Sechs Monate alt, getigert, verspielt: Das ist Emmi, die bei einer Familie auf dem Schießberg zu Hause ist. Mehr als eine Woche lang hatte der quirlige Vierbeiner die Menschen, bei denen sie wohnt, ziemlich auf Trab gehalten. Es waren Tage zwischen Hoffen und Bangen. Gleichsam waren es viele Stunden, in denen Emmi sich auf eine wundersame Reise begeben hatte, die wohl am Montag, 1. November ihren Anfang genommen hatte.

Emmi war den Nachmittag über draußen, reagierte abends aber nicht wie sonst auf die Rufe. Sie kam nicht in der Nacht und auch nicht am kommenden Tag.

Suchen, rufen, Plakate aufhängen

Es folgte, was besorgte Katzenbesitzer in solchen Situationen machen: rufen, suchen, Plakate aufhängen und das verschwundene Kätzchen in sozialen Medien als vermisst melden.

„Wir haben die Plakate aufwändig gestaltet, in leuchtenden Farben. 50 solche Suchaufrufe haben wir in Giengen aufgehängt. Natürlich auf dem Schießberg, aber auch in der Wanne, der Bleiche und in der Innenstadt“, sagt die Giengenerin.

Sie und ihre Kinder dachten: Hoffentlich wurde das Tier nicht irgendwo eingesperrt in einem Schuppen oder einer Garage oder wurde gar überfahren.

Hinweis auf den Verbleib

Ziemlich schnell gab es einen Hinweis auf den Verbleib des Kätzchens: Jemand meldete sich, der das Tier in der Nähe des Friedhofs gesehen haben wollte. Doch Suchaktionen brachten in den nächsten Tagen keinen Erfolg, ebenso wenig wie die Strategie, Joggingrunden zweimal zu drehen und nach Emmi zu rufen. „Ich dachte immer, wenn ich rufe, kommt sie“, so die „Katzenmutter“. So war es aber nicht. Mit den Tagen schwand die Hoffnung, Emmi wieder zu sehen.

„Ich hatte dann einen unbekannten Anruf auf dem Handy, den ich verpasst habe und zurückgerufen. Die Anruferin und ich hatten uns noch ein paar Mal verpasst. Dann hat es funktioniert und am anderen Ende war eine Frau aus Heidenheim, die meinte, ihr sei eine Katze in Herbrechtingen zugelaufen, auf die unsere Beschreibung passen könnte“, so die Frau vom Schießberg.

Mehr Fragen als Antworten

Herbrechtingen? Heidenheim? Statt Antworten warf das erstmal mehr Fragen auf. Zudem erzählte die Frau, sie sei mit der Katze beim Tierarzt gewesen und der habe sie auf vier Monate geschätzt. Passte alles nicht so. Und dennoch war es Emmi.

Gesehen oder besser gehört hatte die Frau aus Heidenheim die Katze vor dem Fenster ihres Büros. Ihre Arbeitsstelle befindet sich im Industriepark auf der Ziegelei, also bei der Autobahn. Dort hörte sie das Kätzchen jammern.

Wie Emmi da hingekommen ist? Vom Schießberg in die Innenstadt, auf der anderen Seite wieder hoch und dann noch zum Industriepark – auf vier Pfoten? Eher unwahrscheinlich. „Emmi steigt gerne in Autos. Vielleicht hat sie jemand aus Versehen mitgenommen und dort oben wieder raus gelassen“, so die Mutmaßung der Besitzerin.

Als es Richtung Wochenende ging – Emmi wurde inszwischen auf der Ziegelei versorgt – beschloss die Frau sie mit nach Hause zu nehmen, nach Heidenheim. Dort wäre sie womöglich auch geblieben, wenn nicht – welch ein Zufall – ein Bekannter, der wiederum in Giengen arbeitet und einen der 50 ausgehängten Suchaufrufe gesehen hatte, die Heidenheimerin auf die gesuchte Katze in Giengen hinwies.

So kam es zum Telefonat. Erst nach dem Austausch von weiteren Bildern und der Betrachtung einer Narbe von einem Wespenstich war (fast) sicher: das ist Emmi aus Giengen.

Dank an Finderin

„Es ist überhaupt nicht selbstverständlich, dass die Finderin so einen Aufwand betreibt. Wir sind ihr total dankbar“, sagt die Giengerin, die mit ihrer Tochter nach Heidenheim fuhr, um Emmi zu holen. Die jedoch reagierte zunächst gar nicht, wirkte – wie Katzen halt so sind – fast beleidigt, als sie ihre Familie wieder sah.

Eine Woche war sie unterwegs gewesen und hatte eine wundersame Reise mit Happy-End hinter sich gebracht. Da war erstmal Schlafen angesagt.