Den Kreisel an der Autobahn mit den Teddy in der Mitte abbauen und durch eine Kreuzung ersetzen? Diese Entscheidung wird weiter von Unverständnis seitens der Bürger begleitet, die ihr Misstrauen offenbar auch gegenüber Stadträten deutlich artikulieren.

„Ihr seid verrückt“

„Ich habe noch keinen getroffen, der die Entscheidung versteht. Alle sagen mir, wir im Gemeinderat seien verrückt. Es ist sehr schwer, den Leuten das Vorgehen zu verkaufen. Dabei können wir doch gar nichts dafür“, so CDU-Stadtrat Werner Bader.

Ähnlich äußerte sich Martin Unseld (Unabhängige/Grüne): „Das ist doch nicht auf der Miste der Stadt gewachsen, wir sind doch nur der Erfüllungsgehilfe des Bundes.“

Bund macht die Ansage

Das entscheidende Wort, so machte es Oberbürgermeister Dieter Henle in der Sitzung des Gremiums am Donnerstagabend deutlich, spreche der Bund: Er genehmige aufgrund der zu geringen Leistungsfähigkeit anderer Vorschläge nur diese Variante. Insgesamt sind sieben Varianten untersucht worden.

Um eine Erhöhung der Leistungsfähigkeit zu erreichen, wäre ein Umbau des Knotenpunktes Kreisels aus verkehrlichen Gründen in den kommenden Jahren durch die Straßenbauverwaltung, also den Bund, zwingend erforderlich geworden. „Wir ziehen das jetzt nur ein wenig nach vorne, weil das mit dem Anschluss unseres Industrieparks Sinn macht“, so der Rathaus-Chef.

Zahlen sind keine Fiktion

Helmut Schönberger erklärte, dass die erwartete Zunahme an Verkehr keine Fiktion sei. Sie resultiere unter anderem auch aus Aussagen der potenziellen Investoren für den Giengener Industriepark.

Der Kreisverkehr sei, das wurde erneut betont, ab einer bestimmten Zahl an Nutzern nicht mehr funktionsfähig, Und den Kreisverkehr auszubauen sei auch nicht möglich.

Olaf Holzer (CDU) fragte an, ob es zur besseren Verdeutlichung Fallbeispiele gebe. Wie der OB erklärte, soll dies Teil des Videos sein, dass seitens der Stadt geplant sei. Tiefbauamts-Mitarbeiter Schönberger verwies auf einen Kreisel in Günzburg, dessen Bypass schon kurz nach der Eröffnung wieder geschlossen werden musste wegen Überlastung.

Ein Kreisel bleibt

In Giengen müsse zwar der Teddy-Kreisel weichen, aber der unter anderem auf die Autobahn Richtung Ulm und in die Ziegelei führe, könne bestehen bleiben. Dieser Aussage war eine Frage von Stadtrat Unseld voran gegangen.

Insgesamt sieht OB Henle die Stadt beim Giengener Industriepark, mit dessen Planung man im Frühjahr 2018 gestartet sei, auf der Zielgeraden. Ende Februar/Anfang März 2021 soll der Gemeinderat den Bebauungsplan beschließen. Sobald alle Investorenverträge unter Dach und Fach sind, soll die Öffentlichkeit über die Vergabe informiert werden. Im Frühjahr werde man wohl soweit sein.

Weitere Beschlüsse gefasst

In der Sitzung in der Schranne hatte der Gemeinderat durch Beschlüsse weitere Schritte zur Realisierung eingeleitet: dazu zählt die Vergabe der Ingenieurleistungen für den Umbau des Teddy-Kreisels in Höhe von 110 452 Euro an das Büro G+H in Giengen.

Das gleiche Büro wurde zudem für Ingenieurleistungen für die Erschließung des Industrieparks zur Abwasserbeseitigung beauftragt. Hierzu müssen beispielsweise die Niederschlagswasserleitungen bis zur Einmündung in den Seegraben bei Hürben und die Schmutzwasserleitungen bis zu den jeweiligen Übergabepunkten im Ortsnetz von Giengen und Hürben geplant werden. Darüber hinaus müssen für die äußere Erschließung auch die zwei Regenwasserrückhaltebecken geplant werden. Diese sollen, so Tiefbauamtsleiter Alexander Fuchs, auf Nachfrage von Stadtrat Jörg Bayer, ökologisch aufgewertet werden.

Kontroverse schlägt sich in mehreren Leserbriefen nieder:

Giengen

Giengen

Giengen

Was bisher geschah: weitere Artikel zum Teddybär-Kreisel in Giengen:

Für den Bund: Stadt erneuert Fahrbahndecke auf B 492


Die Bundesstraße zwischen Giengen und Hermaringen weist starke Fahrbahnschäden auf. Zur Beseitigung dieser Schäden und zur Erhöhung der Verkehrssicherheit soll daher eine Fahrbahndeckensanierung vorgenommen werden, auf etwa vier Kilometern Länge. Die Stadt Giengen und die Straßenbauverwaltung haben eine Übereinkunft geschlossen, die Strecke als Gemeinschaftsmaßnahme zu sanieren.

Aufgrund personeller Engpässe bei der Straßenbauverwaltung und aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und um Synergieeffekte mit der Anbindung des neuen Giengener Industrieparks zu nutzen, übernimmt die Stadt Giengen die Aufgabe. Sie ist für die gesamte Planung, Ausschreibung, Vergabe, Bauüberwachung, Abrechnung und Vertragsabwicklung zuständig.

Die Straßenbauverwaltung trägt jedoch die Kosten für die Fahrbahndeckensanierung der Bundesstraße. Diese belaufen sich laut Schätzung auf etwa 2,4 Millionen Euro. Abgerechnet werden jedoch die tatsächlich angefallenen Kosten.