Giengen / Rudolf Boemer Wegen Corona waren weder ein Stehempfang noch ein Gemeindefest möglich: Nach neunjähriger Tätigkeit wurde Rainer Stadlbauer als leitender Pfarrer der Seelsorgeeinheit Unteres Brenztal verabschiedet.

Abschied feiern im Zwei-Meter-Abstand hat schon was Besonderes. Die Ereignisse der letzten Wochen ließen befürchten, Pfarrer Reiner Stadlbauer ohne öffentlichen Gottesdienst verabschieden zu müssen. Mit rund 60 Besuchern, alle verfügbaren Plätze waren besetzt, war es jetzt am Sonntag in der Heilig-Geist-Kirche doch möglich. Julia Schmid übernahm wegen des Gesangverbots den musikalischen Teil des Gottesdienstes durch ihr Orgelspiel mit berührendem Sologesang.

Verbindung zu den Menschen

In seiner Abschiedspredigt streifte Reiner Stadlbauer kurz die Ereignisse der Zeit seit seinem Amtsantritt im September 2011. „Wichtig für mich war das gegenseitige Mittragen in allen Situationen des Gemeindelebens“, so Reiner Stadlbauer, dem besonders das Vertrauen und die Gemeinschaft mit allen Mitarbeitern und Mitgliedern am Herzen lag. Im Einsatz für die Gestaltung der Gottesdienste und Liturgien fand er seine Erfüllung, wobei die seelsorgerliche Verbindung zu den Menschen in all ihren Nöten und Freuden nicht zu kurz kam. „Tief beeindruckt bin ich von den Erfahrungen der letzten Monate. Obwohl keine gemeinsamen Gottesdienste möglich waren, so sind wir doch über die Internet-Gottesdienste, Aktionen, E-Mails und Telefonate in sehr gutem Kontakt und Austausch geblieben.“ Seine neue Stelle in der Seelsorgeeinheit „Unterm Staufen“ mit Sitz in Rechberghausen sollte auch künftige Kontakte ohne große Wegdistanz ermöglichen, so Stadlbauer einladend.

Fruchtbares Wirken

Oberbürgermeister Dieter Henle dankte Pfarrer Reiner Stadlbauer für sein fruchtbares Wirken in Giengen. „Durch Ihre Präsenz in den Gottesdiensten waren Sie immer zu hören und zu sehen“, führte OB Henle aus und erwähnte auch seine bekannte, tolle und klare Singstimme. Die Kommunikation in den Medien, im Besonderen beim Aufbau der Homepage, sei zu loben. OB Henle: „Sie haben in den Jahren Ihres Daseins viele Herzen gewinnen können und waren intensiver geistlicher und seelischer Begleiter von zahlreichen Menschen.“ Das komme der ganzen Stadt zugute.

Dr. Gregor Polifke, dem gewählten Vorsitzenden des Kirchengemeinderates, fiel dann die Aufgabe zu, Pfarrer Reiner Stadlbauer offiziell zu verabschieden. Man sei froh, doch einen Gottesdienst feiern zu können, wenn auch unter besonderen Bedingungen, sagte er. „Viele hätten sich gewünscht, dass Sie noch ein wenig bei uns in Giengen geblieben wären“, sagte er. „Die Hochfeste an Weihnachten, Ostern und Pfingsten, die vielen Liturgien, Wallfahrten, Pilgerreisen, viel Neues, aber auch die Kontakte zu den Menschen prägten unser gemeinsames Leben in der Kirchengemeinde.“

Giengener Bibel

Über eine Besonderheit bei den Geschenken durfte sich Stadlbauer neben einer eigens von Hilde Holzinger gestalteten Kerze freuen: Es wurde ihm eine spezielle „Giengener Bibel“ überreicht. Über siebzig Gemeindemitglieder gestalteten je eine Bibelstelle mit Text, Symbolen, persönlichen Worten, Zeichnungen und Bildern. „Zusammengetragen und gebunden sollen diese persönlichen Glaubenszeugnisse Sie auf dem weiteren Lebensweg mit unserem großen Dank und Gottes Segen für Ihre Leistungen begleiten“, wünschte Gregor Polifke.

Was blieb? Erinnerungen, persönliche Verabschiedungen auf Abstand, sehr herzlich. Ein Stehempfang, geschweige denn ein Fest waren an diesem Tag aus den bekannten Gründen tabu.

Die Neuwahl des Kirchengemeinderats und der Weggang von Reiner Stadlbauer beschäftigt die Katholiken bereits jetzt.

Am Sonntag gehen nach langer Zwangspause auch in Giengen wieder die Türen für Gottesdienste auf. Die Besucher müssen sich aber auf zahlreiche Einschränkungen einstellen.

Nachfolgersuche ist im Gange

Die Suche nach einem Nachfolger als leitenden Pfarrer in der Seelsorgeeinheit ist immer noch im Gange. Auf allen Kanälen laufen die Kontakte, so auch über die wiederholt erfolgte Ausschreibung der Stelle im kirchlichen Amtsblatt. In der Vakanz, bis zur Investitur eines neuen Pfarrers, übernimmt Pfarrvikar Antoni Druzkowski die Amtsgeschäfte als Administrator. Unterstützt wird er vom Pastoralteam und den Kirchengemeinderäten.