Giengen / pm Die Naturschutzverbände im Kreis Heidenheim haben ihre Stellungnahme zum geplanten „Giengener Industriepark A 7“ abgegeben. Die für das Projekt notwendige Änderung des Regionalplans wird abgelehnt.

Die Naturschutzverbände im Kreis Heidenheim haben beim Regionalverband Ostwürttemberg ihre Stellungnahme zum geplanten „Giengener Industriepark A 7“ abgegeben. Das vier Seiten umfassende Schreiben liegt der Redaktion vor. Darin wird ausführlich begründet, warum die Naturschutzverbände die geplante und für den I-Park notwendige Regionalplanänderung ablehnen. Chancen werden gesehen für eine moderate Erweiterung des bestehenden interkommunalen Industrieparks Giengen-Herbrechtingen, unter der Bedingung einer moderaten Flächenneuausweisung von maximal 20 Hektar, dem Nachweis eines konkreten Bedarfs und der weitgehenden Schonung ökologisch wertvoller Flächen.

Verzicht auf Riedanbindung

Als weiteren möglichen Kompromiss nennen die Verbände eine ganz neue Variante: Die Stadt Giengen gibt die Pläne für eine Anbindung des Giengener Rieds von Osten her durch Straßenbau- und weitere Gewerbegebiete auf und weist auf diesen ökologisch wertvollen Flächen dauerhaft ein Schutzgebiet aus.

Die Verbände (der Nabu-Kreisverband Heidenheim, der Nabu Giengen, die Mitgliedsverbände des Landesnaturschutzverbands-Arbeitskreises Heidenheim, ausgenommen die Naturfreunde Giengen) begründen ihre Stellungnahme ausführlich. Giengen plane die Neuausweisung von 40 Hektar und damit einen immensen Flächenverbrauch. Der geplante Standort sei als schutzbedürftiger Bereich für Landwirtschaft und Bodenschutz im Regionalplan ausgewiesen. Zudem gebe es für den Naturschutz wichtige Biotope wie Hecken, Gehölze und Obstwiesen.

Widerspruch zum Regionalplan

Dass Flächen für den überörtlichen Bedarf und große Unternehmen sowie Erweiterungsflächen für ortsansässige Betriebe geschaffen werden sollen, widerspreche wichtigen Zielen des Regionalplans, wonach regionale Grünzüge und landwirtschaftliche Flächen erhalten werden sollen. Durch die geplante Gewerbefläche würde der regionale Grünzug auf einen kleinen Rest schrumpfen, der Boden würde großflächig versiegelt und der Wasserhaushalt stark beeinträchtigt. Auch würde eine große landwirtschaftliche Fläche unwiederbringlich verloren gehen. Neben den bereits genannten Nachteilen für Boden und Wasser wäre die Fläche auch unwiederbringlich der regionalen Produktion von Lebensmitteln entzogen, argumentieren die Verbände.

Auch der Verkehr wird in der Stellungnahme eingehend betrachtet, von der massiv steigenden Belastung der Bundes- und Landesstraßen bis zur fehlenden Anbindung an den öffentlichen Verkehr.

Ausreichend Gewerbeflächen

Die grundsätzliche Notwendigkeit des neuen Gewerbegebiets erscheint den Naturschutzverbänden als nicht plausibel, weil die Stadt Giengen rein rechnerisch über 19,2 Hektar vorhandene Gewerbeflächen verfüge, und auch weil im bereits bestehenden interkommunalen Gewerbegebiet IP A 7 Giengen-Herbrechtingen selbst 22 Jahre nach der Ausweisung mehr als 27 Prozent freie Flächen verfügbar seien. Aktuell gebe es rückläufige wirtschaftliche Entwicklungen, was sich auf die Investitionsneigung und die Planung zusätzlicher Kapazitäten bei den Unternehmen auswirken werde. Man halte schon aus diesem Grund die von Giengen angeführten Ansiedlungsvorhaben für nicht realistisch.

Dem Argument, wenn „dieser Industriepark nicht in Giengen entstehe, dann geschehe dies eben woanders“ widersprechen die Naturschutzverbände vehement. Eine solche Vermutung könne nicht Bestandteil der hier zu treffenden Entscheidung sein.

Flächenbedarf fragwürdig

In seiner Begründung für die Regionalplanänderung führe Giengen auf, dass kurzfristig für zwei mittelständische, regional bereits ansässige Betriebe 20 Hektar Fläche benötigt würden. Außerdem bestehe Interesse eines großen Unternehmens von außerhalb der Region, das auch 20 Hektar benötige. Bei überregionalen Ansiedlungen sei allerdings bekannt, dass mehrere Standorte parallel angefragt würden. Ein so großer Flächenbedarf sei nicht zu rechtfertigen. Auch stelle sich die Frage, ob es Aufgabe eines Unterzentrums sein könne, Flächen für den überörtlichen Gewerbebedarf bereitzustellen. Dies sei klar zu verneinen. Aus Sicht der Naturschutzverbände ist es in der Folge vollkommen unverständlich, warum keine moderate Erweiterung des bestehenden IP A 7 Giengen-Herbrechtingen im interkommunalen Verbund angestrebt wird.