Giengen / Thomas Grüninger Bisher sind drei Personen an vier Giengener Schulen im Einsatz, ab September kommen weitere 1,5 Vollzeitstellen dazu. Fallzahlen unterstreichen die wachsende Bedeutung.

Die Stadt Giengen wird die Schulsozialarbeit ab September dieses Jahres ausbauen. Bedarfsbezogen sollen 1,5 weitere Vollzeitstellen hinzukommen.

Dass man mit dieser Entwicklung auf dem richtigen Weg ist, wussten die beiden Schulsozialarbeiter Saskia Seipp und Raphael Süß, die gemeinsam mit Amelie Rubröder an vier Giengener Schulen tätig sind, in der jüngsten Sitzung auch anhand von Fallzahlen dem Gemeinderat zu berichten. Im Gremium herrschte Einvernehmen über die wachsende Bedeutung der Schulsozialarbeit in der heutigen Zeit.

„Wir nehmen dieses Thema in Giengen sehr ernst“, betonte Oberbürgermeister Dieter Henle und sprach ebenso von einem „Qualitätsmerkmal“, wie dies später auch einige Stadträte taten.

Hilfe wird beansprucht

Im Augenblick gestaltet sich die Aufteilung der Schulsozialarbeit in Giengen so: Die Bühlschule wird mit 1,5 Vollzeitstellen versorgt. Margarete-Steiff-Gymnasium und Robert-Bosch-Realschule teilen sich eine Vollzeitstelle. Auch die Lina-Hähnle-Schule mit der Außenstelle Bergschule wird mit  einer halben Vollzeitstelle bedacht.

Lina-Hähnle-Schule und Robert-Bosch-Realschule sollen dann ab dem neuen Schuljahr mit 100-Prozent-Stellen von der Schulsozialarbeit profitieren. Die Bühlschule wird zwei Vollzeitkräfte erhalten.

Raphael Süß und Saskia Seipp konnten an Fallzahlen belegen, wie sehr die Hilfe an den Giengener Schulen im Vergleich zu Statistiken des Landes in Anspruch genommen wird. Wurden auf Baden-Württemberg bezogen im Schuljahr 2016/17 durchschnittlich 120,3 Schüler je Vollzeitstelle beraten, so nahmen in Giengen 163,7 Schüler die individuelle Beratung und Hilfe in Anspruch.

Elternarbeit teils schwierig

Auch bei den Beratungen von und mit Lehrkräften lag Giengen (79,3 Schüler je Vollzeitstelle) über dem Landesdurchschnitt (68,2). Beratungen im Bereich der Suchtprävention, des Jugendschutzes oder der Gesundheitsförderung nahmen in Giengen durchschnittlich 131 Schüler pro Vollzeitstelle in Anspruch (im Landesvergleich waren es 72,4).

Bei der Erreichbarkeit der Eltern (Stichwort Elternbildung) gibt es allerdings manchmal noch Probleme, bestätigten die beiden Referenten. Die Angebote seien teilweise sehr schleppend angenommen worden und wurden angesichts des begrenzten Budgets auch etwas eingeschränkt, hieß es auf Nachfrage von OB Henle.

„Es gibt aber immer noch auch engagierte Eltern“, zeigte sich Christine Mack (SPD) überzeugt. Schulsozialarbeit sei immens wichtig, im Mittelpunkt der Aufgabe müssen vor allem Kinder stehen, die Gefahr laufen, aufgrund sozialer Benachteiligung ins Abseits zu geraten. Von den in der Gemeinderatssitzung vorgelegten Zahlen an den Giengener Schulen zeigte sie sich beeindruckt.

„Ihre Arbeit verdient Respekt“, meinte auch Franz Heger (CDU-Wählerblock), der daran erinnerte, dass der Schulsozialarbeit einst ein Makel anhaftete, während sie heute als Qualitätsmerkmal gelte. Dem pflichtete Maria Konold-Pauli (CDU-Wählerblock) bei, die im Blick auf die eher zaghaften Anfänge der Schulsozialarbeit  fasziniert war, welch rasante Entwicklung hier stattfand.

Karin Häußler (CDU-Wählerblock) bestätigte den Schulsozialarbeitern ebenso „tolle Arbeit“, meinte aber auch, dass es grundsätzlich erschreckend sei, dass man sie brauche. Im Zusammenhang verwies sie auch auf den Vorteil kleiner Schulen, wo man die Situation noch „gut im Griff“ habe.

Hilfen von Land und Kreis

Die Schulsozialarbeit wird sowohl vom Land (Kommunalverband für Jugend und Soziales) als auch vom Landkreis Heidenheim gefördert. Das Land gewährt derzeit noch einen Zuschuss von 16 700 Euro pro Vollzeitstelle (also für Giengen insgesamt 51 000 Euro), ab 2020 soll der Fördersatz auf 22 000 Euro je Vollzeitstelle erhöht werden. Der Landkreis Heidenheim steuert 18 300 Euro je Vollzeitstelle bei.

Schulsozialarbeit spielt sich auf vielen Feldern ab

Schulsozialarbeit wirkt auf den drei Ebenen Prävention, Intervention und Koordination. Ziel ist es, junge Menschen in ihren Problemstellungen zu erreichen. Sie basiert auf einer vertrauensvollen Beziehung zwischen den Fachkräften, den Kindern und Jugendlichen.  Indem möglichst auch die Eltern erreicht und mit eingebunden werden, sollen soziale Benachteiligungen ausgeglichen und individuelle Problemlagen besser bewältigt werden.

Zu den Arbeitsfeldern der Schulsozialarbeiter gehören sowohl die Einzelfallhilfe als auch Arbeiten mit Gruppen und ganzen Schulklassen. Die Tätigkeit setzt auf eine enge Kooperation mit den Lehrern und der jeweiligen Schulleitung und steht in einer Netzwerk-Verbindung mit relevanten Behörden und Einrichtungen.