Giengen / Marc Hosinner Der Dachstuhl über der Schlauchweberei war trotz des schnellen Einsatzes der Feuerwehr nicht zu retten. Teile der Produktion sind betroffen. Brandursache: vermutlich ein technischer Defekt.

Nicht mal das schnelle Eingreifen der Werkfeuerwehr war im ersten Anlauf von Erfolg gekrönt. Ebenso wie ein Mitarbeiter, der noch versucht hatte, dem Qualm und Feuer im Dachstuhl Herr zu werden, musste der blitzschnell agierende Trupp das Ansinnen, von Innen Herr der Lage zu werden, abbrechen.

Die gute Nachricht: Alle Mitarbeiter, die zum Zeitpunkt im Gebäude waren, konnten dieses rechtzeitig verlassen. „Alle haben richtig reagiert“, so Bernd Geiselmann von der Ziegler-Geschäftsführung.

„Es muss schon länger gequalmt haben, der Innenangriff war nicht mehr möglich. Wir waren wirklich schnell“, so Udo Borchert, Leiter der Ziegler-Werkfeuerwehr, die mit 25 Mann als erste versuchte, den Brand im Dachstuhl zu löschen. „Wir haben sofort Vollalarm ausgelöst und weitere Einsatzkräfte angefordert“, sagte Borchert.

Gut eineinhalb Stunden vorher war der Brand im Dachstuhl bemerkt worden. Ein Mitarbeiter hatte Rauch festgestellt. Der Bereich des Gebäudes, Baujahr 1920, stand leer. „Wir kontrollieren dort regelmäßig. Erst am Dienstag war jemand auf dem Dachboden, um nachzuschauen, ob alles in Ordnung ist“, so Geschäftsführer Sven Kneer.

Dass sich das Feuer so rasant ausbreiten konnte, lag wohl am Gebälk. „Das war furztrocken“, wie Borchert sagte. Zudem habe Wind aus Westen „das Dach noch angeheizt“. Feuerwehr-Pressebeauftragter Dennis Straub dazu: „Es hat gebrannt wie Zunder.“

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Gelöscht wurde das Feuer schließlich über die Drehleiter. Wehren aus Giengen, Hohenmemmingen, Hürben, Burgberg und Nattheim rückten an, auch aus Heidenheim kam Hilfe.

„Gegen 13.20 Uhr war nicht nur klar, dass der Dachstuhl hinüber ist, sondern, dass auch die Decke zwischen Dachgeschoss und erstem Stock der Schlauchweberei in Mitleidenschaft gezogen wurde. Dort haben wir Glutnester gefunden“, so der Leiter der Werkfeuerwehr.

Schaden genommen haben offenbar auch Teile der Produktion im ersten Stock. Nicht alle, aber ein Teil der Maschinen der Schlauchweberei – produziert wird auf zwei Stockwerken – wurden offenbar beschädigt. 7000 Meter Schläuche werden am Tag hergestellt. „Wir arbeiten im Zweischichtbetrieb. Die Auftragsbücher sind voll. Das kommt zur Unzeit“, sagte Geiselmann. In den nächsten Tagen müsse man schauen, wie es in diesem Bereich weitergehen könne. „Wir werden die Maschinen im ersten Stock aus dem Gebäude heraus holen und an anderer Stelle für die Produktion Platz schaffen müssen“, so der Geschäftsführer.

Zur Schadenssumme konnte das Unternehmen noch keine Angaben machen. „Jetzt schon dazu etwas zu sagen, käme einem Blick in die Glaskugel gleich“, sagte Borchert. Unterdessen schätzte die Polizei den Sachschaden auf mehrere Hunderttausend Euro.

Auch die Brandursache war noch nicht klar. Vermutet wird, dass ein technischer Defekt Auslöser des Feuers auf dem Dachstuhl gewesen sein könnte.

Betont wurde seitens des Feuerwehr-Ausstatters, dass die Fahrzeug-Produktion – sie befindet sich in einem anderen Bereich des Firmenareals im Osten der Stadt – nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Schnell vor Ort war Giengens Oberbürgermeister Dieter Henle, der selbst über einen „Piepser“ alarmiert wurde. „Ziegler ist einer der wichtigsten Arbeitgeber der Stadt. Das Feuer ist schlimm, aber zum Glück ist niemand zu Schaden gekommen. Mein Dank geht an alle Einsatzkräfte. Alle waren schnell vor Ort. Es war gut zu sehen, wie ein Rädchen ins andere gegriffen hat“, so das Stadtoberhaupt.

Ziegler ist ein Giengener Traditionsunternehmen und blickte 2016 auf eine 125-jährige Firmengeschichte zurück. Nach der Insolvenz 2011 übernahm der chinesische Großkonzern CIMC den Feuerwehr-Ausstatter. Seither ist das Geschäft von Wachstum geprägt. In Giengen werden derzeit 650 Mitarbeiter beschäftigt.