Giengen / Dieter Reichl Oberbürgermeister Dieter Henle sieht die finanzielle Genesung der Stadt auf erfreulichem Weg und sieht Spielraum für rentierliches Investieren vor dem Hintergrund der Entschuldung.

Das Interesse der Bürgerschaft an der Entwicklung ihrer Stadt scheint sehr groß. Dieser Eindruck entsteht, wenn man die fast voll besetzte Walter-Schmid-Halle beim Neujahrsempfang am Sonntag als Indiz nimmt.

Wie immer wird bei einem solchen Anlass zurück- und vorausgeblickt. Eine Vorausschau galt dem kommenden Donnerstag. Dann wolle man den Haushaltsplan mit seinem 60-Millionen-Euro-Volumen beschließen, sagte Oberbürgermeister Dieter Henle. Er sieht die finanzielle Genesung der Stadt auf einem erfreulichen Weg. Zwar spare ,an weiterhin, wo es sinnvoll ist, dennoch könne man den Gürtel Loch für Loch öffnen. Auch das soll da geschehen, wo es sinnvoll erscheint. „Das ermöglicht uns rentierliches Investieren vor dem Hintergrund der Entschuldung.“

Trotz der Schaffung neuer Stellen vor allem im Bereich von Bildung und Betreuung steigere man das Investitionsvolumen. Die Finanzierung der Projekte „ohne Goldesel im Keller des Rathauses“ soll unter der Maxime der Priorisierung, den Erfahrungen aus den vergangenen Jahren und der Inanspruchnahme von Fördermitteln geschehen. Die größten Projekte der nahen Zukunft – eine lange Liste – sind laut Henle die Ausweisung neuer Baugebiete in der Kernstadt und den Teilorten, die Sicherstellung der medizinischen Versorgung, der Kindergarten Lederstraße, das Dorfgemeinschaftshaus Sachsenhausen, die Entwicklung der Innenstadt mit Rathausplatz und Marktstraße, der Ausbau des Tourismus und der Industriepark A7. Für letzteren warb Henle wiederholt und ausdrücklich. Er sei ein „struktureller Befreiungsschlag“. Vor einem Jahr habe man von diesem Projekt noch nichts gewusst, Auslöser waren laut Henle die zahlreichen Anfragen von Unternehmen, die sich in Giengen ansiedeln möchten. nach Prüfung sei man auf den jetzigen Standort an der A7 gekommen.

Eine „echte Chance“ für die Stadt sieht Henle im Verkauf der Grundstücke und der finanziellen Gesundung für die Stadt, den neuen Arbeitsplätzen, der Bindung von Fachkräften an die Stadt, einer gesteigerten Kaufkraft, in Impulsen für Kultur und Freizeit. Das Finanzierungskonzept stehe, Änderungen in Regionalplan und Flächennutzungsplan seien angestoßen oder beschlossen. Im Parallelverfahren werde der Bebauungsplan aufgestellt, erste notarielle Kaufoptionen mit Grundstückseigentümern seien abgeschlossen. „Wir wollen dieses Gebiet als Marke erschließen, die städtebaulich und ökologisch Referenzen abgibt.“

Weiterer Kernpunkt von Henles Ansprache war die „aktive Bürgergesellschaft“ in Giengen. Gemeinsinn habe die Spendenaktion „Sternekässle“ dokumentiert, der Bürgerdialog werde aktiv genutzt, das soziale Engagement funktioniere, egal ob im Zusam-Lädle, bei der Vesperkirche, bei der Integrations-, der Jugend- wie der Seniorenarbeit, ebenso auch in den Vereinen, bei der Feuerwehr, mit den Partnerstädten. Wichtig sei es, das Motto „Wir in Giengen“ mit Leben zu füllen.

Abgesehen von den Reden erfreuten sich die Gäste am Sonntagabend auch an Musik- und Showbeiträgen von Stipendiaten der Stefan-Doraszelski-Stiftung, dem Ethno Dance Project der AWO Heidenheim sowie dem Bläserkraftwerk unter Leitung von Petra Schüßler. Und nicht zuletzt durfte das Publikum den neuen Bürgermeister der Partnerstadt Pré St. Gervais, Laurent Baron kennenlernen, inklusive seiner Deutschkenntnisse. Eine Delegation war in Giengen, nächstes Jahr wird 50 Jahre Städtefreundschaft gefeiert.