Giengen / Dieter Reichl Für den Jahrgang 1941/42 hat Lotte Moll Erinnerungen an ihre Kindheit aufleben lassen, Rosemarie Ruoß hat sie aufgeschrieben und Günther Ruoß Fotos dazu gestellt.

Nostalgische Giengener Heimatkunde, und das ganz privat: Für ihren Schuljahrgang 1941/42 hat Lotte Moll gemeinsam mit Rosemarie und Günther Ruoß ein kleines Büchlein zusammengetragen, in dem sie in Wort und Bild Erinnerungen aus ihrer Giengener Kindheit aufleben lassen.

Erinnert hat sich die Giengenerin Lotte Moll, die bis zu ihrem 13. Lebensjahr in der Gartenstraße aufwuchs, „en dem markanda Haus em idaliänischa Bauschdil“, wie es bereits auf Seite 4 geschildert wird. Man merkt: Der Leser sollte des Schwäbischen mächtig sein, ansonsten bietet die Lektüre tatsächlich eine Herausforderung. Ins Schwäbische gesetzt wurden Lotte Molls Erinnerungen von Rosemarie Ruoß. Amüsanterweise spricht sie selbst kein einziges Wort Schwäbisch, was nicht verwundert, da sie aus der Wuppertaler Gegend stammt. Verstehen tut sie es aber perfekt, man merkt dem Text nicht an, dass er von einer „Rei’gschmeckten“ aufgeschrieben wurde. Unterstützt wurde sie sicherlich von ihrem Mann Günther Ruoß, er wiederum ein waschechter Giengener. Er hat neben Lotte Molls Erinnerungen einen ganz entscheiden Anteil an dem äußerst gefälligen Büchlein, denn er steuerte die den Text perfekt ergänzenden historischen Fotos aus dem Leben der Stadt Giengen bei. Ruoß, der auch regelmäßig Vorträge über Alt-Giengen hält, kann dafür auf einen Fundus von, wie er sagt, „mindestens“ 700 Fotos zurückgreifen. Diese zu betrachten bedeuten einen ganz eigenen Reiz, denn Giengen hat sich doch reichlich verändert im Lauf der Zeit, und so manches ist heute ganz anders oder einfach verschwunden. Die älteren Giengener werden so manches wiedererkennen, jüngere sogar staunen. Allein der Brenzarm in der Lederstraße oder die Spitalstraße mit dem damaligen Gubi – wer weiß das noch?

Wem dieses Nostagie-Projekt bekannt vorkommt, täuscht sich nicht. Es gibt bereits ein Vorgängerbüchlein, das wiederum Lotte Moll und Günther Ruoß zusammengestellt haben, als der Schuljahrgang 70 Jahre alt wurde. Eigentlich hätte das neue Heft zu Pfingsten 2017 und damit zum 75-er-Fest fertig sein sollen, aber weil man eigentlich einen Film geplant hatte, hat es sich verzögert, so dass der Band erst jetzt fertig wurde.

Der alte Band erfreute sich großer Beliebtheit, rund 250 Exemplare fanden einen Abnehmer, wie Günther Ruoß berichtet. Die drei Autoren sind gespannt, ob auch das neue Heftchen ankommt. Lotte Moll jedenfalls berichtet, es sei ihr nicht schwergefallen, die zahlreichen Erinnerungen zu wecken. „Ich hätte noch mehr gehabt“ sagt sie lachend. So wurden es 60 Seiten. Zu einem dritten Band werde es aber wohl nicht kommen, meint sie. Als sie das sagt, ist allerdings zu spüren, dass hierbei das letzte Wort noch nicht gesprochen sein dürfte . . .