Giengen / Marc Hosinner Der Gemeinderat hat jetzt die Rahmenbedingungen festgelegt, nach denen der architektonische Wettbewerb für die Neugestaltung vonstattengehen soll. Die Struktur der Altstadt soll erhalten bleiben.

Es kam wie erwartet: Die Neuordnung des Areals rund um das Lamm sorgte im Gemeinderat am Donnerstagabend für eine breit angelegte Diskussion. Tenor: Die Stadträte freuen sich über das Ansinnen der Ulmer Investoren, ein Brauhaus, ein Budget Hotel und Wohnungen zu errichten. Doch es wurden auch kritische Stimmen laut.

Bevor jedoch das Gremium in die Debatte einstieg, erinnerte Oberbürgermeister Dieter Henle daran, dass Stadt und Gemeinderat seit dem Frühjahr des vergangenen Jahres mit dem Thema beschäftigt sind. „Heute geht es darum, die Rahmenbedingungen zu schaffen und den Architekten, die am Wettbewerb beteiligt sein werden, Spielregeln zu geben“, so Henle.

Stadtplaner Günther Ingold sprach von einem „hohen Stellenwert“ des Vorhabens, das eine grundlegende Neuordnung des Quartiers nach dem Abriss mit sich bringe. Die Verwaltung plane für den gesamten Block, jedoch blieben das Rauber-Haus, die Apotheke und das Spielwarengeschäft erhalten. Auf der von den Investoren ins Auge gefassten Fläche stehe ein Haus unter Denkmalschutz. Es handelt sich einen Gebäudeteil des Hotels/Restaurants Lamm (Marktstraße 19). Die Hausnummer 17 dagegen (Eckhaus zum Rathaus hin) stehe nicht unter Denkmalschutz.

Für den Wettbewerb sei ein Spagat zu lösen: Einerseits bedürfe es städtebaulicher Vorgaben, andererseits wolle man die Kreativität der Architekten nicht zu eng einschnüren.

Möglich sei, so Ingold, eine dreigeschossige Bebauung. „Der Charakter der Altstadt soll bewahrt werden. Wir wollen keinen monolithischen Baublock. Kleine Einheiten sollen zumindest nach außen hin sichtbar bleiben“, so der Stadtplaner. Es sollen einheitliche Baukanten gegenüber Marktstraße, Kirchgasse und Schlössle erreicht werden. „Im Quartier sollen moderne und zeitgenössische Gebäude und Stadtstrukturen entstehen. Der historische Stadtgrundriss soll weiter ablesbar sein.“

Mit diesen und anderen Vorgaben werden die Investoren nach Beschluss des Gemeinderats aufgefordert, einen Wettbewerb auszuloben.

„Das Quartier weist eine schlechte Bausubstanz auf und hat unansehnliche Ecken. Es ist sehr zu begrüßen, dass was passiert“, so SPD-Fraktionsvorsitzende Gaby Streicher (SPD). Almuth Kummer (CDU) brachte die Metropole Frankfurt ins Spiel, wo es gelungen sei, Moderne und Historie zu verbinden. „Ich stelle mir das im Kleinen hier auch so vor“, sagte die Stadträtin. Von einem „Glücksfall“ sprach ihr Fraktionskollege Werner Bader. Mit einer modernen Gebäudestruktur könne man durchaus „was schaffen, was in die Altstadt passt“. „Es könnte richtig toll und einladend werden“, war sich Bernd Kluge (SPD) sicher, Franz Heger (CDU) sprach von einer „einmaligen Chance“ und Martin Hörsch (Grüne/Unabhängige) sagte: „Das kann etwas Gutes werden. Wie das funktioniert, sieht man beispielsweise in Weißenhorn. Davon konnten wir uns bei der Klausur vor Ort selbst überzeugen.“

Anstoß genommen wurde an der Absicht der Investoren, falls möglich, auch das denkmalgeschützte Lamm-Gebäude abreißen zu wollen. Alexandra Carle (Unabhängige/Grüne) meinte dazu: „Ich fände es extrem schade, wenn die Marktstraße 19 auch abgerissen werden würde.“ Auch Hans Waldenmaier (CDU) sprach sich für den Erhalt des Gebäudes aus: „Daran hängt mein Herz.“ Oberbürgermeister Dieter Henle entgegnete: „Natürlich gibt es den Ansatz, das Gebäude zu erhalten. Die Frage ist aber auch, was wirtschaftlich vertretbar ist. Letztlich muss das ein Gutachten entscheiden.“

Wilhelm Oszfolk (SPD) äußerte Kritik gänzlich anderer Art: Ihn störte es, dass über das Vorhaben der Investoren in der Zeitung berichtet wurde, bevor der Gemeinderat dazu etwas sagen konnte. Auch vermisste er die „Herren Investoren“ selbst in der Sitzung. OB Henle dazu: „Die Investoren können selbst bestimmen, zu welchem Zeitpunkt sie an die Öffentlichkeit gehen.“ Und Werner Bader sagte: „Ich brauche die Investoren heute hier nicht. Viel wichtiger wird ihre Präsenz sein, wenn es um die Realisierung geht.“

Der Zeitplan

Zunächst werden die Investoren einen Architektenwettbewerb initiieren. Dann wird es darum gehen, welcher Entwurf wie realisiert wird. Zudem muss ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden. Mit dem Abbruch der Gebäude soll im Herbst 2020 begonnen werden, Baubeginn könnte dann im Frühjahr/Sommer 2021 sein und die Fertigstellung ist nach jetzigem Stand für 2022 vorgesehen. moh