Hürben / Dieter Reichl Mit Pioniergeist hat er touristische Ideen verwirklicht: Eduard Geisser bleibt als engagierter Stadtrat, vor allem aber als Förderer der Höhlenwelt in Erinnerung.

Große Betroffenheit in Hürben und darüber hinaus löste am Mittwoch die Nachricht vom Tod Eduard Geissers aus. In der Nacht war er, wenige Tage vor seinem 75. Geburtstag im Dezember, ganz und gar überraschend in seinem Haus am Hohen Rain gestorben.

Die Meldung seines Todes war umso bedrückender, als er als Vorsitzender des Heimat- und Höhlenvereins erst wenige Tage zuvor erfreut und munter über eine gelungen zu Ende gegangene Saison in der Charlottenhöhle und dem Höhlenhaus berichten konnte. Und bereits mit großen Plänen auf die kommende Saison und auf die kommenden Jahre blickte.

Lebenswerk

So ist es sicherlich auch sein Engagement für die Hürbener Höhlenerlebniswelt, das in Erinnerung bleiben wird. Die Erweckung der Charlottenhöhle aus ihrem Dornröschenschlaf und die mit Augenmaß betriebene Umwandlung in ein touristisches Ziel mit zuletzt immer um die 40 000 Besucher jährlich, der Bau des Höhlenhauses 2005, der Umbau der alten Turnhalle in das heutige Erlebnismuseum – ohne ihn wäre all dies nur schwer vorstellbar gewesen. Bei der Verleihung der Städtischen Ehrenmedaille in Gold 2015 hatte der damalige Oberbürgermeister Gerrit Elser vollkommen zurecht seinen „Pioniergeist in Sachen Tourismus“ gewürdigt. Seinen Einsatz um die Höhlenwelt bezeichnete Elser als „Lebenswerk“.

Dies war keine Übertreibung. Geisser war Herz und Seele der Anlage. Wer ihn zwischen Frühling und Herbst sprechen wollte, brauchte gar nicht erst bei ihm zu Hause anzurufen, er war seit der Einweihung 2005 fast immer rund ums Höhlenhaus anzutreffen, und kümmerte sich dort um alles. Unterstützung hatte er hierbei nicht zuletzt von seiner Frau Brigitte. Als überaus geselliger Mensch hat er den Trubel dort mit den jährlich sicherlich 150 000 Besuchern sichtlich genossen - bei allen organisatorischen Pflichten war er einer launigen Plauderei stets aufgeschlossen. Geisser stammte gebürtig aus dem Sudetenland, kam 1959 nach Giengen und lebte seit 1981 in Hürben. Er pflegte neben seiner Passion für Höhle und Steinzeit die Leidenschaft fürs Motorrad - oft war er auf seiner Harley-Davidson unterwegs, aktiv war er zudem im TV, im Schwäbischen Albverein und im Obst- und Gartenbauverein.

Gesamte Stadt im Blick

Engagiert war Geisser 20 Jahre nicht zuletzt als Stadtrat für die CDU-Wählerblockfraktion, vertrat dabei seinen Heimatort, hatte aber stets das Wohl der Gesamtstadt im Blick. Sein Sinn für Humor blitzte immer wieder auf, unter anderem bei seinen höchst amüsanten Einlagen anlässlich der jährlichen Weihnachtsfeiern des Gemeinderats.

Auch Oberbürgermeister Dieter Henle würdigte gestern vor Beginn der Gemeinderatssitzung Geissers langjähriges Wirken für die Stadt. Er rief seine Jahre als engagierter Gemeinderat zwischen 1994 und 2014 in Erinnerung, was von Gemeinde- und Städtetag ebenso gewürdigt wurde wie 2015 seitens der Stadt mit der Verleihung der Ehrenmedaille in Gold.

Mit sehr viel Herzblut und großem Ideenreichtum habe er sich für die touristische Entwicklung Giengens und Hürbens eingesetzt. Sein außerordentliches Engagement rund um die Charlottenhöhle in Hürben sei hervorzuheben. Geisser habe den Höhlen- und Heimatverein gegründet und als Vorsitzender maßgeblich zur Schaffung des Hürbener Höhlenzentrums beigetragen. „Dies war ohne Frage sein Lebenswerk und ganzer Stolz“, so Henle.