Im Hürbener Vereinsheim der Landfrauen duftet es bereits beim Eintreten: Nach Vanille, frisch gebackenem Stollen und geschmolzener Schokolade. Zwischen wahren Mehlbergen und Puderzuckerhäufchen wird emsig gewerkelt: Die Adventszeit steht kurz bevor und die Hürbener Landfrauen sorgen beim gemeinsamen Weihnachtsbacken schon einmal für den ersten Schub an frischen Plätzchen.

„Früher habe ich oft die ganze Nacht durchgebacken“, erzählt Karin Häußler. Neben Haus, Hof und Kindern keine leichte Aufgabe, aber ein bunt gefüllter Plätzchenteller habe zur Weihnachtszeit einfach dazugehört. „Vor dem ersten Advent wurden die aber immer gut versteckt – damit an Weihnachten überhaupt noch etwas übrig war“, erinnert sich Lotte Schauz, während sie die Marmeladenfüllung auf die frisch aus dem Ofen kommenden Spitzbuben streicht. Echte Handarbeit ist das: Jedes der noch warmen Plätzchen muss einzeln mit Marmelade bestrichen werden, erst dann kann der obere Teil aufgeklebt werden. Dabei kommt die Marmelade jedoch aus dem Supermarkt – früher sei das „Gsälz“ aber stets handgemacht gewesen.

Früher wurden Plätzchen anders gebacken

Überhaupt hat sich beim weihnachtlichen Plätzchenbacken so einiges verändert, finden die Landfrauen. „Früher hat man ganz viel Springerle gebacken“, sagt Erna Hester. Doch heute hat kaum noch jemand die Model, die Backformen für diese Plätzchenart. „Und da war auch immer ein großes Risiko dabei“, ergänzt Hester, denn wenn die Springerle keine „Füßchen“ bekommen hatten, konnte man sie unmöglich auf den Weihnachtsteller legen – und die ganze Arbeit sei von vorne losgegangen.

„So viel Zeit zum Plätzchenbacken nimmt man sich heute nicht mehr“, meint Karin Häußler. Backen sei früher ganz klar die Aufgabe der Hausfrau gewesen. „Heute sind viele Frauen berufstätig, da hat so etwas nicht mehr dieselbe Priorität.“ Dabei ist genügend Zeit die wichtigste Zutat beim Backen, wenn man einen bunt gefüllten Plätzchenteller haben möchte. „Bis zu 25 Sorten habe ich gemacht“, erzählt Lotte Schauz. Zimtsterne, Schwarzweiß-Gebäck, Makronen, Bärentatzen und Vanillekipferl seien dabei nur ein kleiner Teil gewesen.

Auf die Zutaten kommt es beim Backen an

Aber früher war auch nicht alles besser - auch nicht, was das Plätzchenbacken betrifft. „Da hat man den Teig immer und immer wieder mit Mehl gestreckt“, erzählt Schirmer. An den teuren Zutaten wie der Butter habe man schließlich sparen müssen. Dabei ist die Butter ganz entscheidend für den Geschmack. „Wir nehmen auf gar keinen Fall Margarine“, sagt Häußler und holt die nächste Fuhre Kekse aus dem Ofen. Eine weiteres Blech bunte Ausstecherle wird dafür hinein geschoben. „Nur einmal habe ich Margarine genommen“, erzählt sie weiter. Schon nach dem ersten Bissen hätte ihr Sohn lauthals verkündet: „Mama, das schmeckt gar nicht!“ Die Auswahl der Zutaten sei deshalb so wichtig, da man die Plätzchen länger aufbewahre als anderes Gebäck, wissen die Landfrauen. Und auch nach ein paar Wochen sollen sie schließlich noch schmecken. Manche Neuerung in der Weihnachtsbäckerei gefällt also auch den Landfrauen. So auch der Aufsatz für die Küchenmaschine, den Karin Häußler für das Spritzgebäck benutzt: Unermüdlich formt er den Teig in die typische Form des Spritzgebäcks, sodass er nur noch auf dem Blech platziert werden muss. „Früher haben wir den Teig durch den Fleischwolf gedreht“, erklärt sie. Auch dafür habe man einen speziellen Aufsatz gehabt – so viel verändert hat sich durch den Einsatz der Küchenmaschine also nicht. „Aber es spart einfach Zeit, und das ist gerade beim Backen klasse“, so Häußler.

Plätzchenbacken nach Rezept der Landfrauen: Teig kneten wie früher

Obwohl die Küchenmaschine einsatzbereit auf dem Tisch steht, knetet Andrea Schwarz den Teig trotzdem lieber mit den Händen. Erst wird ein Mehlberg aufgeschüttet mit einer Kuhle in der Mitte: Dort kommen dann Eier, Zucker und weiche Butter hinein. „Das mache ich schon immer so, weil ich dann genau weiß, wann der Teig fertig ist“, meint die gelernte Konditorin. Einig sind sich aber alle Landfrauen darüber, dass ohne das perfekte Rezept die ganze Backerei nichts werden kann. „Die alten Rezepte sind immer noch die besten“, meint Lotte Schauz überzeugt. Heutzutage werde dagegen viel zu viel Wert auf kalorienbewusstes Backen gelegt – aber letzten Endes bleibe da bloß der Geschmack auf der Strecke. „Und Rezepte googeln – das mache ich nicht“, erklärt Häußler.

Und auch wenn jede der Landfrauen so ihre eigenen Tricks und Kniffe auf Lager hat, was die perfekten Weihnachtsplätzchen gelingen lässt, sind sie doch alle einer Meinung, dass zwar das perfekte Rezept, die richtigen Zutaten und genügend Zeit zum Backen unabkömmlich sind – „aber wenn man dann keine Lust hat, wird's trotzdem nichts“, meint Häußler.

Das Schönste am gemeinsamen Plätzchenbacken in der Weihnachtszeit ist aber für alle, dass die Plätzchen anschließend beim gemeinsamen Kaffee verkostet werden können – ganz ohne vorher versteckt zu werden.