Giengen / Von Nadine Rau Bei Sonnenschein und vor großem Publikum haben die Panscherhexen am Donnerstag das Regiment an sich gerissen. Dagegen konnten weder die Punks der Stadtverwaltung noch der Pumuckl etwas tun.

Nach vielen Jahren Pause sollen der Pumuckl und sein Meister Eder Mitte April endlich wieder im Fernsehen zu sehen sein.

Die Giengener indes mussten sich gar nicht so lange gedulden: Sie haben den Pumuckl bereits am Donnerstag erlebt. Etwas groß geraten zwar, aber Oberbürgermeister Dieter Henle misst nun mal nicht nur ein paar Zentimeter. Und unsichtbar werden kann er auch nicht, obwohl er das angesichts der vielen Hexen, die das Rathaus gestürmt haben, vielleicht gerne kurz gekonnt hätte.

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Zum Glück auch nicht unsichtbar waren die Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die sich passend zum Motto „Punk“, das die Hexen vorgeschlagen hatten, verkleidet haben. Zu komisch sahen zum Beispiel Claudius-Michael Klatt vom Tiefbauamt mit blauen Fingernägeln und schwarzem Irokesenschnitt oder Günther Ingold vom Baurechts- und Planungsamt mit wilder gelber Mähne aus.

Zu sehen bekamen die Kostüme viele Zuschauer, die am Donnerstag auch angesichts des guten Wetters in Scharen zum Rathausplatz gekommen waren. Viele Kinder waren darunter, die den Hexentanz kaum abwarten konnten, während andere Kinder bereits zu den Panscherhexen dazugehören und auch ins Häs geschlüpft sind. Bei der Gaudi aufgespielt haben die Musiker des Felsenexpresses, während sich die ersten Hexen ins Rathaus schlichen.

Kaum aus den Büro geholt, mussten sich Oberbürgermeister Dieter Henle und seine verkleidete Truppe sogleich den Anschuldigungen seitens der Panscherhexen stellen. Häs-Meisterin Gundi Slazak schimpfte im Namen aller Panscherhexen auf den geplanten Industriepark A7 und auf den Müll in der Stadt, forderte eine wirksamere Förderung der Kindergartenkinder und wünschte sich zu guter Letzt ein Domizil für die Hexen – bestenfalls gegenüber dem Rathaus in der ehemaligen „Kanne“, um stets alles im Blick behalten zu können.

OB Henle musste nicht ganz alleine Paroli bieten, seine Punks kamen ihm da gerne zu Hilfe. Zum Industriepark aber reimte er selbst: „A Biosphäre – die isch toll. Bloß was sie an dr Autobahn soll? Die Pflänzla ond Viechla brauchet net d'A7, mit Raserei hüba ond drüba. Für'd Eidechsa isch sie a Graus, auf dr Hoid kennat dia sich besser aus.“

Zugeben, so mancher Reim auf beiden Seiten wackelte doch gehörig, aber Kommunalpolitik in Gedichtform ist wohl nicht ganz so einfach.

Nicht immer blieb es zwischen den Fronten ganz so höflich wie in Henles Part. Die Hexen bekamen auch mal mehr ab. Von Kulturamtsleiter Andreas Salemi zum Beispiel, der von Slazak bezichtigt worden war, die Konzertreihe „Halb 8“ fast hingeschmissen zu haben, nur, weil es einem einzigen nicht in den Kram gepasst hatte. Vielleicht müsse man denen, die wegen des Lärms „heulen“, ein paar Ohrstöpsel verteilen. Salemi konterte prompt, dass man die besser für das „Gschroi“ der Hexen gebrauchen könnte. „Aber wir wissad ja: Denka isch ned so wirklich eura Sach. Ihr habt uire Kernkompetenza eher im sinnlosa Radau und im Krach“, konterte Salemi.

Einigkeit beim Thema Müll

Bei aller Zankerei herrschte aber zumindest in einem Punkt Einigkeit: Der wilde Müll in der Stadt stelle nach wie vor ein großes Problem dar. Ordnungsamtsleiter Uwe Wannenwetsch schlug kurzerhand vor, Saug-Roboter auf die Hexenbesen zu schnallen, dass diese sich um den Dreck kümmern können.

Um unangenehme Dinge aber kümmerte sich am Donnerstag schließlich keiner mehr. Stattdessen lieferten die Hexen einen astreinen Hexentanz voller Pyramiden ab – im Häs und bei diesen Temperaturen gar nicht so einfach. „Ich muss jetzt erst mal runterfahren, es war so warm“, stöhnte Annamaria Sättele von den Tanzhexen hinterher. Auf dem Kopfsteinpflaster zu tanzen, ergänzte eine weitere Hexe, mache die Sache nicht einfacher. Nach etwas Verschnaufpause ging die Sause sogar noch weiter.

Große Feier bis am Nachmittag

Erstmals in Giengen fand nach dem Rathaussturm eine Feier mit der Stadtverwaltung, mit Hexen und Bürgern im „La Cucina“ statt. Eine Gruppe von 120 Personen hatte dort noch bis am Nachmittag ihren Spaß. Hocherfreut war darüber vor allem einer: Pumuckl höchstselbst. „Schön, dass unsere Idee so aufging“, freute sich Henle.

Weil seine Mutter aus Riedlingen komme, habe er den Fasching ein bisschen im Blut, verriet das Stadtoberhaupt. Und wie kam's zum Kostüm? „Als Pumuckl kann man sich gut verstecken, darf aber auch lausbübisch sein. Und ich finde, als OB darf man auch mal frech sein“, scherzte Henle, der sich immer gern den Pumuckl mit seinem Meister Eder angesehen hat. Bald kann er das wieder tun – dann aber ohne eigenes Kostüm und stattdessen im Fernsehen.