Giengen / Mathias Ostertag Rosemarie Eigner gehört zu den dienstältesten Mitgliedern der Giengener Bereitschaft des Deutschen Roten Kreuzes. Ohne ihren Einsatz würde wohl so einiges brach liegen.

Die Aussage kommt wie aus der Pistole geschossen: „Das DRK ist ein wichtiger Teil meines Lebens. Ich kann mir nicht vorstellen, in fünf Vereinen aktiv zu sein“, sagt Rosemarie „Rosi“ Eigner. Sicher hätte sie aber etwas verpasst, wäre sie nicht vor mehr als 40 Jahren zum Erste-Hilfe-Kurs beim Roten Kreuz gegangen, so die 61-Jährige. In mehrfacher Hinsicht.

Etwa familiär: Nicht nur Eigner selbst, sondern auch ihr Mann Günter und die beiden erwachsenen Kinder sind bzw. waren im DRK aktiv, „das Rote Kreuz war quasi immer das große Geschwisterle“, sagt die gelernte Erzieherin. Und so sei das DRK eine zweite Familie geworden. Etwas Besseres habe ihr nicht passieren können.

Anfang der 1970er-Jahre hatte sich Eigner gemeinsam mit vier Kolleginnen für einen Extra-Kurs beim DRK angemeldet. Und anders als die Kollegen habe nie wieder richtig loslassen können. „Mich hat das Ganze Drumherum beim DRK gepackt. Ich konnte gar nicht anders, als eine Rot-Kreuzlerin zu werden“, sagt Eigner, wo sie schnell so einige Verantwortungen innerhalb der Bereitschaft übernahm. Und dann traf sie dort auch noch ihren Mann: „Zwei Jahre, nachdem wir uns kennengelernt hatten, haben wir geheiratet.“ In den Siebzigern trafen sich die Mitglieder der DRK-Bereitschaft für Kurse und andere Aktivitäten noch in einem kleinen Kellerraum in der alten Realschule in der Obertorstraße. Von einer modernen Rettungswache wie heute in der Herbrechtinger Straße war man weit entfernt.

Schon in den ersten Jahren ihrer aktiven Zeit beim DRK nahm Eigner mit Giengener Teams an Leistungsvergleichen teil, teils konnten sogar Landesentscheide von den Giengenern gewonnen werden. Vor mehr als 30 Jahren machte sie den Lehrschein als Ausbilderin für öffentliche Erste-Hilfe-Kurse und andere Fortbildungen. Das tut sie bis heute, so wie sie auch bis heute regelmäßig bei großen und kleinen Veranstaltungen im Einsatz ist – seien es Konzerte, sei es im Stadion beim FCH oder wie zuletzt bei der kreisweiten Notfallübung auf dem LEA-Gelände im Giengener Ried. „Ich lasse inzwischen oft den Jüngeren den Vortritt.“ Ein Böhse-Onkelz-Konzert auf dem Hockenheimring, tue sie sich nicht mehr an. „Ich habe einst bei einem Konzert der Sängerin Blümchen in der Walter-Schmid-Halle Dienst tun dürfen“, erinnert sie sich.

Vor 33 Jahren hat die 61-Jährige den Ausbilderschein erworben, an ihrem Kernanliegen habe sich nichts geändert: „Wichtig ist es, dass die Leute von sich aus sehen, was sie in einem Notfall tun können.“ Es bringe aber nichts, Menschen zu zwingen, Hilfe zu leisten. Dann würden Fehler gemacht. „Am falschesten ist es, gar nix zu tun.“

Es gab aber auch mal eine Zeit, da fühlte sich Rosi Eigner selbst irgendwie falsch. 2008 war das, die die damals 55-Jährige fühlte sich erschöpft, ausgelaugt. Die Diagnose: Burnout. Auch ihre Arbeit in der Bereitschaft blieb liegen, als sie dann nach einiger Zeit zurückkehrte, hatte sich vieles verändert. „Den Großteil meiner Aufgaben hatten andere übernommen, ich musste erst wieder meinen Platz finden.“

Und das fiel ihr nicht leicht, sie dachte darüber nach, sich zurückzuziehen. „Da wurde mir erst richtig bewusst, dies alles positiver zu sehen.“ Es sei auch ohne sie weitergegangen. „Wir haben einige 20- bis 30-Jährige, die gehen manches auch mal etwas anders an.“ Deshalb tritt sie ein wenig kürzer. Früher habe sie zum Beispiel kaum ertragen, wenn ein Dienst nicht besetzt worden sei. „Ich muss jetzt nicht mehr überall in vorderster Front im Einsatz sein“, sagt sie.

Zumal Rosi Eigner noch vielfach aktiv ist. Die Öffentlichkeitsarbeit für die Bereitschaft ist ihr ein Anliegen („Die Menschen kommen mit fliegenden Fahnen zum Blutspenden“), auch hat sie vor zwei Jahren eine Seniorengruppe innerhalb des DRK gegründet. Und, die digitale Archivierung von Kursmaterialien und anderen Schreiben und Formularen sollte auch mal erledigt werden. Eines scheint jedenfalls fast schon sicher: „Ich sterbe irgendwann mal als Rotkreuzlerin“, sagt sie lachend.