Giengen / Marc Hosinner Junge Menschen in Entscheidungen der Stadt einbeziehen? Nicht so einfach, wie die Vergangenheit in Giengen gezeigt hat. Neue Möglichkeiten der Beteiligung sollen das ändern.

Was interessiert junge Menschen? Wie können deren Belange von Gremien berücksichtigt werden? Wie gelingt es, Schüler in die Entscheidungsprozesse einzubinden oder sogar ihre Mitarbeit anzuregen? Keine Fragen, auf die es einfache Antworten gibt.

„Die beste Bereitschaft zur Beteiligung besteht immer dann, wenn eine bestimmte Gruppe ein bestimmtes von ihr selbst gewähltes Thema bearbeitet“, sagte Franziska Radinger, Leiterin des städtischen Amts für Bildung und Soziales, in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats, als über das Thema Jugendbeteiligung, die gesetzlich verpflichtend vorgeschrieben ist, gesprochen wurde.

Ein Austausch mit unterschiedlichen Gruppen zu den Themen Skaterpark, Jugendtreff oder sozialen Netzwerk-Plattformen hätten bereits stattgefunden. Die Unterstützung der Stadt sei seitens des Oberbürgermeisters beim Besuch von Schülergruppen oder in Gesprächen mit Jugendvertretern signalisiert worden.

Beteiligung der Jugend gebe es beispielsweise laufend im Haus der Jugend, bei runden Tischen, bei Kinderkonferenzen oder einer Ideenwerkstatt.

Ein neues Jugendforum soll kommen

Aber: Modelle wie Jugendgemeinderat, Jugendhearings, Jugendforen, Jugendstammtische oder andere länger angelegte Formen gab’s in den vergangenen zwei Jahrzehnten nicht in der Stadt.

Weil das Interesse der Jugendlichen an starren Formen erfahrungsgemäß eher schwach ausgeprägt ist, schlägt die Stadt informelle Beteiligungsformen für die Jugend vor, wie: „Politik und Pizza: Forum für Jugend“.

Das steckt dahinter: Einmal im Jahr soll eine Gemeinderatssitzung mit Jugendlichen in legerer Form beziehungsweise ein Forum für Jugend angeboten werden. Dabei könnten die jungen Menschen ihre eigenen Themen zur Sprache bringen und es könnten aktuelle, für Jugendliche interessante Themen aus dem Gemeinderat vorgestellt werden. Das Forum soll gemeinsam mit Jugendlichen geplant und vorbereitet werden.

Die Themen sollen, so die Vorstellung der Stadt, im Voraus in den Schulen beziehungsweise Jugendabteilungen der Vereine besprochen werden.

Vor Ort mit den Jugendlichen sprechen

Eine weitere Form der Beteiligung könnte in sogenannten Hearings ablaufen: Stehen politische Entscheidungen in Stadtteilen an, könne vor Ort ein Treffen mit den Jugendlichen stattfinden – wie dies in Hohenmemmingen der Fall war, mit dem Resultat, dass ein Beachvolleyball-Feld gebaut wurde.

Weitere Beteiligungsmöglichkeiten sieht die Verwaltung in Werkstätten, in denen Themen intensiv in moderierten Arbeitsgruppen angegangen und Ziele formuliert werden.

Mit den einzelnen Modellen habe die Verwaltung einen „Instrumenten-Koffer“ an Beteiligungsformen. Mit „Politik und Pizza“ werde eine regelmäßige Plattform geschaffen, welche die Hemmschwelle senke, damit sich Kinder und Jugendliche in kommunalpolitische Themen einbringen können.

Das sagen die Stadträte zur Jugendbeteiligung

„Ich kann die Beteiligung der Jugendlichen nur begrüßen. Es ist an der Zeit, sie ins Boot zu holen“, so die Einschätzung von Stadträtin Heike Euent (Unabhängige/Grüne), ihr Fraktionskollege Dr. Erwin Kleemann meinte: „Es ist wichtig zu starten.“ Klaus Kälble (SPD) regte eine sorgfältige Planung an und Olaf Holzer (CDU) sprach hinsichtlich der Ideen von einer „tollen Sache“.

Einstimmig wurde die Verwaltung vom Rat beauftragt, die Möglichkeiten der Beteiligung umzusetzen.

Vernetzen, koordinieren, unterstützen: So sieht die Hauptaufgabe von Harald Wirth aus. Seit einem Jahr ist er Kreisjugendreferent bei der Landkreisverwaltung. Die Jugendarbeit in allen Formen soll er im Blick haben. Im Jugendhilfeausschuss hat er nun die Konzeption für seine Arbeit vorgestellt.

Was sich Jugendliche wünsche

Marcel Neumann, Student an der Dualen Hochschule, hat eine Bachelorarbeit zum Thema „Kommunale Jugendbeteiligung in Giengen“ angefertigt. Er hat dafür Achtklässler der Bühlschule, der Robert-Bosch-Realschule und des Margarete-Steiff-Gymnasiums befragt.

Eine der Fragen, die an die Schüler gestellt wurden, lautet: „Was würdest Du am liebsten ändern wollen?“ Im Bereich „Infrastruktur“ wurden beispielsweise genannt: W-Lan in der Innenstadt, mehr Orte zum Abhängen, bessere Verkehrsverbindungen oder auch mehr Geschäfte. Im Bereich „Sport und Freizeit“ wurde unter anderem genannt: Mehr beleuchtete Basketballplätze, ein Kino und bessere Skaterplätze.

Einige Ergebnisse Neumanns in seiner Arbeit: Politikverdrossenheit treffe auf Giengener Schüler nicht zu. In den nächsten drei Jahren sei eine breite Beteiligungskultur ausbaufähig. Es bestünden gute Voraussetzungen, ein gut funktionierendes Beteiligungssystem einzuführen.