Landwirtschaft und Energie sind zwei Bereiche, die seit einem Jahr ganz neu wahrgenommen und diskutiert werden. Beide Themen und damit auch die unterschiedlichen Herausforderungen der Ernährungssicherheit und Energiegewinnung zu betrachten, das machte sich die gemeinsame Veranstaltung der CDU Giengen und der Steuerkanzlei Ecovis RTS zur Aufgabe. Als Referenten konnte der Giengener CDU-Vorsitzende Rudolf Boemer den Bundestagsabgeordneten Roderich Kiesewetter und Hubert Kucher, den Vorsitzenden des Bauernverbands Ostalb-Heidenheim, begrüßen.

Landwirten fehle Planungssicherheit

Gleich zu Beginn stellte der Gastgeber und Steuerberater Stefan Mack die komplexe und unsichere Lage dar, vor der gerade die Landwirtschaft derzeit stehe. „Bei all den widersprüchlichen politischen Entscheidungen im Bund ist es kaum möglich, Entscheidungen zu treffen. Die Unsicherheit ist groß, da die Planungssicherheit und Verlässlichkeit fehlt“, so Mack, der mit seiner Steuerkanzlei besonders Landwirte betreut.

Roderich Kiesewetter nahm den Ball auf und fragte zu Beginn bewusst provokativ: „Ist die Landwirtschaft eigentlich noch gewollt?“ Diese Frage konnte mit einem klaren „Ja“ beantwortet werden, denn „unsere Landwirtinnen und Landwirte sichern unsere Ernährung, kümmern sich um die Biodiversität und sind mittlerweile wichtige Partner bei der Energiesicherheit“, so Kiesewetter. Der direkt gewählte Bundestagsabgeordnete stellte die Lage in der Ukraine heraus, die als Kornkammer der Welt deutlich weniger Getreide exportieren könne. Dies müsse Deutschland jetzt auffangen. „Die geplanten Flächenstilllegungen sind zum Glück erstmal vom Tisch. Dennoch müssen wir gerade bei den Ausgleichsflächen eine neue Diskussion beginnen. Neue Baugebiete dürfen nicht immer doppelt zu Lasten der Landwirtschaft gehen“, betont Roderich Kiesewetter und sieht hier den Bund und die Deutsche Bahn als Eigentümer großer Flächen in der Verantwortung.

Grundstücke mehrfach nutzen

Hubert Kucher pflichtete ihm hier bei und forderte, dass es keine Freiflächen-Photovoltaikanlagen gebe, bevor nicht auf jeder Firmenhalle eine PV-Anlage installiert sei. „Wir müssen Grundstücke in Zukunft mehrfach nutzen: Parken in der Tiefgarage, Ladenflächen im Erdgeschoss, darüber Wohnraum und auf dem Dach eine PV-Anlage“, so Kucher.

Intensiv wurde über das Thema Biogasanlagen diskutiert. „Wir haben hier einen wertvollen Schatz für die Energie- und Wärmegewinnung. Jetzt müssen wir einen Weg finden, wie diese noch besser in regionale Wärmenetze integriert werden können und es ist ganz klar, dass die Deckelung der Maximalproduktion für Biogasanlagen endlich fallen muss“, drängt Kiesewetter auf eine schnelle Lösung, denn in der aktuellen Situation müsse alles ans Netz, was möglich sei. „Wir brauchen mehr grundlastfähige Energieerzeugung. Statt mehr dreckiger Kohle müssen die Biogasanlagen ihre volle Kapazität ausnutzen können“, sind sich Hubert Kucher und Roderich Kiesewetter einig.