Burgberg / Lothar Danzer Mit Spezialfahrzeugen wird der Abwasserkanal des Schlossguts Burgberg bei starkem Gefälle grundlegend saniert. Die Stadtwerke erneuern parallel auch die Trinkwasserleitung.

Vom Schlossgut Burgberg, das dominant über der Hürbetalgemeinde liegt, gibt es nicht nur einen herrlichen Ausblick ins Tal, es gibt auch zahlreiche Pferde, gackernde Hühner, Hunde, Ziegen und viele Rinder. Obendrein gehören seit fast 30 Jahren eine Pferdepension und ein erfolgreiches Lipizzanergestüt dazu.

Eine behagliche Atmosphäre, die in den letzten Tagen einiges an Lärm aushalten musste: Für eine neue Wasser- und Abwasserleitung wurde am steilen und steinigen Schlossberg von morgens bis abends gebaggert, gesägt und gehämmert. Auf einer Länge von etwa 200 Metern und bei sehr starkem Gefälle wurde mit Spezialwerkzeugen ein 120 Zentimeter tiefer Graben gelegt.

Steine statt Historisches

Gleichzeitig wird die Gelegenheit genutzt, um Leerrohre für Multimedia und Telekommunikation mit einzubauen. Es war eine wahre Herausforderung für die Schlossbesitzer, die die Erdarbeiten komplett in Eigenregie vornahmen. „Dabei sind keine historischen Überreste zutage getreten. Nur viele Steine in kleinem und größerem Ausmaß kamen zum Vorschein“, sagt lachend Seniorchef Walter Badmann.

Hier, wo als erstes Mitglied der Geschlechter derer von Berg im 13. Jahrhundert ein Konrad von Berg lebte und wo Maria Gräfin von Linden im Jahre 1869 geboren wurde, hat sich seit dem Jahr 2002 auf dem 190 Hektar großen Ackerland und Wald ein zertifizierter Demeter-Betrieb entwickelt, der von Diplom-Agrar-Ingenieur Walter Badmann (57) und seinem Sohn, dem Landwirtschaftsmeister Benedikt Badmann (29), sowie Pferdewirtschaftsmeisterin Anna Chromow-Badmann (57) in einer GbR verwaltet wird.

Auf dem Gut wird nach biologisch-dynamischen Richtlinien gearbeitet. Anders als viele andere Wirtschaftszweige ist die Landwirtschaft nicht direkt von derzeitigen Einschränkungen durch die Corona-Krise betroffen.

Nicht nur für die Schlossbewohner, sondern auch für die Tiere und den landwirtschaftlichen Betrieb bedarf es einer gut funktionierenden Wasser- und Abwasserinfrastruktur. Die bisherige schlosseigene Wasser-Kleinkläranlage für das gesamte Ensemble entsprach nicht mehr dem Stand der Technik und erfüllte auch nicht mehr die DIN-Norm für eine weitere Zulassung.

Stadtwerke ebenfalls aktiv

Deshalb wird in den nächsten Wochen eine neue, zukunftssichere Kunststoff-Abwasserleitung mit einem Durchmesser von 20 Millimetern am Schlossberg verlegt und an die zentrale städtische Abwasserleitung an der Breiten Furt angeschlossen.

Um mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, macht es auch gleich Sinn, die erstmals im Jahre 1927 gelegte Guss-Trinkwasserleitung hoch zum Schloss durch eine neue Kunststoffleitung (Durchmesser 110 Millimeter) von den Stadtwerken Giengen austauschen zu lassen. Die kompletten Maßnahmen sollen bis Anfang/Mitte Juli 2020 abgeschlossen sein. „Denn fest steht, dass dann bei uns die Ernte losgeht“, so Walter Badmann.

Die Gesamtkosten der Baumaßnahmen werden von den Schlossbesitzern auf etwa 100 000 Euro beziffert.

Bewegte Geschichte: Großfeuer und Suche nach Attilas Gold

Auf der ehemaligen Burg, auf einer Talecke hoch über dem Hürbetal liegend, wo Lone, Hürbe und Brenz zusammenfließen, befand sich im Innenhof einstmals ein Brunnen (Zisterne), der 1790 verschüttet wurde. Danach bezogen die Bewohner ihr Trinkwasser aus den Quellen bei der Brunnenwiese am „schwarzen Acker“ und aus den Quellen im Hang des Schlossberges. Freiherr Edmund von Linden erwarb im Jahre 1838 die Schlossanlage.

Ein Großfeuer gab es am Karfreitag 1953 auf dem Schlossgut zu bekämpfen. Über 300 Feuerwehrleute aus dem ganzen Kreis Heidenheim rückten der gewaltigen Feuersbrunst zu Leibe. Nebengebäude, Stallungen und viele Tiere fielen dem Feuer zum Opfer. Menschen kamen nicht zu Schaden. Das Schloss selber blieb, dank der schlagkräftigen Wehren, vom Feuer verschont.

Anfang der Siebzigerjahre machte „Professor“ Bruno Aspiron als Schatzgräber von sich reden, der unter etwas undurchsichtigen Motiven den felsigen Hang durchwühlte und nach dem Gold des Hunnenführers Attila suchte. Der Erfolg war, so wie man hörte, recht bescheiden. db