Giengen / Marc Hosinner Die Tage der nicht funktionierenden Starenkästen im Stadtgebiet sind gezählt. Im Frühjahr werden moderne Anlagen montiert.

Es ist bei ortskundigen Fahrern sicherlich kein Geheimnis: Die stationären Geschwindigkeitsmessanlagen im Stadtgebiet funktionieren nicht. Und das nicht erst seit gestern. Sowohl der Starenkasten in der Schwage als auch der an der Ulmer Straße sind defekt.

Doch die Tage, in denen Raser die beiden Stellen an den Ortseingängen ungestraft passieren, sind nunmehr absehbar vorbei.

„Die Ausschreibung für neue Anlagen ist in den letzten Zügen“, sagt Ordnungsamtsleiter Uwe Wannenwetsch. Die Vorbereitungen seien nahezu abgeschlossen. „Die Vorarbeiten für die Anschaffung der beiden neuen Anlagen war allerdings sehr umfangreich. Es mussten viele technische Details geklärt werden“, so der Leiter des Ordnungsamtes, der anfügt: „Neue Messanlagen kauft eine Kommune nicht jeden Tag. Das kommt sehr selten vor.“

In der Tat: Giengen nimmt im Landkreis beim Austausch von Starenkästen in Anlagen wie etwa der, die in Albeck bei Geschwindigkeitsüberschreitungen blitzt, fast eine Vorreiterrolle ein. Eine moderne stationäre „Radarfallle“, die am Straßenrand aufgebaut ist, findet sich noch in Steinweiler.

150 000 Euro stehen im städtischen Etat für die Neuanschaffungen zur Verfügung. „Spätestens im Januar sollte es im Gemeinderat zu einer Vergabe kommen. Wir hoffen, dass wir die Anlagen dann relativ zügig bekommen können und wollen diese bis zum Frühjahr aufbauen“, sagt Wannenwetsch. Die Inbetriebnahme sei für März vorgesehen.

Nur ein Standort bleibt gleich

Am Standort an der Schwagestraße werde festgehalten. „Da können wir die Anlage fast an identischer Stelle aufbauen“, so der Leiter des städtischen Ordnungsamtes.

Etwas anders verhält es sich am Standort an der Ulmer Straße. Der Starenkasten dort steht am Ortseingang kurz vor dem Abzweig in die Steigstraße beziehungsweise zum Hotel. „Das ist unserer Meinung nach etwas zu weit draußen. Die neue Anlage wird eher einige Meter weiter Richtung Innenstadt aufgebaut“, sagt Wannenwetsch.

Dem Beschluss, die alten gegen neue Messanlagen auszutauschen, waren einige Diskussionen im Rat, aber auch intensive Messungen vorangegangen: Vom 15. November bis 4. Dezember des vergangenen Jahres hatte die Stadt mit eigenen Geräten an beiden Standorten gleichzeitig gemessen. Rund um die Uhr wurde in beide Fahrtrichtungen die Geschwindigkeit dokumentiert. Die Spitzengeschwindigkeit, die an der Ulmer Straße gemessen wurde, betrug sage und schreibe 150 Kilometer pro Stunde. Bezogen auf die erlaubte Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern lag die Quote der Überschreitungen aller Fahrzeuge in beide Richtungen bei Autos bei 26 Prozent.

Noch drastischer fiel das Ergebnis an der Schwagestraße aus. Hier betrug die Spitzengeschwindigkeit 122 Stundenkilometer. Die Quote der Überschreitungen der vorgegebenen 50 Stundenkilometer lag insgesamt bei 73 Prozent.

Mobile Messungen Teil der Konzeption

Das Konzept der Überwachung des fließenden Verkehrs sieht neben der Neuanschaffung der stationären Anlagen weiterhin auch mobile Messungen vor. Der Gemeinderat hatte 2018 beschlossen, die Zahl der Messtage zu erhöhen - von 20 auf etwa 30 und mehr.

„Wir werden in diesem Jahr bei mehr als 30 Messtagen landen“, so Ordnungsamtsleiter Uwe Wannenwetsch. Bei dieser Art der Messung mietet die Stadtverwaltung das Messgerät und ein Fahrzeug an und stellt dazu städtisches Personal bereit, das die nötigen Einstellungen vornimmt und während der Messungen im Wagen sitzt.

Wie aus einer Statistik des Ordnungsamtes hervorgeht, haben die Ordnungswidrigkeiten im fließenden Verkehr in den vergangenen Jahren zugenommen. In den Jahren 2011 bis 2013 wurden im Schnitt 3259 Verwarnungen ausgesprochen, 2017/18 waren es dagegen im Schnitt 4560 Verwarnungen. 2018 wurden beispielsweise 3687 Ordnungswidrigkeiten bei Geschwindigkeitsmessungen ausgesprochen, 870 Verwarnungen bezogen sich auf Verstöße bei nicht angegurteten Fahrern oder solchen, die ihr Mobiltelefon am Steuer nutzten.