thomas Grüninger Stürme, Schneebruch, Käferbefall und eine viel zu trockene Witterung prägten 2018 und sorgten für deutlich weniger Erlöse auf dem Holzmarkt als geplant. Dennoch wurde im Giengener Stadtwald noch ein Überschuss von 86 697 Euro erzielt.

Von einem „schwierigen Jahr 2018“ für den Giengener Stadtwald berichteten Oberforstrat Pascal Hecht und Revierleiter Fritz Bosch dem Gemeinderat. Nur durch maßvolles Planen konnte es gelingen, noch einen Überschuss von 86 697 Euro zu erwirtschaften. Das waren zwar unterm Strich rund 2000 Euro weniger als vorgesehen, „aber es entspricht ungefähr noch dem geplanten Ergebnis“, sagte Bosch.

Sorgen bereitet den Forstexperten das Thema Waldschutz. Das regenarme Jahr bescherte dem Borkenkäfer prächtige Bedingungen, bis zu vier Generationen des Schädlings konnten sich innerhalb eines Jahres ausbreiten. Stürme und Schneebruch, aber auch Pilzbefall und andere Beeinträchtigungen sorgten dafür, dass rund 25 Prozent des Gesamteinschlags in den Bereich der zufälligen Nutzung fiel.

Preise im Keller

Insbesondere im Bereich des Nadelholzes gingen die Preise in den Keller, ein Einschlagstopp war die Folge. Es lasse sich kurzfristig so verfahren, dass mehr Laubholz eingeschlagen werde, um Geld in die Kasse zu bekommen. Eine langfristige Lösung sei dies aber nicht, meinte Bosch.

Die Holzerlöse blieben mit 271 655 Euro um gut 52 000 Euro unter dem Plan. Insgesamt beliefen sich die Einnahmen auf rund 334 000 Euro, die Ausgaben auf 247 000 Euro. 5070 Festmeter Holz wurden eingeschlagen, etwas weniger als im Plan vorgesehen (5500). 81 Prozent davon bezog sich auf Laubholz.

Das Sturmholz umfasste 41 Festmeter, der Borkenkäfer sorgte für 423 Festmeter zufällige Nutzung. Pilze und sonstige Beeinträchtigung betrafen rund 781 Festmeter Holz.

Für 2019 sind die Aussichten kaum rosiger. Es wird mit einem Überschuss von 51 000 Euro geplant. Wenn es sich gegen Ende bei einer schwarzen Null einpendle, sei es aber „auch nicht schlecht gelaufen“, meinte Bosch. Für die Holzernte ist ein Einschlag von 5300 Festmetern vorgesehen, ungefähr zu gleichen Teilen Laub- und Nadelholz.

Rückstellungen bilden?

Angesichts der weniger positiven Zukunftsaussichten stellte Franz Heger (CDU-Wählerblock) die Frage, ob aus den derzeit erzielten Überschüssen nicht Rückstellungen gebildet werden sollten, um auf außerordentliche Situationen in den kommenden Forstwirtschaftsjahren reagieren zu können. Es sei „eine Frage des strategischen Substanzerhalts“.

Bosch vermutet, dass die Überschüsse weiter zurückgehen. Positiv sei, dass man über einen baumartenreichen Wald verfüge: „Wir sind gut aufgestellt. Ich glaube schon, dass die Erlöse die Aufwendungen noch decken werden“. Oberbürgermeister Dieter Henle sagte, man werde diese Überlegungen sicherlich in die kommende Haushaltsplanberatung mitnehmen.

Der Klimawandel mache deutlich, dass auch auf den Giengener Stadtwald gravierende Probleme zukommen, zeigte sich Ute Goppelt (SPD) überzeugt und fragte nach, ob es nicht inzwischen Möglichkeiten gebe, Schädlinge wie etwa Pilze auf natürliche Weise zu bekämpfen. Lasse man Naturräume in Ruhe, würden sich teilweise erstaunliche Dinge entwickeln.

„Es wird geforscht“, versicherte Pascal Hecht. Im Augenblick sei es aber einfach so, dass durch ausbleibenden Niederschlag Nährstoffe fehlen. „Gegen Pilze gibt es derzeit noch kein Mittel.“

Stilllegungen sinnvoll?

Ob Flächenstilllegungen sinnvoll sind, stellte Hecht allerdings in Frage. Deutschland sei Holzimporteur. „Jede Fläche, die wir nicht bewirtschaften, bedeutet weniger Holz. Wäre es besser, hier die Ressourcen zu kappen, um sich über andere Länder behelfen zu müssen?“, fragte er.

Man spüre, dass der Mensch immer mehr von der Natur abhänge, meinte Elisabeth Diemer-Bosch (CDU-Wählerblock) und mahnte eine entsprechende „Demut vor der Natur“ an. Gaby Streicher (SPD) vertraute der vorausschauenden Planung, die sich bisher bewährte habe. „Unser Wald ist in sehr guten Händen“, zeigte sich auch OB Henle überzeugt.

Weiterhin genug Birken für Giengener Kinderfest?

Birken sind als Zierde ein langer Bestandteil der Giengener Kinderfesttradition. Oberbürgermeister Dieter Henle richtete deshalb an Revierleiter Fritz Bosch die Frage, ob denn der Bestand an Birken im Giengener Stadtwald im Bezug aufs Kinderfest auf Dauer ausreichend sei.

Diesbezüglich hatte Bosch keine Bedenken. Man habe zwar in den vergangenen 25 Jahren keine einzige Birke mehr gepflanzt. Birken seien aber sogenannte Rohbodenkeimer. Das heißt, der Bestand verjünge sich gerne auf Rohböden, die wiederum vor allem auf Sturmholzflächen entstehen. Stürme werde es auch weiterhin geben. „Deshalb gehen wir davon aus, dass es auch weiterhin so funktioniert“, sagte Bosch.      tog